Reisen Meditation

Kontakte reduzieren, weltweite Reisewarnung und die Empfehlung, das Zuhause so selten wie möglich zu verlassen: Die Corona-Pandemie lässt Reisen oder erlebnisreiche Freizeitgestaltung in weite Ferne rücken. Was tun, wenn dich das Fernweh packt und die Lust nach dem Fremden immer größer wird? Für den Anfang brauchst du außer ein paar Minuten Zeit und etwas Stille gar nicht viel. Atme einmal tief durch und komm mit mir auf eine kleine Reise. Geschrieben von John.

Zeit für Achtsamkeit

Die gute alte, viel beschworene und teilweise inflationär verordnete Achtsamkeit. Wie oft hören wir von Bekannten, wie gut ihnen ihre tägliche Meditationsroutine tut. Wie oft haben wir schon Artikel über das achtsame Abwaschen oder achtsames Schokolade essen gehört? Da wundert es nicht, dass Achtsamkeit von vielen nur noch müde belächelt wird und Achtsamkeitsexpert:innen von kapitalismusgerechter ↠ McMindfulness sprechen. Daher soll auch dieser Artikel kein Plädoyer dafür sein, die Corona-Zeit doch bitte möglichst effizient zu nutzen und sich endlich mal mit Achtsamkeit auseinanderzusetzen. Nein, das ist Achtsamkeit eben nicht. Es geht nicht um Effizienz oder Selbstoptimierung, um noch besser zu funktionieren.

Vielmehr möchte ich dich dazu einladen, dir mal meine Perspektive zu dem Thema aufzuzeigen. Ich möchte dir zeigen, wie du mit Achtsamkeit vielleicht sogar ein bisschen deine Lust zu reisen stillen kann. Denn was stecken eigentlich für wahre Bedürfnisse hinter dem Verlangen nach Urlaub? Wir wollen unserem stressigen Alltag entfliehen, mal nicht an das Meeting in einer Stunde, die nervigen Kund:innen oder die Deadline für die nächste Hausarbeit denken. Wir wollen uns nicht mit so banalen Dingen wie Abwasch und Wäscheabnehmen beschäftigen, wollen nicht unsere Nachbar:innen rumschreien oder trampeln hören. Und wir haben keine Lust darüber nachzudenken, was wir im Supermarkt noch alles besorgen müssen. Wir wollen nur in diesem einen Moment leben. Einfach mal so richtig entspannen, uns treiben lassen und neue Dinge entdecken.

„Ich kann nicht meditieren!“

All das lässt sich super easy mit Meditation erreichen. Jetzt höre ich gedanklich schon einige aufstöhnen, dass sie das mit der Meditation doch schon probiert hätten, es aber einfach nicht könnten. Hier meine Antwort: absoluter Quatsch! Das Schöne an Meditation ist ja gerade, dass man gar nichts können muss. Es gibt kein richtig und kein falsch und auch kein erreichbares Ziel! Das anzuerkennen haben wir wohl einfach verlernt. Viel zu oft geht es doch sonst darum, irgendwas besonders gut, schnell und schön zu machen. Nun ist das natürlich sehr plakativ und ich weiß schon ganz genau, was die Ich-kann-nicht-meditieren-Fraktion meint.

Doch worum geht es mir beim Meditieren? Bei der ganz „schlichten“ Meditation geht es doch vor allem darum, sich einfach mal Zeit für sich zu nehmen. Klingt irgendwie platt und ausgelutscht, ist aber so. Wie das Ganze dann ausgestaltet wird, muss eh jede:r für sich selbst herausfinden. Und wenn mir währenddessen Tausende Gedanken durch den Kopf schießen, dann kann das erstmal ganz schön anstrengend und nervig sein. Dann kann ich auch gut nachvollziehen, warum Leute keinen Bock darauf haben und sagen, sie könnten nicht meditieren. Aber soll ich dir mal was verraten? Die Gedanken sind eh da. Nur so hast du dir und deinem Hirn zumindest mal kurz den Raum gegeben alles abschießen zu können. Auch das kann ja im Nachhinein was total befreiendes haben.

Anleitung zum Meditieren

Keiner muss nach einer Meditation tiefenentspannt oder völlig mit sich und der Welt im Reinen sein. Guck einfach was passiert und versuche, das was kommt sein zu lassen – und das möglichst ohne es zu bewerten. Klingt doch gar nicht mehr so schlimm, oder? Und für diejenigen, die – so wie ich anfangs – trotzdem eine ganz kleinschnittige Anweisung benötigen, weil sie sich sonst zwar ewig lang damit beschäftigen, es aber trotzdem nie tun: Hier (m)eine ganz einfache Anleitung:

  • Such dir zunächst einmal einen chilligen Ort.
  • Dann setze oder lege dich dort ganz bequem hin und schließe die Augen.
  • Und nun mache einfach mal ein paar Minuten lang nichts.
  • Wenn du mit Nichtstun wirklich so gar nichts anfangen kannst, hier noch ein Tipp: Spüre einmal in aller Ruhe nacheinander in all deine Körperteile hinein oder beobachte deinen Atem, denn der fließt ja sowieso.

Aber was hat das denn jetzt eigentlich mit Reisen zu tun? Weiter oben habe ich ja die These aufgestellt, dass dich Meditieren entspannen wird. Kurz danach stelle ich klar, dass du danach nicht entspannt sein musst und es sogar anstrengend sein kann. Ja, was denn nun? Alles stimmt halt irgendwie. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es dich auf die Dauer oder einzelne Male definitiv entspannen wird. Ist einfach so!

Wenn du kein erleuchteter Buddha werden willst, musst du auch nicht täglich meditieren, ja, du musst nicht mal wöchentlich meditieren. Du musst sowieso gar nichts! Probiere es aus und gucke einfach, wie es sich für dich gut in dein Leben integrieren lässt. Wann du dir die Zeit und den Raum nehmen willst und kannst. Ich meditiere beispielsweise mal drei oder vier Mal pro Woche und mal drei oder vier Wochen gar nicht.

Reisen Meditieren

Vor- und Nachteile angeleiteter Meditation

Möglicherweise erscheint dir das jetzt doch zu einfach und du wünscht dir mehr Anweisungen. Dann kannst du natürlich auch die Möglichkeit einer angeleiteten Meditation nutzen. YouTube und ↠ super viele Apps bieten dazu eine unendliche Anzahl geführter Meditationen an. Der große Vorteil ist natürlich, dass es das Meditieren deutlich vereinfachen kann. Die Verantwortung abzugeben und auf die „Befehle“ anderer zu hören, ist ja nachvollziehbarerweise oftmals der leichtere Weg. Außerdem findest du im Internet so die unterschiedlichsten Arten von Meditationen. Ob gegen innere Unruhe, Ängste oder für mehr Selbstbewusstsein – das WWW hält alles parat.

Allerdings gibt es hier auch einige Nachteile. Einerseits schlitterst du in Abhängigkeiten von technischer Ausstattung oder der anleitenden Person. Anderseits kann die unüberschaubare Anzahl an Meditationen ganz schön überfordern, was eher Stress auslöst. Die Meditation selbst kann so auch zu einem unangenehmen Erlebnis werden. Möglicherweise kommen durch bestimmte Anweisungen vielleicht Gedanken oder Bilder auf, die du eigentlich gerade lieber vermieden hättest. Das kann ein YouTube-Video natürlich nicht wissen. Es kann aber auch gut sein, dass die anleitende Stimme für dich eher anstrengend ist. So fällt es dir dann auch schwerer dich darauf einzulassen. Diesen Fall hatte ich schon öfter. Und besondere Vorsicht rate ich bei besonders körperbezogenen Meditationen. Die können ohne Vorerfahrungen oder professionelle real life Begleitung ganz schön heftig werden.

Imaginative Verfahren: Reisen im Kopf

Nur Wald, See und ich

Und nun möchte ich dir noch von einer ganz persönlichen Meditationserfahrung berichten. Die hat im Übrigen sogar ganz viel mit Reisen zu tun. Ich nutze nämlich gern auch mal die Möglichkeiten imaginativer Verfahren, also ganz bestimmter Vorstellungen. Dazu bringe ich mich gedanklich an einen Ort und in eine Zeit, wo ich wirklich schon einmal war. In eine Situation, in der ich mich vollkommen wohl und entspannt gefühlt habe. Solche Vorstellungen können nicht nur positiv auf dein subjektiv empfundenes Stresslevel wirken. Sie können auch echte messbare Auswirkungen und Veränderungen auf deinen Körper, wie zum Beispiel deine Körpertemperatur oder deinen Herzschlag, haben. Das ist übrigens auch eine Wirkweise des Autogenen Trainings.

Mit Meditation zurück nach Schweden

Eins meiner gedanklichen Lieblingsbilder stammt aus meiner Wanderung entlang des schwedischen ↠ Bohusleden im letzten Sommer. Dabei war ich allein in schwedischer Bilderbuchlandschaft unterwegs. Die dritte Nacht der Reise verbrachte ich an einem der unzähligen kristallklaren Seen. Nur der Wald, der See und ich. Absolute Ruhe und Stille. Und so bringe ich mich oft in meinen Meditationen zurück in genau diese Situation.

Sehr hilfreich finde ich dabei einige Fragen, die ich mir währenddessen stelle und versuche möglichst detailliert zu beantworten.

Wie sieht die Welt um mich herum aus?
Was sehe, rieche oder fühle ich?
Wie sieht der Himmel aus?
Gibt es dort Wolken?
Welche Farbe hat der Himmel?
Welche Geräusche nehme ich wahr?
Kann ich unterschiedliche Vogelarten erhören?
Wie warm ist es?
Wie fühlen sich die einzelnen Sonnenstrahlen auf meiner Haut an?

Und so weiter. Wichtig dabei ist, dass ich immer wieder auch versuche nachzuspüren, wie sich mein Körper damals wirklich anfühlte.

Was Buddha dazu sagt

Meditieren kann dir nicht nur einen Ausweg aus deinem Alltag bieten und dich entspannen. Es kann dich auch für einige Minuten tatsächlich an einen fernen Ort bringen, dich reisen lassen. Und womöglich kann es sogar für einen kurzen Moment dein Fernweh stillen. Und jetzt kommt Buddha doch noch mal ins Spiel. Der soll nämlich gesagt haben:

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“

Und hätte er 2.500 Jahre später gelebt, hätte er sicher auch folgenden Spruch in seiner Insta-Story geteilt: „When you can’t go outside, go inside!“

Mit diesem Artikel melden wir uns aus wochenlanger Funkstille zurück. Auch uns hat die Corona-Krise aus dem Alltag gerissen, wie wir ihn kannten. Und ganz ehrlich: Ans Reisen denkt gerade niemand. Wir werden dennoch versuchen, uns so oft wie möglich vom Homeoffice zu lösen und uns hier zu Wort zu melden. Lassen wir auf uns zu kommen, wann Reisen wieder so möglich sein wird, wie wir es lieben. Nein, lassen wir uns selbst einen Beitrag leisten – indem wir so oft wie möglich zu Hause bleiben.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Wenn du nun vielleicht einmal selbst versuchen möchtest, dich mit Meditation auf Reisen zu begeben, dann freuen wir uns über deinen Pin auf Pinterest.

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