Mönchsrepublik Athos: Frauen und Eselinnen verboten

Die griechische Halbinsel Chalkidikí beherbergt mit der Mönchsrepublik Athos eine paradox-orthodoxe Skurrilität. Denn auf der Landzunge Athos befindet sich quasi ein Staat im Staate! Den sogenannten Heiligen Berg umringt die Mönchsrepublik Athos, die sowohl Frauen als auch weiblichen Tieren (!) den Zutritt verbietet. Mit nur einer Ausnahme. Geschrieben von Marc.

Mönchsrepublik Athos

Dieser Berg ist heilig: Die Mönchsrepublik Athos mit dem Mount Athos von der Halbinsel Sithonia aus gesehen. Credits: Horla Varlan, „The peaks of Mount Athos“, Flickr

Touristen verboten!

Leider hatten wir während unserer Reise auf die Halbinsel Chalkidikí keine Chance, die wohl eigentümlichste Besonderheit der Region zu erkunden. Ausnahmsweise gibt es daher über die Mönchsrepublik Athos keine Bilder von uns selbst. Der Grund: Die auch als „Heiliger Berg“ bekannte Mönchsrepublik erlaubt nur einer streng begrenzten Anzahl von Pilgern den Zutritt. Dabei dürfen Frauen grundsätzlich keinen Fuß auf das Territorium der Gottesverehrer setzen.

Ein Visum, so liest man, ist zwar zumindest als männlicher Erdbewohner am Ende nicht allzu schwer zu bekommen. Dafür darf jedoch das Tageslimit erlaubter Besucher noch nicht erreicht sein. Da hierzu jedoch einige bürokratische Hindernisse zu überwinden sind, suchen wir unser 1 THING TO DO in der Mönchsrepublik Athos wohl erst bei unserem nächsten Aufenthalt in der Region – sollte uns ein spiritueller Wandel widerfahren. 😉

Da es über die Mönchsrepublik Athos dennoch einige Kuriositäten zu berichten gibt, wollen wir dir ein paar davon an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Mönchsrepublik Athos

2.033 Meter über dem Meeresspiegel thront der Gipfel des majestätischen Mount Athos. Credits: World Public Forum Dialogue of Civilizations, „The Holy Mount Athos“, Flickr

Mönchsrepublik Athos: Zahlen und Fakten

  • Die Halbinsel Athos ist maximal 8,5 Kilometer breit. Auf kleinster Fläche ragt auf ihr dennoch der 2.033 Meter hohe gleichnamige Gipfel hervor.
  • Als autonome Mönchsrepublik steht Mount Athos unter Souveränität des griechischen Staates.
  • Nach außen wird die Mönchsrepublik Athos in politischen Angelegenheiten durch das griechische Außenministerium vertreten. In religiösen Fragen sind allerdings Bartholomäus I. und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel zuständig.
Mönchsrepublik Athos

Das Kloster Símonos Pétras gehört zu den bekanntesten der Mönchsrepublik Athos. Credits: World Public Forum Dialogue of Civilizations, „The Holy Mount Athos“, Flickr

  • Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in den Klöstern auf Mount Athos 7.432 Männer. Der Zensus im Jahre 2000 zählte zwar nur noch 2.262 Bewohner, doch seit den 70er Jahren steigt die Zahl wieder langsam an. Biologische Gründe ausgeschlossen.
  • Auf Mount Athos befinden sich insgesamt 20 Großklöster: 17 davon sind griechisch, jeweils eines ist serbisch, bulgarisch bzw. russisch. Außerdem gibt es sogenannte Skiten, kleinere dörfliche Ansiedlungen, die teilweise nur über Maultierpfade erreichbar sind – oder per Schiff.
  • A propos Schiff: Ausflugsboote müssen einen Abstand von 300 Metern zur Küste der Mönchsrepublik Athos halten.
Mönchsrepublik Athos

Ein paar der Klosteranlagen der Mönchsrepublik Athos sind einzig und allein über den Wasserweg erreichbar. Credits: World Public Forum of Civilizations, „The Holy Mount Athos“, Flickr

Frauenverbot in der Mönchsrepublik

  • Zum Verbot von Frauen auf Mount Athos sagte einst Pater Mitrophan: „Alle Frauen sind auf dem Athos abwesend – und doch wieder, durch die Gottesmutter Maria, sind alle anwesend.“
  • Ein Grund für das Verbot ist der Wunsch der Mönche, sich voll und ganz der Gottesverehrung widmen zu können – ganz ohne von den bösen, verruchten Weibsbildern abgelenkt zu werden…
  • Kurios: Selbst weibliche Haustiere sind auf Athos verboten. Die Ausnahme sind Katzen, da sie Schutz vor Mäusen, Ratten und Schlangen gewähren.
  • Werden Lasttiere wie Esel, Pferde oder Maultiere benötigt, werden diese von außerhalb eingeführt – allerdings werden ausschließlich männliche Tiere akzeptiert.
Mönchsrepublik Athos

Hauptstadt Karies: Das Leben auf Mount Athos ist reine Männersache. Credits: World Public Forum Dialogue of Civilizations, „The Holy Mount Athos“, Flickr

Mount Athos: Unnützes Wissen

  • Die Hauptstadt der Mönchsrepublik Athos heißt Karies bzw. Karyes – eine Siedlung mit nur etwa 200 Einwohnern.
  • Einzelne Mönche bewohnen sogenannte Eremitagen an den kaum zugänglichen Hängen des Berges Athos, ein paar wenige davon sogar Höhlen.
  • Seit 2008 gibt es für die postalische Region Athos eigene Briefmarken.
  • Auf Athos ticken die Uhren anders: In 19 der 20 Klöster beginnt der Tag mit Sonnenuntergang. Das heißt: Wenn die Sonne untergeht, ist es null Uhr.
  • Alle Klöster folgen dem julianischen Kalender, der unserem gregorianischen Kalender mittlerweile um 13 Tage hinterherhinkt.
Mönchsrepublik Athos

Das Kloster Rossikon ist das einzige russisch-orthodoxe Kloster auf Mount Athos. Credits: World Public Forum Dialogue of Civilizations, „The Holy Mount Athos“, Flickr

Übrigens: Einen ausführlichen Artikel über das Leben auf Mount Athos findest du auf der Website der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wer nun angefixt ist von einem Ausflug in die Mönchsrepublik Athos, sollte vorher unbedingt einen Blick auf die aktuellen Einreisebestimmungen werfen. 😉

Reisen um zu reisen!
John & Marc

18 thoughts on “Mönchsrepublik Athos: Frauen und Eselinnen verboten”

  1. Cate says:

    Super spannender Artikel…trotz der etwas ominösen Sichtweise der Frauen ausschließenden Gemeinde für mich sehr inspirierend. Es gibt doch so viele Orte auf der Welt, die einzigartig und unbekannt sind.
    Danke für den tollen Beitrag!!

  2. The Tastemonials says:

    Sehr interessanter Artikel und so schöne Bilder – vor allem das Gipfelkreuz-Bild ist zauberhaft. Wir waren letztes Jahr in Meteora und ich war absolut fasziniert von dem Wunsch der Mönche so zu leben – auch wenn ich’s überhaupt nicht nachvollziehen kann.. Liebe Grüsse euch Weltenbummlern 🙂 Heike

    1. 1 THING TO DO says:

      Eine gewisse Faszination ist da, sonst hätten wir das ja nicht geschrieben. Aber auch ziemlich viel Kopfschütteln. 😉 Nach Meteora wollen wir auch unbedingt mal!

      1. The Tastemonials says:

        Das würde euch bestimmt gefallen – landschaftlich einfach wunderschön und wie die Klöster auf die Bergspitzen kamen ist einfach unglaublich!! 🙂

  3. Paleica says:

    tolle bilder – sehen wunderschön aus. aber hab ich schonmal gesagt, dass ich religion für ihre intoleranz von herzen verachte?

    1. 1 THING TO DO says:

      Noch nicht, nein. 🙂 Bei uns ist es ein bisschen „Leben, und leben lassen“, solange keiner zu Schaden kommt, aber diese Art der Diskriminierung ist natürlich wirklich schwer zu verstehen…

      1. Paleica says:

        ja, da hast du sicher recht. aber für sowas fehlt mir halt echt das verständnis. es gibt diese dinge, die machen einen wirklich ärgerlich ^.^

        1. 1 THING TO DO says:

          Verständlich! 😉

  4. atroksia says:

    Genau wir Frauen sind so teuflisch mit unseren Reizen. Ich würde eher behaupten diese Mönche sind zu schwach um zu widerstehen. Keine Selbstdisziplin. Da werden lieber die Frauen ausgesperrt statt sich darin zu üben. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Denen ist wohl der Wille abhanden gekommen, einfach so den Frauen ihre Undiszipliniertheit in die Schuhe zu schieben. Pfff. Und dann auch noch so sexualisieren, als hätten Frauen nix anderes zu geben. Ich hasse dieses Fleischlichkeits-Gelaber. Meiner Meinung ist das einfach nur die Schwäche des Mannes. Dennoch wunderschöner Flecken Erde, der meiner Meinung nach verschwendet wird.

    1. 1 THING TO DO says:

      Dieses Sexualisieren von Frauen ist es auch, was uns am meisten stört. Aber das findet ja leider nicht nur auf Athos statt… nur da eben in anderer Dimension.

  5. sylviawaldfrau says:

    Die armen Esel, die müssen auch das Zölibat durchleben. Finde ich ungerecht.

  6. toe says:

    Sollte mal wegen Diskriminierung verklagt werden, nur so gleichberechtigungshalber.
    MfG toe

  7. mandalaelefant says:

    Es ist wirklich interessant so etwas zu hören, allerdings finde ich das Ganze ziemlich erbärmlich.

    1. zeilentiger says:

      Das fasst es, finde ich, prima zusammen.

    2. 1 THING TO DO says:

      Kulturell und auch landschaftlich definitiv interessant, nachvollziehbar aber rein gar nicht, so sehen wir das auch…

  8. olafrostek says:

    Wunderschön!
    Tolle Bilder von einer tollen Landschaft !!

  9. suzy says:

    Interessant! Und schöne Fotos! Leider werde ich als Frau da nie einreisen dürfen. Dass selbst weibliche Tiere nicht dort leben dürfen finde ich ein bissschen übertrieben 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Nicht nur du! 🙂

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