Reisefreiheit: Früher und heute

25 Jahre Deutsche Einheit – das ist für viele gleichbedeutend mit 25 Jahren Reisefreiheit. Gerade in den vergangenen Wochen wurde jedoch deutlich, wie sensibel diese Errungenschaft doch ist – und dass noch immer genügend Hürden auf dem Weg zu einer wirklichen Reisefreiheit existieren. Geschrieben von Marc.

Auf in die Welt!

Als die Mauer fiel, war ich gerade einmal ein halbes Jahr alt. Wenn ich also von 25 Jahren Reisefreiheit schreibe, dann bedeutet das gleichzeitig, dass ich die Zeit ohne wirkliche Reisefreiheit vor dem Mauerfall nicht im geringsten miterlebt habe.

Was ich jedoch miterlebt habe, ist, wie meine Eltern ihre neuen Möglichkeiten, die Welt zu entdecken, genutzt haben. In der Nähe von Leipzig aufgewachsen, führten mich meine ersten Reisen mit und dank ihnen nicht nur an die Ostsee, sondern auch nach Österreich oder an den Bodensee. Und schon früh ging es mit dem Flugzeug auf nach Menorca, Tunesien, Kreta oder die Kanarischen Inseln. Noch zehn Jahre zuvor eine Sache der Unmöglichkeit!

Da lacht er! Ich auf einer meiner ersten Reisen, hier in Österreich.

Reisefreiheit: Ein Gedankenspiel

In ganz jungem Alter waren all diese Reisen für mich natürlich nicht ganz so selbstverständlich wie heute. Das hatte allerdings weniger etwas mit der politischen Lage zu tun, sondern vielmehr mit der Begeisterung für den Blick aus dem großen Flugzeug auf die so kleine Welt. Noch heute ärgere ich mich Mal ums Mal, wenn ich keinen Fensterplatz erhasche.

Doch wäre ich nur 20 Jahre früher geboren – gemessen an der Geschichte der Menschheit eine verschwindend kurze Zeitspanne – hätten mich meine ersten Reisen in ganz andere Gefilde geführt, nämlich zum Beispiel nach Ungarn, Bulgarien oder in die damalige Tschechoslowakei.

Hätten mich diese Reisen östlich der Mauer als Kind weniger geformt? Wohl kaum. Die Entdeckungen, die Erlebnisse, die Erinnerungen, die Emotionen – all das hätte mich auch auf diesen Reisen geprägt. Das wird nicht zuletzt auch daran deutlich, dass John und ich vor Kurzem erst durch Ungarn, Serbien und Mazedonien gereist sind und dort einige Schätze einer gar nicht mal allzu weit entfernten Welt kennen lernen durften.

Eigentlich fehlt nur das wehende, lange blonde Haar… Urlaub an der Ostsee.

Neue, alte Grenzen

Und doch war es auch unser Trip über den Balkan, der gezeigt hat, dass diese Reisefreiheit, von der wir immer so stolz reden, natürlich ihre Grenzen hat. Ob im Nachtzug von Ungarn nach Serbien oder von Serbien nach Bulgarien. Ob im Bus von Bulgarien nach Mazedonien oder von Mazedonien nach Griechenland: Die Grenzpolizisten ließen uns mit ihrer zumeist ziemlich bösen Miene schätzen lernen, weshalb die offenen Grenzen – ob nun innerhalb oder außerhalb Deutschlands – zu den wohl größten Errungenschaften der (Nach-)Wendezeit gehören.

Doch es sind nicht nur die Grenzen auf der Landkarte, die unser Reisen im wahrsten Sinne — begrenzen. Konflikte an allen Enden der Welt lassen „No-Go-Areas“ entstehen, sowohl für Reisende generell, besonders aber auch für sogenannte gesellschaftliche Minderheiten. Eine Reise in den Iran mag für Deutsche schon herausfordernd genug sein. Es treffen schließlich zwei sich kaum bekannte Kulturen aufeinander.

Doch traut man sich etwa als schwules Pärchen nach Teheran, wenn man schon im nahen Ungarn Gefahr läuft, auf offener Straße verprügelt zu werden? Wirkliche Reisefreiheit sieht anders aus.

Street Art in Sofia: Nicht immer geht es zwischen zwei Staaten so herzlich zu – zu Lasten der Reisefreiheit.

Wie wir uns selbst begrenzen

Seit 1990 hat sich natürlich noch einiges mehr getan, wodurch wir zumindest auf den ersten Blick freier reisen können. Man denke nur an das mobile Internet, ohne welches viele unserer Reisen heute völlig anders ablaufen würden. Google Maps, digitale Übersetzer sowie die eine oder andere Buchungsapp sind für viele zu treuen Reisebegleitern geworden. Mit ihnen entfällt das Blättern im Wörterbuch genauso wie die ewige Unterkunftssuche vor Ort oder das Herumirren im Nirgendwo.

Doch in manchen Fällen laufen wir durch das stets greifbare Internet erst recht Gefahr, uns selbst zu begrenzen. Ziemlich sicher entdeckt man das eine oder andere 1 THING TO DO auf Reisen genau dann, wenn man sich eben nicht stur an die Route von Google Maps hält – oder zum Beispiel vor Ort ganz analog auf Unterkunftssuche geht und so mit einigen Menschen erst richtig ins Gespräch kommt.

Israel Eilat Strand

Unsere Reise nach Israel ist so ziemlich das Paradebeispiel dafür, dass auch wenn nichts wie geplant klappt, am Ende nichts wirklich schief laufen muss.

Und so ist es mit der Reisefreiheit wohl genauso wie mit der Freiheit im Allgemeinen: So richtig vollkommen werden wir sie wohl nie erleben. Und doch sollten wir nie vergessen, wie es wertvoll ist, für Freiheit und Reisefreiheit zusammen einzustehen. Mal sehen, wo wir uns auf diesem Weg in weiteren 25 Jahren befinden werden.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

29 thoughts on “Reisefreiheit: Früher und heute”

  1. 27jakob0712 says:

    Ein sehr guter Artikel. Auch wenn ich denke, dass wir heute Reisefreiheit haben. Mein Vater sagte zu tiefsten DDR-Zeiten immer zu mir, verreise, sehe dir die Welt; du wirst auf jedes Jahr mit Reue zurückschauen, wenn du deine Zeit vertan hast. Und ich bin verreist, im Ostblock und habe das nie bereut.

    Heute, denke ich, haben wir Reisefreiheit. Es gibt aber auch Einschränkungen, wie ein begrenztes Budget, Urlaub, den man vom Arbeitgeber nicht bekommt, o.ä. Auch die von Dir beschriebenen Dinge sind eine Form der Einschränkung. Freiheit wird aber von den verschiedenen Gesellschaften definiert! Nicht von unseren Gedanken.

    Wir persönlich haben nur eine individuelle Ansicht, die gesellschaftlich irrelevant ist. Vor allem in anderen Gesellschaften, sprich Ländern. Aber gerade das, macht für mich Reisen interessant, etwas anderes kennenzulernen. Wenn also ein schwules Pärchen in den Iran reist, sollte es in der Öffentlichkeit seine Beziehung nicht ausleben. Ähnliches gilt auch für mich als Atheist, wenn ich eine Moschee oder Kirche besuche. Da sollte ich nicht mit heidnischen Verhalten religiöse Orte glaubender Menschen entweihen. Auf allen Reisen, bin ich der Meinung, sollten wir uns, wie Gäste verhalten. Denn das sind wir.

    Dennoch danke, Dein Artikel hat mich angeregt, darüber nachzudenken, was Reisefreiheit bedeutet. Ich kann in jedes Land dieser Welt Reisen, wenn ich wollte!

    Viele Grüße aus Dresden
    Peter

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für deine ausführlichen Gedanken!

      Der Artikel hat ja nicht ganz ohne Grund ein Fragezeichen in der Übersicht. 🙂 In den meisten Dingen stimme ich dir auch absolut zu.

      Letztens habe ich aber einen Artikel gelesen über einen Mann, der jedes Land der Welt bereist hat und die nennt, wo die Einreise am schwersten war. In manche kommt man als Normalsterblicher ziemlich sicher nicht rein. Mal schauen, ob ich den Artikel finde. 🙂

      Liebe Grüße nach Dresden!

      1. 1 THING TO DO says:

        Okay, es könnten auch mehr als 5 Länder sein, leider nur auf Englisch: http://www.garfors.com/2013/05/the-hardest-most-difficult-countries-to.html

  2. goldeneslichtimzimmer says:

    Vielen Dank für den schönen Beitrag! Ich war gerade 7 Jahre alt geworden, als die Mauer fiel – das hab ich in Berlin natürlich auch nicht ganz verstanden, weil ich ja noch ein Kind war, aber es war zu spüren. Meine Eltern haben dann auch sofort aufgehört, mit uns an die Ostsee zu fahren, sondern sind mit uns durch Deutschland, Österreich und in die Schweiz gefahren. 1993 sogar für zwei Wochen nach Kreta.

    Und ich war in den letzten Monaten mal eben so in Warschau und London – Freunde besuchen. Ganz selbstverständlich. Nur mit Personalausweis. Grenzenlos großartig!

    1. 1 THING TO DO says:

      … und das ist auch gut so! 😀

  3. Nat Worldwild says:

    Ich hab auch nur eins zu sagen: Beide Daumen hoch für einen solchen Artikel!

    1. 1 THING TO DO says:

      Vielen, lieben Dank!

  4. Paleica says:

    ein stilles sternchen für den schönen text.

    1. 1 THING TO DO says:

      Ein lautes Danke zurück!

  5. ilona says:

    so ist es doch oft: Man muss den richtigen Pass haben – dann darf man. Jemand, der halt „Pech hatte“, der darf nicht. War früher so und heute auch.
    Ein Westdeutscher konnte die DDR besuchen, nicht so selbstverständlich, aber doch leichter, als ein Ostdeutscher die BRD.
    Aber die Frage ist, wollte ein Westdeutscher die DDR besuchen? Wenn ich mir anschaue, wie sehr allein diese Grenze in den Köpfen vieler noch vorhanden ist. Viele Wiener, die ich kannte, sahen sich ganz selbstverständlich als „im Westen lebend“ und weigerten sich, „in den Osten“ nach Tschechien zu fahren. Das Prag westlich von Wien liegt, war da Nebensache. Hinter dem Neusiedlersee, so erzählte mir einmal eine Kollegin, sei für sie eine weiße Linie und danach leben die Eisbären – das interessiert sie nicht, da fährt sie nicht hin. Oder wie viele Westdeutsche waren noch nie in einem der neuen Bundesländer (außer Berlin vielleicht…)?

    Welch wunder also, dass es für viele auch so selbstverständlich ist, dass wir in flugzeuge steigen und herumfliegen, während andere im Schlauchboot übers Mittelmeer schippern müssen – das ist halt so. Manche reisen einfach herum, andere können das nicht mal auf legalem Wege. Und für viele scheint daran überhaupt nichts Seltsames zu sein. Ist halt so.

    Selbst wenn man also Reisefreiheit hat, so stoßen dabei doch noch viele an ihre eigenen Grenzen im kopf…

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für diesen Kommentar! Das Thema hat wirklich endlos viele Facetten…

      Ich hatte gerade beruflich mit dem Thema zu tun, dabei haben wir herausgefunden, dass in der Tat deutlich weniger Westdeutsche zwischen 1990 und heute die „neuen“ Bundesländer besucht haben, als umgekehrt. Aber immerhin: Es werden immer mehr! 🙂

      1. ilona says:

        ja, es hat wirklich endlos viele Facetten. Als ich den Kommentar fertig geschrieben hatte, dachte ich noch: Eigentlich habe ich gar nicht sooo konkret auf euren Beitrag Bezug genommen, das war eher freies Brainstorming.
        Ich glaube, für viele Ostdeutsche war es immer ein Wunsch, mal in den Westen fahren zu können – sie konnten diese Freiheit viel mehr wertschätzen. Westdeutsche denken noch immer an die Bilder aus der DDR, wenn sie an Ostdeutschland denken. Nicht alle natürlich, aber viele.
        Ich bin unweit der Grenze aufgewachsen und kann mich noch an einige Situationen und Szenen nach dem Mauerfall erinnern. Ich weiß, dass meine Großeltern seit der Wende ständig nach Thüringen fuhren – und uns mitnahmen. Dann gings ins Erzgebirge, fast jedes Jahr. Auch meine Eltern waren dort oft. Umso verblüffter war ich, als meine Mutter vor einigen Jahren plötzlich sagte, nach Berlin wolle sie nicht, das hätte ihr „damals“ gar nciht gefallen. Damals war in den 1970ern. Auch da gab es noch immer eine Grenze im Kopf…

        1. 1 THING TO DO says:

          Puh, ich nehme an, seit damals hat sich die Stadt in der Tat schon mehrmals um 360 Grad gewandelt. Also wenn sie noch ein bisschen Inspiration braucht, arbeiten wir gerne an einem Artikel zu Berlin. 😀

          1. ilona says:

            Na, ich hab ihr das eh schon deutlich gemacht, dass sich wohl keine Stadt Deutschlands SO massiv gewandelt hat 😀

  6. ☼Sigrid☼ says:

    Als ich so alt war wie ihr – ich nehme einfach mal an so um die 20 ;.)
    hörte die Reisefreiheit schon an den Grenzen nach Österreich, Schweiz, Frankreich etc. auf. Wir sind früher sehr viel gereist, allerdings fast ausschließlich mit dem Auto und in die Nachbarländer bzw. Italien – und überall wurde man kontrolliert, musste den Ausweis zeigen, die Koffer gelegentlich aufmachen oder gar das ganze Auto ausräumen. Das war auch nicht das, was man unter „Reisefreiheit“ versteht, aber es war einfach normal Grenzen passieren zu müssen, was uns nicht abgehalten hat unsere Nachbarländer zu erkunden und zwar nur mit Straßenkarten und Reisewörterbuch.

    Unbe“grenzt“ reisen ist doch auch heute noch nicht wirklich möglich, braucht man doch auch heute für viele Länder Ausweise, Pässe, Visa. Durch Internet und andere Medien sind aber viele Grenzen aufgehoben und wir erfahren auch noch aus dem entlegensten Winkel der Erde, was dort passiert.
    Und es stimmt, was ihr schreibt: In manche Länder wollen UND können Minderheiten doch gar nicht reisen, trotz Reisefreiheit, weil die eigene Freiheit da aufhört, wo sie von anderen missachtet und be“schränkt“ wird. Und siehe da, da steckt das Wort Schranke drin, die es früher an jeder Grenze gab.
    Aber ihr seid heute in der glücklichen Lage, überall hin reisen zu können, wenn ihr es WOLLT! Aber auch heute noch möchte ich niemals in ein Land reisen, wo Menschenrechte missachtet werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für deinen Kommentar, Sigrid!

      Natürlich haben wir schon einige riesige Fortschritte gemacht in Sachen Reisefreiheit, aber oftmals hat man das Gefühl, dass der Begriff häufig zu pauschal verwendet wird – als wäre die heutige Form der Reisefreiheit (mit allen Schranken, wie du sie auch beschreibst) selbstverständlich… und daran sollten wir immer wieder denken.

      Liebe Grüße!

  7. The Tastemonials says:

    Dein Beitrag macht nachdenklich. Eine Freundin aus Wittenau, die kurz vor der Wende in Berlin studierte, erzählte mir kürzlich, daß sie die fehlende Freiheit erst richtig spürte als sie am Grenzübergang in den Westen schaute. Ich denke, dieses traurige und verzweifelte Gefühl kann nur nachvollziehen, wer das wirklich erlebte.. Danke für die schönen Bilder aus deiner Kindheit 🙂 Liebe Grüsse, Heike
    P.S. Heute vor 25 Jahren war ich gerade auf dem Weg nach Südfrankreich und feierte auf der Autobahn mit einer Flasche Champagner. Typisch Wessie halt 😉

    1. 1 THING TO DO says:

      Vielen Dank! Da hast du recht. Wir wohnen ja in Berlin und obwohl wir beide an die Wendezeit keinerlei Erinnerungen haben, ist es doch immer wieder bedrückend, daran zu denken, dass diese Stadt einmal Symbol eines geteilten Europas war. Ein Glück ist das nun auch schon ein Vierteljahrhundert her… Liebe Grüße!

  8. Wolfgang Stoephasius says:

    Ganz einfach Danke!

  9. petrasreiseblog says:

    Guten Morgen ihr Beiden,

    Besser und treffender als in den vorherigen Kommentaren kann ich es nicht beschreiben daher schließe ich mich an😎👍 und sage brav danke!

    Die Bilder sind „süß“ 😆 schönes WE für alle…

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir danken dir! 🙂

  10. nurmut.ch says:

    Hallo Ihr Beiden, ein toller und so passender Artikel zum „Tag der deutschen Einheit“. Und ja, die Freiheit zu reisen und vor allem auch öffentlich seine Meinung zu dieser oder jener Reise oder einem Land zu äussern. Das ist ein wertvolles Gut. Auch ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Menschen das bewusst zu schätzen wissen, nutzen, solange und so weit es geht. Und vor allem auch anderen Nationen dieses Recht zugestehen. Dank Euch für so einen sympathischen Artikel zum Thema. Liebe Grüße Petra

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir! Wir können dir nur zustimmen und hoffen auf die Zukunft. Liebe Grüße!

  11. saskia1002 says:

    Wirklich gut geschrieben, diese Gedanken gehen mir oft durch den Kopf. Mit einem deutschen Reisepass hat man derzeit die wahrscheinlich größtmögliche Reisefreiheit. Und gleichzeitig ist man selbst damit schon eingeschränkt, ganz zu schweigen von den Problemen, die man sich aufgrund von Religion, Sexualität oder Aussehen einhandeln kann. Mich macht es immer irgendwie ein bisschen traurig, wir sind schließlich alle Menschen, warum ist da ein friedliches Zusammenleben auf Augenhöhe nicht möglich?

    1. 1 THING TO DO says:

      Diese Frage stellen wir uns auch immer wieder… sie wirkt so einfach und doch holt einen der Alltag mit seiner allzu oft hässlichen Fratze immer wieder ein. Danke für deinen Kommentar!

  12. Tobias S says:

    Danke Marc für deine sehr treffenden und bewegenden Worte.
    Weit ausgeholt: ich erinnere mich gut an die Autobahnfahrten quer durch die DDR, als wir in den 80ern die Uroma in West-Berlin besuchen wollten. Ich blickte damals auf das mir fremde Land durch meine Kinderaugen wie durch ein dickes Fenster – was dahinter lag, war so unerreichbar weit.

    Szenenwechsel: letzte Woche – Grenzübergang Freilassing/Salzburg. Polizei auf bayerischer Seite, Staus auf der österreichischen. Und auf der kleinen Brücke zwischen beiden Ländern kauert das menschliche Elend in Lumpen, auf Pappkartons sitzend. Manche von ihnen lachten. Nur zwei Sekunden, dann sind wir vorbeigefahren.
    Wir fahren vorbei, Menschen in Not kommen nicht weiter. Reisefreiheit, 26 Jahre nach dem Mauerfall.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für diesen nachdenklich machenden Kommentar!

      Ähnlich ging es uns Ende August am Bahnhof in Budapest – hunderte Flüchtlinge hofften im Untergeschoss auf ihre Weiterfahrt, während wir problemlos an- und weiterreisen konnten… da traf Urlaub auf knallharte Realität.

  13. Belana Hermine says:

    Ein sehr schöner Beitrag, mit viel Empathie. Lieben Dank.
    Ich war damals kurz vor dem Ende meines Studiums, mein Sohn war 1,5. Und auch mit beschränkter Reisefreiheit haben wir zugesehen, dass wir das, was ging, eben auch gemacht haben. Wir waren dann eben viel im Osten. Und ja, dies wird uns ebenso geprägt haben, wie die aktuellen Reisen in „alle“ Länder.
    Was ich aber in der Tat sehr zu schätzen gelernt habe, sind in der Tat die vielen offenen Grenzen und das einheitliche Geld in Europa.
    Eine Anmerkung möchte ich aber gern noch loswerden. Ja, wir haben jetzt Reisefreiheit, aber nicht alle können sie nutzen, weil sie nicht die Mittel dafür haben. Und wenn wir den Blick 25 Jahre voraus richten, so würde ich mir sehr wünschen, dass es sich noch deutlich mehr Menschen gönnen können, ihre Reisefreiheit in Anspruch zu nehmen.
    Und ich freue mich auf viele weitere Deiner Reiseberichte 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar! 🙂

      Mit dem Hinweis auf die „soziale“ Komponente der Reisefreiheit hast du natürlich recht, sehr gute Ergänzung zum Text. Es gibt eben noch einige Baustellen zu einer wirklich vollkommenen Reisefreiheit – leider!

      Liebe Grüße!

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