Muddi in Paris: Provinz trifft Großstadt

Im vergangenen Jahr besuchten Marcs Eltern zum ersten Mal Paris – ein Lebenstraum. Beide leben auf dem Dorf und hatten zuvor noch nie selbst eine Städtereise angetreten, auf der sie völlig auf sich allein gestellt waren. Wie haben sie dieses Abenteuer erlebt? War der Sprung ins kalte Wasser erfrischend, eiskalt und doch eher lauwarm? Wir wollten es wissen – und lassen Marcs Mutti in einem Gastbeitrag berichten. Geschrieben von Marina.

Mit der U-Bahn ins Neuland

„Möge das Abenteuer beginnen!“ So in etwa lauteten die letzten Worte unseres Sohnes Marc, als wir uns auf den Weg zu unserem Kurztrip nach Paris machten. Bei „uns“ handelt es sich um meinen Mann und mich, beide 57 Jahre alt, und damit genau um die Art Urlauber, die sich ihre Pauschalreise im Internet heraussuchen oder aber im Reisebüro beraten lassen und dort buchen.

Wir wohnen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Leipzig: U-Bahnfahren in der Großstadt oder das Finden der richtigen Verbindung vom Flughafen in die Innenstadt, wie zum Beispiel in Berlin, wo unser Paris-Abenteuer starten sollte – das alles ist für uns Neuland. In Paris sollten wir jedoch, ganz auf uns allein gestellt, mit diesen Herausforderungen lernen umzugehen.

Paris_Häusermeer_1 THING TO DO

Das Häusermeer von Paris vom Eiffelturm aus gesehen. Ein kleiner Unterschied zu der Welt, in der wir leben!

Genießen statt To-Do-Listen

In der Regel handelt sich bei unseren Urlauben um Reisen, die gesundheitsbedingt doch eher der Ruhe und Entspannung gelten und weniger von Stress gezeichnet sind. Wir lieben das Meer, und vor allem seit die Kinder außer Haus sind, lassen wir lieber die Seele baumeln, als uns die Top 10 der besten Sehenswürdigkeiten anzuschauen.

Wir genießen die Landschaft, das warme Klima und die Gastfreundschaft der verschiedenen Kulturen. Früher sah das bei Weitem anders aus und wir hatten jeden Tag „volles Programm“, um auch ja alle Insider-Tipps mitzunehmen. Trotz allem bleiben die gemeinsamen Urlaube mit den Kindern unvergessen, und ja – manchmal wünscht man sich diese Zeit zurück.

Paris_Aussicht Eiffelturm_1 THING TO DO

Statt Strandurlaub wartete dieses Mal die Großstadt auf uns. Unser Ziel: Paris.

Träume hat man immer

Auch wenn die Gesundheit den ein oder anderen Strich durch die Rechnung macht, haben wir noch Träume und Wünsche, das eine oder andere Highlight zu besuchen. Dazu gehörte auch Paris.

„Couchsurfing“, „Wimdu“, „Airbnb“ – das sind Begriffe, die scheinbar der jüngeren Generation vorbehalten sind. Wir „Alten“ hingegen haben kaum einen Schimmer von alledem, und doch wurden wir in Paris eines Besseren belehrt. Im Vorfeld kümmerte sich Marc um die Suche nach der passenden Unterkunft via Airbnb vor Ort und um einen Flug in die Stadt der Liebe.

Paris_Cathedrale de Notre-Dame_1 THING TO DO

Die Cathédrale Notre-Dame de Paris: Altbekannt und doch eines meiner Highlights während unserer Reise.

Das Abenteuer beginnt

Unsere Reise sollte vom Flughafen Berlin-Tegel aus starten. Dank des „Probefahrens“ mit der U-Bahn im Vorfeld unserer Kurzreise – auf dem Dorf gibt es so etwas ja nicht – kamen wir nach dem Umsteigen in den Bus zum Flughafen pünktlich an.

Zielflughafen war Charles de Gaulle, und von da aus ging es mit dem Zug Richtung Paris, um an der Station Luxembourg auszusteigen. Die Umgebung hatte Marc deshalb ausgewählt, weil man von da aus alle bekannten Sehenswürdigkeiten leicht mit der Métro oder aber auch zu Fuß erreichen kann.

Paris_Parc Luxembourg_1 THING TO DO

Ganz in der Nähe des Jardin du Luxembourg bezogen wir unser Airbnb-Apartment.

Alles, was man braucht

Auch unsere Unterkunft über Airbnb wählten wir nahe des Jardin du Luxembourg, sodass uns große Wege erspart blieben. Zudem muss man erwähnen, dass man dort überall und an fast jeder Ecke Sitzgelegenheiten wie Bänke etc. finden kann.

Wir, die ihr Lager eher in Hotels aufschlagen, wurden von einem jungen Mann an unserer Unterkunft überaus freundlich in Empfang genommen. Erstaunt stellten wir fest, dass unser so kleines Apartment alles hatte, was man für einen Verbleib braucht. Angefangen von einer kleinen Küche nebst Kühlschrank und einem kleinen Bad mit Waschmaschine fehlte es uns an nichts.

Paris_Fassaden Luxembourg_1 THING TO DO

Französische Balkone en masse – typisch für das Quartier Latin rund um den Luxemburggarten.

Stelldichein mit dem Glöckner

In den folgenden Tagen besuchten wir den Jardin du Luxembourg, das Panthéon, den Louvre, die Place de la Concorde, den Arc de Triumph. Nicht zu vergessen das Moulin Rouge und viele andere Sehenswürdigkeiten, die es zuhauf in Paris zu bestaunen gibt.

Ein Highlight war es natürlich, die Kathedrale Notre-Dame in all ihrer Pracht zu bewundern. Ein unvergessliches Erlebnis, kommt einem doch der Film „Der Glöckner von Notre-Dame“ sofort in den Sinn. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Ein gigantisches Bauwerk meisterlicher Kunst.

Paris_Seine_Notre-Dame_1 THING TO DO

Wirkt bei diesem Wolkenspiel fast noch majestätischer: Die Cathédrale Notre-Dame de Paris.

Alles ganz ohne Probleme?

Nun wird sich manch einer fragen: „Ja, wo ist denn nun das vorher angekündigte Abenteuer?“ Auch wenn wir uns doch recht schnell und nur dank semi-professioneller Vorbereitung in und unter den Straßen von Paris gut zurecht fanden, gab es doch Situationen mit denen wir nicht gerechnet hatten.

Es heißt, den Tour Eiffel bei Nacht zu betrachten, wäre ein ganz besonderes Erlebnis. So machten wir uns gegen Abend auf den Weg, um das höchste Bauwerk der Stadt bei Sonnenuntergang und bei Nacht bewundern zu können. Da ich jedoch an Höhenangst leide und die letzten Stufen zu Fuß sicher nicht schaffen würde, machte ich mir es auf einer der vielen Bänke auf dem Champ de Mars bequem und wartete darauf, dass mir mein Mann von der Spitze des Eifelturms mit einem weißen Tuch winken würde.

Paris_Louvre bei Nacht_1 THING TO DO

Natürlich statteten wir auch dem Louvre sowie der Mona Lisa einen Besuch ab.

Warten auf der weiße Tuch

In der Zeit seines vermeintlichen Aufstieges konnte ich den Augenblick genießen und das Treiben um den Turm mit Freude beobachten. Langsam wurde es dunkel und ich starrte immer noch gebannt auf den Turm, um ja das Winken des weißen Tuches zu erhaschen, doch vergebens. Stunden später erschien dann endlich mein Mann, etwas außer Puste, aber nicht von dem was ich dachte. Er hatte sich anders entschieden.

Da die Schlange vorm Aufstieg doch recht lang erschien, erinnerte er sich daran gelesen zu haben, dass sich in der Nähe der Todes-Tunnel von Prinzessin Diana samt einer kleinen Gedenkstätte befindet. Kurzentschlossen wählte er dann diesen Weg. Ohne mich!

Paris_Eiffelturm hochkant_1 THING TO DO

Der Eiffelturm am Tag: Noch schöner jedoch, so sagte man uns, wirkt er im Sonnenuntergang und bei Nacht.

Heimweg mit Hindernissen

Kurz nach 21 Uhr war es dann soweit. Als wir uns gerade auf den Heimweg machen wollten, begann der Eiffelturm zu strahlen und zu funkeln, wie man es kaum beschreiben kann. Es war einfach wundervoll und unvergesslich. Leider sind Fotos, die man bei Nacht macht urheberrechtlich geschützt, aber für die eigene Erinnerung sehr wertvoll.

Anschließend machten wir uns auf den Weg eine Métro-Haltestelle zu finden, was sich komischerweise als sehr schwierig gestalten sollte. Nun gut, man hätte ein Taxi nehmen können oder eine der vielen Rikschas, welche uns andauernd überholten. Aber nein, man wollte es aus eigener Kraft schaffen.

"Muddern" allein auf dem Champ de Mars. Mit Blick auf den Eiffelturm wartete ich auf ein Zeichen meines Mannes.

„Muddern“ allein auf dem Champ de Mars. Mit Blick auf den Eiffelturm wartete ich auf ein Zeichen meines Mannes.

Und schon wieder…

Es war mittlerweile kurz vor Mitternacht, als wir die leuchtenden Buchstaben einer Métro-Station sahen, doch es sollte anders kommen als erwartet. Der Ticketschalter war defekt – und ohne Ticket keine Fahrt. Man braucht nämlich ein Ticket, um durch die Schranken rein und ebenso rauszukommen.

Die Station menschenleer und verlassen, öde und dunkel, ging mein Mann mit einem zufällig dahergekommenen Fremden mit, um angeblich an einem anderen Schalter Tickets zu lösen. So wartete ich wieder und meine Gedanken spielten plötzlich verrückt. Was ist, wenn er nicht zurückkommt? Wie kann man mitten in der Nacht sich dem erst besten anschließen?

Paris_Eiffelturm nachts_1 THING TO DO

Eine Augenweide ist er ja schon, der Eiffelturm in dunkler Nacht.

Alleine im U-Bahnhof

Zu allem Unglück versagte auch noch der Akku des Handys, sodass eine Verständigung unmöglich wurde. Ein junges Pärchen betrat den Bahnsteig und wahrscheinlich sah man mir meine Angst an. Freundlicherweise wollten sie mir ein Ticket geben, aber ich brauchte ja zwei.

Gefühlte Stunden später kam endlich mein Mann wieder.  Gesund und munter, na ja, in Anbetracht der Uhrzeit weniger munter, aber dennoch gesund. In der Hand die ersehnten Tickets, die Sorgen waren also unbegründet. Zum Glück!

Credits: Pedro Ribeiro Simões, "Paris Old Metro Signboard", Flickr

Die Fahrten mit der Pariser Métro sind immer für ein Abenteuer gut. Credits: Pedro Ribeiro Simões, „Paris Old Metro Signboard“, Flickr

Sicher ist sicher

Geschafft, kamen wir in unserer Unterkunft an. Am nächsten Tag kauften wir uns sofort eine 10er Karte, denn so etwas sollte uns nicht noch einmal passieren. Es ist übrigens auch sehr wichtig, die Tickets aufzubewahren.

Schnell passiert es, wenn man sie während der Fahrt aus der Hand verliert, dass man die Station nicht verlassen kann. Junge Leute versuchen drüber zu springen, aber auch das ist sehr gefährlich. An fast jeder Station ist die Police im Einsatz und es kann schnell zu einer Verfolgungsjagd kommen – so auch von uns beobachtet.

Was nehme ich also mit aus unserer Reise? Es muss nicht immer der entspannende Strandurlaub sein, nicht immer die durchgeplante Pauschalreise. Für uns war die Erfahrung, in einer Metropole wie Paris auf uns allein gestellt zu sein, ein Novum. Meinen Sohn kann ich nun besser verstehen: Auch die Art und Weise, wie wir unsere Touren planen und gestalten, beeinflusst, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Denn mit akribischer Planung oder im Rahmen einer organisierten Städtereise hätten wir Paris ganz anders kennen gelernt – und das ein oder andere Abenteuer womöglich nicht erlebt.

Mehr über die französische Hauptstadt erfährst du im Paris Reisebericht von 1 THING TO DO. Zum Abschluss schließe ich mich dem Motto von John und Marcnun gerne an:

Reisen um zu reisen!
Marina, John & Marc 😉

6 thoughts on “Muddi in Paris: Provinz trifft Großstadt”

  1. Henryk says:

    Schöner Artikel! Weiter so.
    Aber dreht bei den Fotos die Sättigungsregler nicht immer so hoch – das macht es weniger authentisch.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir! Das liegt bei manchen Fotos eher daran, dass die mit einer alten Handykamera aufgenommen wurden… die neuen sind nicht ganz so krass. 🙂

  2. Saskia says:

    Was für ein schöner Artikel! Da hab ich gleich meine Eltern wiedererkannt (übrigens auch aus einem Dorf in der Nähe von Leipzig), die vor zwei Wochen ein paar ganz ähnliche Tage in Paris verbracht haben und erledigt aber ziemlich zufrieden zurückgekehrt sind. Viel Spaß auf euren künftigen Reisen und viele Grüße aus Leipzig, Saskia

    1. 1 THING TO DO says:

      Na so ein Zufall! 🙂 Wir geben das Kompliment mal an die Autorin weiter… liebe Grüße!

  3. Zugvogelmädchen says:

    Sehr schöner Artikel und toll, dass ihr euch euren Traum erfüllt habt!

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für den Kommentar! Lob geben wir weiter. 🙂

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