Italienblick in Litauen: Übernachten auf der Kurischen Nehrung

Für Michelle ging es im Juli zum ersten Mal ins Baltikum. Mit der Kurischen Nehrung wusste sie zunächst nicht viel anzufangen. Bis ihr Freund ihr die ersten Bilder von langen, weißen Sandstränden und tiefen Kiefernwäldern zeigte. Sofort war es um sie geschehen: Gemeinsam fuhren sie von der lettischen Hauptstadt Rīga ins litauische Klaipėda, dem Tor zur Kurischen Nehrung. Im Fischerdörfchen Nida fanden sie einen waschechten Geheimtipp zum Übernachten auf der lang gestreckten Halbinsel. Ein Reisemoment von Michelle.

Kurische Nehrung Übernachten

Ein einsamer Strand auf der Kurischen Nehrung: Die Halbinsel gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Litauen.

Mit dem Fahrrad auf der Kurischen Nehrung

Wir buchten uns ein Zimmer in der Nähe des Hafens von Klaipėda, um erst einmal die kleine Hafenstadt etwas kennenzulernen. Leider waren wir zunächst etwas enttäuscht, da das Städtchen, bis auf die niedliche Altstadt, nicht viel zu bieten hatte. An unserem ersten Tag bereits liehen wir uns direkt am Hafen Fahrräder und setzten mit der Fähre auf die Kurische Nehrung über.

Nach nur wenigen Minuten auf dem Rad entfernten wir uns vom Besucherstrom und tauchten in die märchenhafte Natur der Nehrung ein. Ein sehr gut ausgebauter Fahrradweg führte uns durch tiefe und streckenweise sehr dichte Kiefernwälder. Ich holte tief Luft und fühlte mich sofort sehr wohl.

Kurische Nehrung Übernachten

Eine Radtour auf der Kurischen Nehrung führt teilweise durch dichte Pinienwälder. Ein beliebtestes Ausflugsziel ist die Parnidis-Düne.

Kurische Nehrung Übernachten

Ich an einem der Ostseestrände an der Westküste der Nehrung.

Borschtsch in Juodkrantė

Unsere Route verlief streckenweise auch an der Ostseeküste entlang, und so konnten wir einige Zwischenstopps direkt am Meer einlegen. Die etwas abseits von den Dörfern gelegenen Strandabschnitte sind sehr ruhig und einsam, was uns sehr gut gefallen hat.

In Juodkrantė im Zentrum des litauischen Teils der Kurischen Nehrung angekommen, ließen wir uns erst einmal in einem kleinen Restaurant in Hafennähe nieder, um uns durch die litauischen Köstlichkeiten zu probieren. Für mich gab es kalten Borschtsch, der mit warmen Pellkartoffeln serviert wurde. Wirklich sehr lecker!

Kurische Nehrung Übernachten

Abendstimmung auf der Kurischen Nehrung. Zum Sonnenuntergang hast du die Sandstrände fast für dich alleine.

Das Fischerdörfchen Nida

Als wir nach Klaipėda zurückkehrten, war uns beiden klar, dass wir unbedingt einige Tage auf der bezaubernden Kurischen Nehrung verbringen wollten. Also ab zurück auf die „Insel“! Am nächsten Tag fuhren wir erneut mit der Fähre, nahmen nach dem Übersetzen diesmal aber den Bus von Smiltynė nach Nida.

Nida, ehemals Nidden, liegt direkt an der litauisch-russischen Grenze zu Kaliningrad. Neben den vielen, bunten Fischerhäuschen gibt es in Nida ein kleineres Bernsteinmuseum und das berühmte Thomas-Mann-Haus zu entdecken. Thomas Mann hat sich in Nida ein kleines Ferienhäuschen bauen lassen und verbrachte einen ganzen Sommer auf der Kurischen Nehrung. Der viel zitierte „Italienblick“ lockt noch heute zahlreiche Besucher nach Nida.

Kurische Nehrung Übernachten

Der berühmte Italienblick, den Thomas Mann während seines Aufenthalts auf der Kurischen Nehrung genoss.

Kurische Nehrung Übernachten

Ganz in der Nähe steht dieses Gästehaus, in dem wir einige Nächte verbrachten.

Geheimtipp auf Litauisch

Wir hatten das Glück, eine Unterkunft direkt neben dem schönen Thomas-Mann-Haus zu ergattern. Das Ferienhaus befindet sich direkt auf einem Hügel, umgeben von hohen Kiefern. Unser Zimmer befand sich auf der zweiten Etage, die Vermieterin bewohnte die Kelleretage. Sie erzählte uns, dass sie eigentlich in Vilnius wohne und nur über die Sommermonate in Nida sei, um die Zimmer vermieten zu können.

Durch ihre Anwesenheit und die wirklich netten Gespräche mit ihr hatten wir schnell das Gefühl, irgendwie „zu Hause“ zu sein. Am Abend wurde der Garten zu unserem Lieblingsort, wo wir gemütlich zu Abend aßen und dabei einen sagenhaften Blick auf das Kurische Haff genossen. Von unserem Fenster aus konnten wir schließlich beobachten, wie der Mond über dem Haff aufging. Die Anfänge einer Mondfinsternis betrachteten wir so mit einem guten Wein auf dem Fensterbrett sitzend, bevor tief in der Nacht das Wellenrauschen und das leise Geschrei der Möwen durch unser Fenster drangen.

Übrigens: Die Unterkunft ist auf keinen Unterkunftsportalen im Internet zu finden. Die Vermieterin ist nur telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Dank eines „Zimmer frei“-Schildes, das wir zufällig entdeckten, konnten wir uns dort für ein paar Tage einmieten.

Kurische Nehrung Übernachten

Mondaufgang und Sonnenuntergang mit Blick auf das Kurische Haff.

Kurische Nehrung Übernachten

Das Kurische Haff ist im Schnitt nur etwa vier Meter tief.

Ausflugstipp: Parnidis-Düne

Am südlichen Ortsausgang von Nida führen ein paar Holzstufen direkt auf die größte Wanderdüne Europas. Die fast 50 Meter hohe Düne ist auch unter den Namen „Große Düne“ und „Hohe Düne“ bekannt. Oben angelangt kannst du im Süden direkt auf Kaliningrad blicken, im Osten auf das Kurische Haff und im Westen auf die gewaltige Ostsee. Auch wenn die Wege auf der Düne beschwerlich sind, da man auf ihnen ungeschützt in praller Sonne läuft, so lohnt es sich auf jeden Fall, schon alleine der Aussicht wegen.

Kurische Nehrung Übernachten

Die Parnidis-Düne an der Grenze zu Kaliningrad gehört zu den höchsten Wanderdünen Europas.

Kurische Nehrung Übernachten

Von der höchsten Stelle der Parnidis-Düne hast du einen wundervollen Blick sowohl auf Ostsee als auch Kurisches Haff.

Einen ausführlichen Bericht über Michelles Erlebnisse findest du auf ihrem Blog ↠ Eastsights. Auch wir selbst waren übrigens schon zwischen Smiltynė und Nida unterwegs, wie du in unserem Reisebericht über die ↠ Kurische Nehrung nachlesen kannst – natürlich inklusive eines 1 THING TO DOs. Weitere Inspiration für deine Reise ins Baltikum findest du außerdem in unseren ↠ Litauen Reisetipps, in denen vier Bloggerinnen von ihren schönsten Erlebnissen berichten. 

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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