Jerusalem Reisebericht

Jerusalem ist eine Herausforderung. In der Altstadt, wo jeder Stein Geschichte geschrieben zu haben scheint, fällt es nicht leicht, das eine Erlebnis herauszupicken, das in Erinnerung bleibt. Unser Jerusalem Reisebericht dokumentiert den einen oder anderen religiösen Fauxpas zwischen Klagemauer und Tempelberg. Unser 1 THING TO DO in der Altstadt von Jerusalem zeigte sich allerdings erst spät am Abend. Geschrieben von Marc.

Reisebericht: In der Altstadt von Jerusalem

Jerusalem Reisebericht: Von Tel Aviv in die Heilige Stadt

Bereits in den frühen Morgenstunden machten wir uns während unserer ersten Israel-Reise auf den Weg von Tel Aviv nach Jerusalem. Auch wenn es im Urlaub naturgemäß schwer fällt, das Bett vor sieben Uhr am Morgen zu verlassen: Jerusalem als heilige Stadt dreier Weltreligionen wollte schließlich möglichst intensiv an einem Tag begutachtet werden.

Unser Jerusalem Reisebericht startet hier am größten Busbahnhof der Welt, der trotz oder gerade wegen dieses Superlativs ziemlich heruntergekommen daherkommt. Wenige Wochen nach dem Gaza-Krieg fielen uns am Bussteig gen Jerusalem sofort die Hinweisschilder mit dem Aufschrift Shelter auf, die auf die Schutzräume für den Fall eines Raketenangriffs aufmerksam machen. Mit etwas mulmigem Gefühl ging es daher in Richtung heiliger Stadt, die wir nach knapp eineinhalb Stunden unspektakulärer Busfahrt erreichten.

Jerusalem Reisebericht

Einladend, oder? Der Busbahnhof von Tel Aviv, hier am Steig nach Jerusalem, ist der größte der Welt.

Straßenbahn Jerusalem: Hoffnung und Terror

Bis auf die israelischen Soldaten samt Maschinengewehren grüßte uns der Busbahnhof von Jerusalem mit etwas freundlicherem Gesicht, zahlreichen Läden, Imbissen und einem koscheren McDonalds. Direkt vor dem Gebäude verläuft die bisher einzige Straßenbahnlinie Jerusalems. Die Linie L1 wurde im August 2011 eröffnet und galt damals als Hoffnungsträger für die gespaltene Stadt.

Die Linie zwischen Ost- und Westjerusalem war inzwischen jedoch häufig Ziel von Steinwürfen und Terroranschlägen. Für uns war sie allerdings einfach nur praktisch, sollte sie uns doch gemütlich vom Busbahnhof ins Zentrum rund um die Yafo Road bringen.

„Scharai Israel!“, oder so

Nachdem wir uns beim Ticketkauf am Automaten ziemlich dümmlich anstellten, wie es die doofen Touristen eben machen, näherte sich unser öffentliches Jerusalem-Taxi schließlich mit seinem so typischen Gebimmel („Dong-dong!“). Doch noch während der Anfahrt kam es zu einer ziemlich skurrilen Situation

Ein älterer Mann, grauhaarig mit langem, kräuseligem Kinnbart, gekleidet in weiter, grauer Robe, schaute John und mir plötzlich tief in die Augen und schrie mit leicht aggressivem Unterton so etwas wie „Scharaaaaaaaaai Israeeeel“. Ein paar Leute redeten anschließend noch beiläufig auf ihn ein, während wir schnell in die Straßenbahn flüchteten. Sollte es jemanden geben, der diese Situation aufklären kann – wir rätseln noch bis heute, was der mysteriöse Mann uns damit wohl sagen wollte…

Da die Straßenbahn ziemlich gut gefüllt war, stiegen wir ein paar Stationen früher aus, als ursprünglich gedacht, um über die Yafo Road in Richtung Altstadt zu schlendern. Jerusalem macht hier im Zentrum einen sehr sauberen, aber eben auch touristischen Eindruck. Doch wer will es der Stadt ob der tausenden Touristen pro Tag großartig verübeln. Vorbei am „Putin Pub“ machten wir uns schließlich auf den Weg zum Jaffa-Tor, über das wir die Altstadt schließlich betraten. Unserem 1 THING TO DO für unseren Jerusalem Reisebericht waren wir in diesem Moment schon sehr nahe.

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Inzwischen ist etwa ein Fünftel der jüdischen Bevölkerung Israels russischstämmig – der Putin Pub in der Yafo Road also logische Konsequenz.

Jerusalem Reisebericht: Geschichte überall

Die Altstadt von Jerusalem, umrahmt von einer sandsteinfarbenen Felsmauer, trieft schon vom ersten Moment ihres Betretens an vor Historie. Da wir uns aber zum Ziel gesetzt haben, auf unserem Blog zu entschleunigen, wollen wir euch an dieser Stelle nicht mit historischen Fakten überfordern. Dafür empfehlen wir allen Interessierten diesen Artikel über Jerusalem aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Kurzfassung: Die Altstadt von Jerusalem besteht aus vier Teilen, nämlich einem armenischen, muslimischen, jüdischen und christlichen Viertel, die allesamt ihr eigenes Flair versprühen. Während es auf armenischem Terrain angenehm ruhig zugeht, erinnert das muslimische Viertel mit seinen Shuks (Märkten), malerischen Gässchen sowie hunderten Gewürz- und Krimskramsläden an ein Stereotyp von 1.000 und einer Nacht. Im christlichen und jüdischen Viertel überwogen für uns dagegen die religiös-touristischen Wallfahrtsorte rund um Grabeskirche und Klagemauer.

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Na, welche Schrift ist das? Wir wussten es nicht genau, aber im Armenischen Viertel lag die Vermutung nahe, dass es Armenisch ist. 😉

Altstadt von Jerusalem: Religiöse Peinlichkeiten

1 THING not TO DO an der Klagemauer: die Geschlechtertrennung missachten. Obwohl wir uns vorher ausführlich informierten und uns auf dem Carmel-Markt in Tel Aviv extra jeweils eine Kippa kauften, gingen wir natürlich aus Versehen doch zunächst in Richtung Frauenabteil. Schnell wurden wir freundlich darauf hingewiesen, doch besser auf die andere Seite zu gehen. Merke also: Links Männer, rechts Frauen. Dazwischen: Nix!

Doch damit nicht genug. Nicht vergessen solltet ihr nach Verlassen des Bereichs um die Klagemauer, eure Kippa auch wieder abzusetzen – zumindest, wenn ihr euch auf den Weg zum Tempelberg begebt, der eigentlich nur Muslimen vorbehalten ist. Auch hier wurden wir jedoch freundlich vom Einlasspersonal auf unser Wagnis hingewiesen…

Das kann eben nur Jerusalem: Die 18 Meter hohe Klagemauer als wichtigste jüdische Pilgerstätte ist gleichzeitig Westwall des Tempelbergs mit Felsendom und al-Aqsa-Moschee, die nach Mekka und Medina auf Rang drei der bedeutendsten muslimischen Wallfahrtsstätten folgen. Im Gegensatz zu den Gassen des muslimischen Viertels ging es hier oben entsprechend ruhig und besonnen zu. Die goldene Kuppel des Felsendoms schwitzte (wie wir) in der heißen Mittagssonne.

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Ein Wir-waren-da-Foto an der Klagemauer in Jerusalem.

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Der Tempelberg von Jerusalem, hier vor dem Felsendom, ist eigentlich Muslimen vorbehalten.

Irrungen und Wirrungen: Grabeskirche und Mea Schearim

Anschließend verbrachten wir wohl gut zwei Stunden damit, die Grabeskirche zu finden, die sich der Überlieferung nach am Ort der Kreuzigung Jesu befindet. Immerhin können wir dadurch behaupten, an ziemlich jedem Eckchen der Jerusalemer Altstadt gewesen zu sein. Dabei entwickelte sich vor allem das muslimische Viertel zwischendurch zu einem kleinen Gefängnis, aus dem wir fürchteten, nie mehr herauszufinden.

Hätte man mich im Vorfeld der Reise gefragt, was für mich das Highlight in Jerusalem werden könnte, hätte ich wahrscheinlich auf das ultraorthodoxe Viertel Mea Shearim getippt. Zahlreiche Reiseführer und -blogs bezeichnen das beschauliche Quartiert als Relikt einer jüdischen Kultur, wie man sie in den jüdischen Vierteln im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts vorgefunden haben könnte. In der Tat merkt man dem Stadtteil die strikte Lebensweise der Ultraorthodoxen an, ein Besuch lohnt. Wer jedoch beschauliche Gässchen mit Altbauten erwartet, wird angesichts der wenig pittoresken Neubauten enttäuscht sein.

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Beim Streifzug durch die Altstadt von Jerusalem spaziert man an etlichen farbenfrohen Lädchen vorbei, wie zum Beispiel hier im Muslimischen Viertel.

Rooftop-Glück im Muristan

Es war wie verhext: Jerusalem ist so vollgepackt mit Highlights und Historie, dass man das potenzielle 1 THING TO DO schnell übersehen kann. Wir spazierten schließlich mit Blick auf die grünen Hänge des heiligen (was auch sonst?) Ölbergs auf der mächtigen Stadtmauer entlang, und entschieden uns, angesichts der langsam untergehenden Sonne noch etwas essen zu gehen.

Im christlichen Viertel stießen wir hungrig auf das Panoramic Golden City Restaurant, das schon am Eingang mit dem kleinen Wörtchen Rooftop lockt, welches uns in Tel Aviv bekanntlich in den Wahnsinn trieb. Das Restaurant ist weder schick noch hip und wird tagsüber wahrscheinlich von etlichen Touristengruppen besucht. Das wiederum hat den Vorteil, dass es hier in den Abendstunden ruhig zugeht.

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Blick über das Muristanviertel in der Altstadt von Jerusalem von der Dachterrasse des Panoramic Golden City Restaurants.

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Nach und nach zündeten die Bewohner der Altstadt ihre Lichter an, was die mystische Atmosphäre nur verstärkte.

Jerusalem Reisebericht: Alleine mit dem Muezzin

So ruhig nämlich, dass wir schon kurz vor 19 Uhr die einzigen Gäste auf der weitläufigen Dachterrasse des Lokals waren. Inzwischen hatte sich die Sonne bereits hinter den historischen, teils rosaroten Fassaden des umliegenden Muristan-Quartiers versteckt. Unser Blick schweifte über die Kuppel der rustikalen Johanneskirche, die Fontäne des Muristan-Brunnens und den Eingang zum griechischen Markt Suq Aftimos, als würden wir über die leergefegte Kulisse eines Historiendramas blicken.

Langsam begannen sich die Lichter der Stadt um uns herum zu entzünden. Während wir unsere großzügige orientalische Platte mit Hummus, Falafel, Kebab, Fladenbrot und allerlei frischem Gemüse verzehrten, begann als atmosphärisches i-Tüpfelchen auch noch der Muezzin die Altstadt mit seinem Gebetsruf erklingen zu lassen, um die Muslime Jerusalems im Moment des Sonnenuntergangs zum Abendgebet zu beten.

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Atemberaubender Blick über die Altstadt von Jerusalem vom Muristan aus, mit dem sich unser Jerusalem Reisebericht dem Ende zuneigt.

Jerusalem: Cocktail dreier Weltreligionen

Die Stadt, tagsüber voller Trubel und Geschäftigkeit, war nun wie leer gefegt. Hier und da hörte man zwischen Adhān des Muezzin ein paar vereinzelte Stimmen. Und doch fühlten wir uns hier oben, als gehörte die gesamte heilige Stadt mit einem Male uns allein – und das meinen wir auf keinen Fall blasphemisch. Im Gegenteil: Bei israelisch-orientalischem Abendessen im christlichen Viertel von Jerusalem inmitten der Muezzin-Gesänge war es gerade die einzigartige Mischung der drei Weltreligionen, die aus diesem Moment unser 1 THING TO DO für Jerusalem formten.

Übrigens: Nicht am selben Ort, nicht in vergleichbarer Atmosphöre, aber immer noch genug, um einen ersten Eindruck zu vermitteln, zeigt dieses Video euch eine gelungene Kombination aus Adhān, Jerusalem und Sonnenuntergang.

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Jerusalem Reisebericht: Unser 1 THING TO DO in der Altstadt

Was? Abend(!)essen auf der Dachterrasse des Panoramic Golden City Restaurants.
Wo? Muristan-Viertel in der Jerusalemer Altstadt zwischen Erlöser- und Johanneskirche.
Wie viel? Je nach Hunger und Durst! Die Preise für eine Platte mit orientalisch-israelischen Spezialitäten gab es jedoch zu einem vernünftigen Preis.
Warum? Nicht unbedingt, um das Essen zu genießen, sondern um im besten Falle auf einsamer Dachterrasse die Stadt zu überblicken und dabei deren Bedeutung für Judentum, Islam und Christentum über mehrere Sinne zu spüren.

Abseits von Jerusalem: Israel-Reiseberichte auf 1 THING TO DO

Jerusalem: Sehenswürdigkeiten und Tipps abseits der Altstadt

Zeit für ein Update zu unserem Jerusalem Reisebericht! Zu Beginn unseres zweiten Besuchs empfing uns die Altstadt von Jerusalem allerdings wenig freundlich…

Rückkehr nach Jerusalem

Unsere Unterkunft in der Nähe von Tempelberg und Klagemauer diente dem Zweck: Noch einmal die Atmosphäre aufsaugen, die das alte Jerusalem in der Dämmerung versprüht! Es kam anders. Denn es gibt diese Unterkünfte, da möchte man am liebsten länger bleiben. Und es gibt das Chain Gate Hostel*.

Schon die Anreise war ein Abenteuer: Erst nach Sonnenuntergang traten wir durch das Jaffator in die Altstadt ein. Wie immer sah die Route zur Unterkunft auf Google Maps einfach aus. Nur dass es die ausgewiesene Straße sowie die dazugehörige Hausnummer irgendwie nicht zu geben schien. Das Brenzlige daran? Teile der engen Gassen waren inzwischen stockfinster. Hier und da war Jerusalems Altstadt gespenstig still. Obendrein konnten wir uns nicht frei von A nach B bewegen: Immer wieder tote Gassen, die plötzlich endeten. Irgendwann passierten so oft denselben Kontrollpunkt, bis selbst die Sicherheitsleute uns nur noch mitleidig anlächelten.

Jerusalem Tipps
Blick vom Eingang des Chain Gate Hostels hinaus in die Jerusalemer Altstadt. Hier geht es teilweise ganz schön eng zu.

Ein seltsames Willkommen

Nach etlichen Anläufen fanden wir unser Hostel. Erschöpft meldeten wir uns bei den Betreibern, einem muslimischen Ehepaar. Sie baten uns zunächst, es uns auf einer miefigen Couch gemütlich zu machen. Schon früh bemerkten wir, wie an der provisorischen Rezeption über uns diskutiert wurde. Nach einer halben Stunde schoben sie die Couch in ein Zimmer, dessen Eingang lediglich von einem hängenden, roten Teppich verdeckt wurde. Nach dem Check-in realisierten wir, dass die miefige Couch eines unserer Betten sein würde.

Der zugewiesene Raum wird wohl nur bei Überbuchung genutzt. Zwei Frauen lagen bereits darin. Ihre Blicke drückten Unmut darüber hinaus, dass besagte Stinkecouch nun auch noch in dieses Zimmer gequetscht wurde. Ich ergatterte den Platz im Doppelstockbett ganz oben, während John nun also 40 Zentimeter neben einer fremden Frau nächtigen durfte – und das mit Blick in den Wohnbereich der Hostelbesitzer, in dem den ganzen Abend über ein buntes Potpourri im Fernsehen lief.

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Dicht an dicht stehen die drei „Notbetten“ nebeneinander – für all jene, für die in den nicht viel attraktiveren Schlafsälen kein Platz mehr ist.

Bar Mizwa am Dungtor

Eigentlich hatten wir zwei Nächte im Chain Gate Hostel gebucht, um die Altstadt in den Morgen- und Abendstunden zu erleben. Doch nachdem der Wecker uns aus der Koje reißt, entscheiden wir, nie wieder zurückzukehren. Den Weg würden wir wohl eh nicht finden.

Wir wenden uns lieber jenen Erlebnissen zu, die außerhalb des historischen Kerns  lauern – und die vergangene Nacht zu einer absoluten Lappalie werden lassen sollen. Nach kurzem Stopp an der Klagemauer, verlassen wir die Altstadt durch das Dungtor. An Ort und Stelle werden wir Zeuge von zwei Familien, die mit teils prächtigen Kostümen die Bar Mizwa zweier Jungen feiern. Es ist einer dieser Momente, die Jerusalem in unserer Erinnerung zu einem magischen Ort machen.

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Bar-Mizwa-Feier auf dem Weg zur Kotel, wie die Klagemauer umgangssprachlich auch genannt wird.

Jerusalem Tipps: Auf dem Ölberg

In Richtung Ölberg laufen wir an den Gräbern des Abschalom sowie des Zacharias vorbei, zwei imposante Grab- bzw. Denkmäler im Kidrontal östlich des Tempelbergs. Auf dem Gipfel angekommen, breitet sich schließlich vor unseren Augen jenes Panorama aus, für das Jerusalem weltbekannt ist. Vor zwei Jahren hatten wir es nicht bis hinauf geschafft, nun ist der Moment gekommen.

Die goldene Kuppel des Felsendoms funkelt in der Wintersonne. Zu unseren Füßen reihen sich die unzähligen Gräber des großen jüdischen Friedhofs aneinander, die teilweise aus biblischen Zeiten stammen. Selbst die Kuppel der Grabeskirche meinen wir von hier oben zu erspähen, die wir 2014 erst nach leidvollen Irrwegen entlang der Via Dolorosa aufspürten. Selbst vor uns nicht-religiösen Menschen macht der Anmut der Heiligen Stadt in diesem Moment keinen Halt.

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Postkartenblick über die Altstadt von Jerusalem mit Felsendom. Unten reihen sich die Gräber des jüdischen Friedhofs aneinander.

Jerusalem Tipps: Mahane-Yehuda-Markt

Vom Ölberg führt uns der Weg ins neue Zentrum Jerusalems, das sich entlang der Jaffastraße ausbreitet. Begleitet vom unaufhörlichen Bimmeln der Straßenbahn laufen wir zum Mahane-Yehuda-Markt, der sich gerade in den Abendstunden zu einem Treffpunkt für Touristen wie Einheimische entwickelt hat. Von der Religiosität der Altstadt ist hier keine Spur mehr.

Zwischen unzähligen Gewürz-, Obst-, Gemüse-, Nuss-, Backwaren- und Krimskramsständen laden kleine Imbisse und Restaurants zum Verweilen inmitten des Trubels ein. Wir entscheiden uns für ein libanesisches Lokal – reichlich touristisch – und versuchen uns an einer riesigen Portion Fattousch, einem Salat aus Gurke, Tomaten, knackigem Pitabrot und jeder Menge Zitronensaft. Irgendetwas explodiert hierbei in unseren Mündern.

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Auf dem Mahane-Yehuda-Markt im Zentrum Jerusalems bieten 250 Händler ihre Waren an.

Jerusalem Tipps: Herzlberg

Mit der Straßenbahn geht es weiter zum Herzlberg (Mount Herzl), gleichzeitig Endstation der Linie. Rund um die Spitze des 834 Meter hohen Hügels befindet sich der weitläufige Nationalfriedhof Israels mit dem Grab Thedor Herzls – Begründer des modernen Zionismus – als Mittelpunkt.

Mit einem bedrücktem Gefühl spazieren wir entlang der zahlreichen Gedenkstätten, darunter Denkmäler für die Terroropfer in Israel sowie die gefallenen jüdischen Soldaten verschiedener Weltkriegsarmeen. Wir haben uns zuvor kaum über die Bedeutung des Herzlbergs informiert und verstehen vor Ort erst vollends, dass es sich hierbei keineswegs um eine touristische Sehenswürdigkeit handelt, sondern vielmehr um eine Stätte des nationalen Gedenkens, Trauerns und Erinnerns.

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Das Grab Theodor Herzls befindet sich auf der Spitze des nach ihm benannten Hügels.

Jerusalem Tipps: Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Den kommenden Nachmittag abseits der Altstadt von Jerusalem widmen wir Yad Vashem, der bedeutendsten Holocaust-Gedenkstätte weltweit, sowie dem dortigen Museum zur Geschichte des Holocaust. Leider haben wir nicht genügend Zeit mitgebracht, um den gesamten Komplex ausreichend zu würdigen – und genauso wenig können diese kurzen Zeilen unseren Gefühlen vor Ort gerecht werden.

Daher belassen wir es an dieser Stelle bei nur einer Schilderung: Das Museum stellt anhand etlicher authentischer Fotografien, Dokumenten und Exponaten chronologisch und in bedrückend detailliertem Maße die Geschichte der nationalsozialistischen Judenvernichtung dar. Nach mehreren Stunden verlassen wir das Gebäude und blicken auf die grünen Hügel von Jerusalem. Wohl kein Moment kann deutlicher vor Augen führen, weshalb dieses sich vor unseren Augen ausbreitende Israel existiert.

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Schluss- und Anfangspunkt: Blick vom Museum zur Geschichte des Holocaust auf das abendliche Jerusalem.

Jerusalem Tipps: Viertel Mea Schearim

Ein besonderes Beispiel jüdischen Lebens in Jerusalem ist Mea Schearim, einer der ältesten Stadtteile außerhalb der Altstadt. Seine Bewohner:innen – überwiegend orthodoxe Jüdinnen und Juden – halten sich an die traditionelle Auslegung der Tora. Dies äußert sich unter anderem darin, dass im Vergleich zum säkulären Tel Aviv die Schabbat-Ruhe besonders strikt eingehalten wird.

Auch Mea Schearim statteten wir bereits auf zwei Israel-Reise einen Besuch ab. Beim ersten Mal verfehlten wir das eigentliche, sehr lebendige Zentrum des Viertels knapp und fanden uns lediglich in wenig aussagekräftigen, stillen Straßenzügen wieder. Beim zweiten Mal dann waren wir plötzlich mittendrin und wurden vom schwarz-weißen Treiben beinahe verschluckt: Da es sich nicht um eine klassische Sehenswürdigkeit handelt, sondern einfach um einen sehr einprägsamen Einblick in den Jerusalemer Alltag, fühlten wir uns als Touristen nicht sonderlich wohl und verzichteten auf Fotos. Wir empfehlen, bei deinem Besuch auch mit der Wahl der passenden Kleidung möglichst respektvoll aufzutreten.

Unser Jerusalem Reisebericht ist nicht der einzige aus Israel: Weitere Reisegeschichten aus Israel findest du unter anderem in unserem Tel Aviv Reisebericht, in unserem Artikel über den Sonnenaufgang in Masada sowie im Beitrag über die Gärten der Bahai in Haifa.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Jerusalem Reisebericht

Comments:

  • 16. Oktober 2015

    Hi,
    ich habe für April 2016 eine Israel-Reise geplant und, genau wie ihr, einen Tag in Jerusalem. Ich möchte ebenfalls die Atmosphäre in dieser für drei Weltreligionen heiligen Stadt erleben. Eure Berichte und Fotos sind superspannend. Leider spricht man seit ein paar Wochen aufgrund der vermehrten gegenseitigen Angriffe von Israelis und Palästinensern schon von einer dritten Intifada. – Nein, bitte nicht! – Undzwar gönne ich allen Beteiligten Frieden, wie auch immer er zu erzielen sein wird. Und mir wollte ich diese Reise gönnen…

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  • 3. Oktober 2015

    Danke für den wunderschönen Flashback, mein letztes Mal Jerusalem liegt leider schon wieder etwas zurück, aber ihr habt das Fernweh geschürt 🙂

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  • 28. August 2015

    Danke für den interessanten Reisebericht. Zur Zeit traue ich mich ja nicht mehr nach Jerusalem, aber 2009 war es noch relativ friedlich dort.
    Mein aufregendstes Erlebnis war damals die Nacht zum Karfreitag:
    http://dschjotiblog00.blog.de/2010/04/01/nacht-gruendonnerstag-karfreitag-8289097/
    LG Dschjoti

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  • 18. August 2015

    Toller Reisetipp. Ich wäre wahrscheinlich nie darauf gekommen, Jerusalem zu besuchen. Danke für’s Teilen.
    LG Katja
    https://weltimsucher.wordpress.com/

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  • 18. August 2015

    Toller, inspirierender Artikel zu eurem 1 thing to do in Jerusalem. Da kommt man richtig ins Träumen. Schade, dass das doch ein ziemlich loderndes Pflaster ist. So gerne ich es einmal selbst besuchen würde, aber mir wäre das zu riskant. Umso schöner ist es dann, von euren Erlebnissen dort zu lesen.

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  • 18. August 2015

    sehr schöner und spannender artikel. jerusalem ist sicher eine unglaublich interessante stadt, mir geht es in der gegend dennoch zu heiß her, um es selbst zu besuchen. tolle eindrücke, danke fürs teilen!

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      • 18. August 2015

        kann ich mir vorstellen. obwohl es nicht unbedingt das klima war, das ich angesprochen habe 😉

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          • 18. August 2015

            😉
            du sagst es. und es ist nunmal leider ein sehr stark konfliktgeladenes pflaster.

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