Jakobsweg: Anfang und Ende einer Pilgerreise

Bei Spanien denkst du wahrscheinlich sofort an laue Abende am Mittelmeer, die Ramblas in Barcelona oder eine sommerliche Auszeit auf den Kanarischen Inseln. Im weniger beachteten Nordwesten des Landes hingegen befindet sich Santiago de Compostela, das Ziel des historischen Jakobswegs. Beim Pilgern zum Grab des Apostels Jakobus erlebte Bloggerin Lea diverse Höhen und Tiefen, die ihre knapp 2.000 Kilometer lange Wanderung in ein Wechselbad der Gefühle verwandelten. Ein Reisemoment von Lea.

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

In ihrem Reisemoment berichtet uns Lea von ihrer Pilgerreise auf dem Jakobsweg – einmal quer durch Frankreich uns Spanien. Foto: Lea Searching

Von Anfang und Ende

Anfang und Ende sind wie zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören unweigerlich zusammen. Wie die Sonne immer auf den Regen folgt, so folgt das Ende auf den Anfang. Diese Geschichte handelt von dem Anfang und dem Ende einer Reise.

Auch wenn es scheint, als würde ich von zwei Momenten berichten, so ist es doch in Wirklichkeit nur einer, der den anderen bedingt. Jede große Reise beginnt mit dem ersten Schritt: Dieser war meiner.

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

Start in Taizé: Das Foto zeigt die ersten Schritte auf dem Weg in Richtung Santiago de Compostela. Foto: Lea Searching

Pilgern auf dem Jakobsweg: Der erste Schritt

Im Frühjahr 2014 begann ich meinen Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Ich hatte eine Woche in Taizé, einem ökumenischen Kloster bei Lyon, verbracht und von dort aus brach ich alleine auf. Knapp 2.000 Kilometer würde ich dem Jakobsweg einmal quer durch Frankreich und Spanien folgen.

Schon Tage davor hatte ich schlecht geschlafen. Ich war nicht aufgeregt, sondern der festen Überzeugung wahnsinnig geworden zu sein. Ausgerechnet ich, das Pummelchen, das im Sportunterricht immer als letztes in die Mannschaft gewählt wurde, wollte drei Monate zu Fuß unterwegs sein?

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

Der Jakobsweg, oder: Knapp 2.000 Kilometer und drei Monate Zeit, sich selbst zu finden.

Noch dazu begrenzen sich meine Kenntnisse in Französisch auf die Worte „Bonjour“, „Baguette“, „Fromage“ und ich war zum letzten mal als Kind mit meinen Eltern wandern gewesen. All diese Zweifel im Kopf holte ich mir an diesem Morgen mit zitternden Knien den ersten Stempel für meinen Pilgerausweis und machte mich auf den Weg.

Dass ich vor Herzklopfen keinen klaren Gedanken fassen konnte, änderte sich nach den ersten paar hundert Metern und ein fettes Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Jahrelang hatte ich davon geträumt. Dann schließlich monatelang geplant, Bücher gelesen, Ausrüstung gekauft mir Tipps geholt. Und jetzt, jetzt war es soweit. Das war er – mein Jakobsweg.

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

Wer würde bei diesen Aussichten nicht gerne sofort seine Wanderschuhe anziehen und losziehen?

Am Ende meiner Pilgerreise

Und so saß ich einfach nur da. Eine Stunde, zwei. Ich weiß es nicht. Es fühlte sich immer noch so unwirklich an. Die letzten drei Monate waren ein ganzes Leben gewesen. Ich war Tag für Tag gelaufen. Durch Schnee und bei Regen. Die Sonne hatte mich braun gebrannt und Stürme hatten mir die Haare zerzaust.

Ich hatte ganz alleine in Herbergen mitten im Wand geschlafen, teilweise mit 150 anderen Pilgern in einem Raum. Ich hatte Einsamkeit erfahren und wahre Freundschaft. Ich hatte mich verliebt und verabschiedet. Ich hatte Rotz und Wasser geheult und gelacht bis ich Bauchschmerzen hatte.

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

Neben der spirituellen Erfahrung bietet der Jakobsweg auch landschaftliche Höhepunkte. Foto: Lea Searching

Es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Ich war todtraurig darüber, dass mein Jakobsweg jetzt zu Ende sein würde, aber noch viel mehr war ich dankbar. Dankbar für all diese wundervollen Erlebnisse. Dankbar für all die Hilfe, die ich erfahren hatte und für die fantastischen Menschen, denen ich begegnen durfte.

Vor allem aber war ich dankbar für all das was ich lernen durfte. Der Weg hatte mich verändert. Ich hatte gelernt auf meine Gedanken zu achten und sie bewusst zu wählen. Ich wusste nun um den Wert von Einsamkeit und hatte begonnen zu meditieren. Aber vor allem hatte ich gelernt das, Leben nicht zu ernst zu nehmen.

So lachte ich noch einmal den Wellen entgegen, stand auf und ging zu meinen Freunden, um noch ein letztes mal auf die gute Zeit anzustoßen.

Jakobsweg Pilgern Spanien Frankreich

Die Sonne ist zum Symbol des Jakobswegs geworden und weist Pilgern den Weg nach Santiago de Compostela.

Reiseblogger auf dem Jakobsweg

Dass der Jakobsweg nicht nur für Pilger interessant ist, zeigen auch die folgenden Artikel, die wir dir sehr ans Herz legen:

Susanne verrät Reisebloggerin Travelicia Tipps zur Planung der Reise über den Jakobsweg. In einem weiteren Interview dort erfährst du außerdem, wie ein typischer Tag auf dem Jakobsweg unterwegs so aussieht.

Auch in den Reisedepeschen kannst du noch mehr über den Jakobsweg lesen. Nadine von Trackqueen erzählt dort eine Geschichte von Schnarchen, Schmerzen und Scheitern, während Anne sich beim Pilgern die Frage stellt: „Was mache ich hier eigentlich?“

Mehr über unsere Gastautorin Lea erfährst du übrigens auf ihrem Blog Lea Searching. Hast auch du eine Geschichte oder gar ein 1 THING TO DO auf Lager, das du gerne in unseren Reisemomenten verewigen möchtest? Dann sende uns eine Nachricht an kontakt [at] 1thingtodo.de und wir besprechen alles Weitere.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

4 thoughts on “Jakobsweg: Anfang und Ende einer Pilgerreise”

  1. Peer says:

    Der Jakobsweg ist eindeutig ein religiöser Pfad – ein PILGERWEG! Ich bin den Jakobsweg gegangen und diese „Wanderer“ nerven einfach nur! Man geht den Camino, weil man meditiert im Gebet und weil man mit der Natur und Gott im Einklang sein will! Wer keine spirituellen Absichten hat, soll lieber in Österreich oder auf Sizilien wandern gehen! Es ist wirklich ein schöner Weg und man trifft viele Leute, die meisten sind aber auch religiöse motiviert. Es nervt, wenn irgendwelche möchtegern Sportler den Gläubigen die Schlafplätze wegnehmen, vorallem weil daraus ein Wettrennen um die Herbergen resultiert! Wer keine spirituellen Absichten hat, möge sich bitte etwas anderes suchen!

  2. Kaja says:

    Wow! Eine unglaublich tolle Wanderung! Würde ich auch zu gerne eines Tages einmal machen!

    Liebe Grüße,
    Kaja

  3. silkeaschhoff says:

    Vielleicht kommen wir da ja auch noch irgendwann einmal hin… LG aus dem Münsterland

  4. dorie says:

    Sehr interessant. Ich bin kein Fan vom Wandern, aber dieser Weg und diese Erfahrungen, würden mich dann doch interessieren. Vor allem, weil die Bilder sehr schön aussehen 🙂
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

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