Judäische Wüste, Israel: Entführung ins Nirgendwo

Links Wüste, rechts Wüste, und – oh! – auch geradeaus noch jede Menge Wüste. Südlich der Großstädte Tel Aviv und Jerusalem prägt Israel vor allem die staubige Judäische Wüste. Kein Grund jedoch, den kargen Süden Israels außer Acht zu lassen. Unterhalb des Meeresspiegels warten in der Judäischen Wüste markante Gebirgszüge auf. Wenn du Lust hast, kannst du dich wie wir zum kleinen Preis in Richtung Nirgendwo entführen lassen. Geschrieben von Marc.

Judäische Wüste Juda

Unterwegs in der Judäischen Wüste: John beim umgeplanten Spaziergang am Toten Meer.

Wüste Juda in Israel: Die „perfekte“ Reisezeit

Wenn man über die perfekte Reisezeit nach Israel spricht, sollte neben einem Blick auf die Klimatabelle auch der Nachrichtenticker nicht außer Acht gelassen werden. Gemessen daran war unsere Reise nach Israel im Jahr 2014 garantiert nicht die perfekte Reisezeit. Kurz nachdem wir unsere Flüge nach Tel Aviv gebucht hatten, flogen die ersten Raketen aus Gaza in Richtung Israel. Zwischenzeitlich war sogar unserer Zielflughafen Ben Gurion unter Beschuss.

Der Konflikt sollte noch bis Ende August andauern, als beide Seiten schließlich eine unbefristete Waffenruhe vereinbarten. In den Wochen davor überlegten wir hin und her, ob wir unsere für Ende September geplante Israelreise verschieben sollten. Mit Beginn der Waffenruhe festigten wir jedoch unseren Entschluss. Und als ein paar Tage vor Abflug doch noch ein paar Raketen in Richtung Israel gefeuert wurden, hieß es dann einfach nur noch: Augen zu und durch.

Judäische Wüste Juda

Israel besuchten wir im Herbst 2014 zum ersten Mal, darunter auch die Judäische Wüste am Toten Meer oder Eilat am Roten Meer, zu sehen auf obigem Bild.

Von Tel Aviv ans Tote Meer

Unser Quartier schlugen wir für sieben Nächte in Tel Aviv auf. Für die lebendige Großstadt am Mittelmeer haben wir auch einen eigenen Tel Aviv Reisebericht veröffentlicht. Die Irrungen und Wirrungen, die wir Tel Aviv erleben durften, fügen sich nahtlos in das ein, was uns auf unserem Trip in die Judäische Wüste (auch: Wüste Juda) widerfuhr.

Für unseren Ausflug ins staubige Nichts der Judäischen Wüste hatten wir uns einiges vorgenommen: Ein Sprung ins Tote Meer, den Sonnenaufgang in Masada erleben und anschließend ein paar Stunden Wandern durch die Schlucht von En Avdat. Bis auf den Sprung ins Tote Meer sollten wir am Ende nichts davon gemacht haben. Unser Entführer hatte in der Wüsta Juda entschieden etwas dagegen.

Judäische Wüste Juda

Ein Ziel der Reise nach Israel: Der Strand bei Ein Gedi am Toten Meer in der Wüste Juda, der Stand Januar 2018 jedoch nicht mehr geöffnet hat.

Egged: Das grüne Wunder von Israel

Das wirklich Gute an Israel ist, dass man für ein solches Ausflugsprogramm selbst in der Judäischen Wüste nicht auf einen Mietwagen angewiesen ist. Der Grund dafür ist die Busgesellschaft Egged, die nicht nur die größte ihrer Art in Israel ist, sondern zu den drei größten auf der ganzen Welt zählt. Jeden Tag fahren rund 3.000 grüne Egged-Busse auf über 900 Linien rund eine Million Fahrgäste durch das Land. Mit ein wenig Mühe kann man mit Hilfe der Website sogar sein eigenes Ausflugsprogramm zusammenstellen. Und das auch noch zu günstigen Ticketpreisen!

Vom größten Busbahnhof Israels aus, dem HaTachaná HaMerkazít in Tel Aviv, machten wir uns schließlich über Jerusalem auf den Weg durch die Judäische Wüste in Richtung Oase Ein Gedi. Die Fahrt von Tel Aviv nach Jerusalem verläuft ziemlich unspektakulär über die Kwisch Echad (zu Deutsch „Landstraße 1“). Spannender wird es da schon auf dem Weg in Richtung Wüste Juda, wo John aus dem Bus heraus folgender Schnappschuss gelang. Die Interpretation dessen liegt ganz bei euch.

Judäische Wüste Juda

Frau bei Jerusalem, Startpunkt gen Wüste Juda. Stillleben aus dem Bus fotografiert.

Ein Gedi: Spaziergang durch die Judäische Wüste

Einmal durch das Westjordanland führt die Straße zum Toten Meer Stück für Stück in Richtung des Meeresspiegels, was angesichts der ziemlich hügeligen Landschaft der Jüdäischen Wüste reichlich paradox anmutet. Je näher jedoch das Tote Meer, desto flacher die Umgebung. Wobei selbst das kleine Wörtchen „flach“ hier zum Extremen tendiert, befindet sich das Salzmeer von Israel doch mit 411 Metern unter Normalnull am niedrigsten Punkt der Erdoberfläche.

In Ein Gedi in der Judäischen Wüste angekommen, sollte uns der erste kleinere Lapsus unterlaufen. Statt in der Palmenoase direkt am Ufer auszusteigen, fuhren wir eine Station zu weit hinauf zum Kurhotel, das fest entschlossen scheint, mitten im Nichts der Wüste Juda gelegen die 70er Jahre zu konservieren. Aber was gibt es Schöneres, als bei 45 Grad im Schatten (welcher Schatten eigentlich?) zwei Kilometer am glühenden Asphalt entlang durch die Wüste Juda zu laufen? Das Wasser eines riesigen Sees stets im Blick, in das man nicht einmal eintauchen darf? Ein kühles Bier vielleicht. 😉

Judäische Wüste Juda

Die Judäische Wüste am Toten Meer ist ein unwirklich scheinender Ort abseits jeglichen pulsierenden Lebens.

Baden im Toten Meer: Die ersten Menschen

Schön war es hier am Strand, oder besser am Felsabhang von Ein Gedi, nicht. Aber darum geht es an diesem Ort in der Jüdäischen Wüste auch nicht. Im Zentrum steht neben dem ersten Schwimmen im Salzwasser vielmehr das Beobachten der anderen Badegäste. Viele hatten sich nicht hierher verirrt, wäre da nicht diese Horde Sachsen gewesen, die kurz nach uns am warmen Nass von Israel ankam.

Das muss man sich einmal vorstellen: Ich, gebürtiger Sachse, kann tagelang nicht ansatzweise entziffern, was ich da auf Hebräisch vor mir und mich herum lese. Plötzlich höre ich inmitten der Judäische Wüste urplötzlich etwa zwanzig Mal den Satz: „Orr, üsch gehä hior jaä goar nüsch undorr!“ Köstlich auch, wie wirklich jeder, der dem Wasser empor stieg, partout nicht in der Lage war, wie ein normaler Mensch aus dem Wasser herauszulaufen. Eher benahmen sie sich wie das erste Lebewesen, das vor Abermillionen Jahren als erstes den Ozean in Richtung Land verlassen hatte. Auch uns erging es übrigens nicht anders.

Judäische Wüste Juda

Klares, warmes Wasser bis zur anderen Seiten des Toten Meeres in Jordanien.

Judäische Wüste Juda

„Stark“ frequentierte Bushaltestelle in der Wüste Juda zwischen Ein Gedi und Masada.

Unser mächtiger Entführer in der Wüste Juda

Next Stop in Israel: Masada! Die ehemalige jüdische Festung liegt auf einem Tafelberg 400 Meter über dem Toten Meer und gilt bis heute als Schicksalsort des jüdischen Volkes. Gerne würden wir an dieser Stelle davon berichten, welch tolle Zeit wir dort verbrachten, doch leider ist es ab hier an der Zeit, unsere so urplötzliche wie traumatische Entführung in der Judäischen Wüste zu schildern.

Am Ufer des Toten Meeres stiegen wir wie geplant in den Bus, bezahlten beim Busfahrer unseres Vertrauens für umgerechnet vier Euro die Tickets nach Masada, das nur rund 15 Minuten entfernt lag. Der Bus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Angesichts der schnellen Strecke sollte das kurze Stehen jedoch kein Problem sein.

Von Ein Gedi nach Masada

Um nach Masada zu gelangen, muss der Bus extra einen Abstecher von der Wüstenstraße 90 machen, die Festungsbesucher aussteigen lassen, um schließlich wieder zurück zur Hauptstraße zu fahren. Wenn der Busfahrer jedoch wie in unserem bescheidenen Falle niemanden aussteigen lassen möchte, dann muss er das natürlich auch nicht tun. Er ist schließlich der mächtige Herr des Egged-Busses!

Und so kam es, dass wir nur eine Viertelstunde nach Kauf unserer Tickets weithin sichtbar für den Busfahrer ohne Stopp an Masada vorbeifuhren. Immer weiter gen Wüste Negev, die im Süden an die Judäische Wüste anschließt.

Judäische Wüste Juda

Einladend, oder? Das Tote Meer von seiner schönsten Seite.

Dann halt nicht!

Die folgenden Minuten machten uns ziemlich nervös. Wir verließen uns bangend darauf, dass der Bus schon irgendwann einmal anhalten müsste. Vielleicht würde sich der Busfahrer gleich auch einmal wundern, dass wir immer noch im Bus herumstehen. Doch wie in einem schlechten Spielfilm stieg während der kommenden Stationen rein gar niemand aus. So langsam wurde uns bewusst, dass hier irgendetwas mächtig schief läuft.

Inzwischen hatten wir natürlich auch längst mit der Idee gespielt, einfach zum Busfahrer zu gehen, um uns ehrfürchtig bei nächster Gelegenheit aussteigen zu lassen. Wäre da nur nicht die für uns in diesem Falle ziemlich ungünstige Geographie Israels gewesen! Israel besteht zu 60 Prozent aus Wüste, und zu diesem Zeitpunkt waren wir mittendrin in exakt diesen 60 Prozent. Wäre es also eine gute Idee gewesen, hier aus dem Bus zu steigen ohne zu wissen, ob zu dieser Uhrzeit überhaupt noch ein Bus zurück nach Masada fährt? Wahrscheinlich nein.

Judäische Wüste Juda

In Deutschland heißt es „Willkommen in Bad Schaumburg“, in der Judäischen Wüste grüßen andere Schilder.

Vier Stunden später: Eilat voraus

Also sei’s drum: Wir machten es uns irgendwann einfach auf dem Boden im Gang des Busses „gemütlich“. Da wir in der Zwischenzeit über eine Stunde unterwegs waren, konnten wir eigentlich nur im Bus nach Eilat an der südlichsten Spitze Israels sitzen. Viel mehr kommt da unten ja nicht mehr. Allen anderen Fahrgästen war das natürlich klar. Wirklich niemand stieg während der Fahrt durch den Negev und seine farbig-kargen Hügel mehr aus.

Nach anfänglichem Groll begannen wir, uns die Situation schön zu reden. Immerhin würden wir gerade noch so im Hellem in Eilat ankommen. Keiner von uns beiden war jemals am Roten Meer, das streng genommen Teil des Indischen Ozeans ist. Vom Mittelmeer zum Toten Meer zum Roten Meer, vom Atlantischen Ozean zum Indischen Ozean in weniger als 24 Stunden – Marco Polo und Co. hätten Jahrhunderte zuvor davon nur geträumt.

Judäische Wüste Juda

Hat ja auch was: Entlang der Straße durch Wüste Juda und Negev nach Eilat warten wunderschöne Landschaften.

Drei „Meere“ binnen 24 Stunden

Nach vier Stunden Fahrt stiegen wir zu Beginn der Dämmerung schließlich erschöpft aus dem Bus. Doch um wenigstens etwas von unserem Spontantrip zu haben, sprinteten wir geradezu in Richtung Golf von Eilat, an dessen Kieselstrand wir uns bei immer noch 40 Grad Schattentemperatur endlich in die sanften Fluten stürzten. Unter diesen Bedingungen war sogar das 27 Grad warme Wasser eine wirklich willkommene Abkühlung.

Anschließend machten wir es uns in einer Strandbar gemütlich, um typisch israelischee Kost – Humus, Falafel und Co. – zu verspeisen. Glücklicherweise gab es in dem Lokal mit Blick auf die rotgefärbten Hügel der weiten Bucht freies W-LAN, sodass wir uns in letzter Minute noch ein Apartment für die Nacht buchen konnten. Diese sollte nach ein ein paar Bier und einem ausgiebigen Spaziergang durch die Vergnügungsmeile der Touristenhochburg jedoch erst spät beginnen.

Judäische Wüste Juda

„Ziel“ erreicht: Weißer Stuhl am Golf von Eilat.

Ein 1 THING TO DO in Israel

Wo bleibt nun eigentlich unser 1 THING TO DO für Israel? Ganz einfach: Drei Meere und zwei Ozeane in 24 Stunden, und statt Jugendherberge in Masada plötzlich abgeschieden am Vierländereck zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien – ohne unseren Entführer und ohne Egged wäre uns dieses Erlebnis niemals zu Teil geworden.

Unser 1 THING TO DO ist deshalb, auf Israelreise das einzigartige Liniennetz von Egged bis zum Extrempunkt auszureizen, indem man sich einfach in eine der Überlandlinien setzt und sich „entführen“ lässt. Israel steckt voller Überraschungen und Gegensätze auf kleinstem Raum. Zwischen grünem Norden und trockenem Süden, zwischen dem quirligen Tel Aviv und den kleinen Kibbuzen verstecken sich überall Gelegenheiten, Geschichten, Momente, die unvergessen bleiben.

Judäische Wüste Juda

Golf von Eilat: Abschied am nächsten Morgen, die Berge zeigen schon Jordanien und Saudi-Arabien.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Israel

Was? In einen Egged-Überlandbus steigen und treiben lassen.
Wo? Am besten vom zentralen Busbahnhof von Jerusalem in der Jaffa Road (HaTahanah HaMerkazit Shel Yerushalayim), oder aber von zentralen Busbahnhof von Tel Aviv in der Levinsky Road aus (HaTachana HaMerkazit HaChadasha). Ihr könnt aber auch jeweils einfach „Central Bus Station“ dazu sagen. 😉
Wie viel? Je nach Strecke. Die Fahrkarten sind jedoch sehr günstig und man spart zusätzlich, wenn man direkt Ticket für Hin- und Rückfahrt zahlt.
Warum? Das authentische Israel sowohl kulturell als auch geographisch kennenlernen und Ungeplantes erleben.

Unsere Entführung in der Jüdäischen Wüste ist nicht das einzige Erlebnis in Israel, das uns wohl auf ewig in Erinnerung bleiben wird. Kennst du zum Beispiel schon das 1 THING TO DO aus unserem Jerusalem Reisebericht? Nicht zuletzt suchten wir das Tote Meer auch auf unserer zweiten Israel-Reise auf, dann jedoch am Strand von Ein Bokek. Und vor allem gelang es uns im zweiten Anlauf, den Sonnenaufgang in Masada zu erleben. Schon entdeckt?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Judäische Wüste Israel

4 Gedanken zu “Judäische Wüste, Israel: Entführung ins Nirgendwo”

  1. Marianne says:

    Hi,
    danke sehr für diesen aufregenden Reisebericht.
    Im April fahre ich nach Israel.
    Ich habe gerade überlegt, dass ich besser mit dem Bus als mit einem Mietwagen von Ein Gedi nach Masada fahren könnte. Nun muss ich allerdings eure Bus-Erfahrungen mal mitbedenken. Eilat statt Masada. Auch eine Erfahrung. Nur eigentlich interessiere ich mich mehr für Masada als für Eilat…

    Super, dass ich von eurem Blog vorgewarnt bin…
    viele Grüße aus Hamburg, Marianne

    1. 1 THING TO DO says:

      Uns ging es auch so, dass Masada natürlich im Vorfeld deutlich interessanter schien, und sehr wahrscheinlich ist es das auch. Aber aus dem Missgeschick entwickelte sich dennoch eine unvergessliche Story und im Roten Meer badet man ja auch nicht alle Tage. 😉

      Liebe Grüße!

  2. beachyhappiness says:

    Israel gehört auch zu meiner gedanklichen Places to see Liste! : )
    Seid ihr mit El Al geflogen?
    LG Sam

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir können dieses aufregende und vielfältige Land auch nur empfehlen! 🙂
      Geflogen sind wir mit EasyJet.

Wir freuen uns auf deine Gedanken zum Artikel!

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