#hässlichschön: Reiseblogger mit Mut zur Hässlichkeit

Wer will hässliche Reisebilder sehen? Wir! Im Rahmen unserer ersten Fotoparade riefen wir Reiseblogger dazu auf, Mut zur Hässlichkeit zu beweisen. Etwa ein Dutzend folgte dem Aufruf, uns jeweils ein schönes und ein eher hässliches Foto von einem Reiseziel ihrer Wahl zu schicken. Beide Seiten der Medaille liegen auf Reisen schließlich oft nah beieinander, auch wenn über die hässlichen Momente kaum berichtet wird. Geschrieben von John & Marc.

Hässliche Reiseziele, Karosta, Lettland

Karosta, Lettland: Hier reicht für die Gegenüberstellung von Schönem und Hässlichem ein einziges Bild.

Hinweis: Hinter jedem „schönen“ Reisebild befindet sich ein „hässliches“ Gegenstück. Benutze den Schieber, um hinter die Kulissen zu schauen.

Die Idee

Wenn man dem Vorurteil glaubt, dann könnte man behaupten, dass wir mit unserem aktuellen Osteuropa-Fokus ohnehin zu hässlichen Reisezielen neigen. Im Rahmen unseres Projekts #GoEast wollen wir freilich genau dieses Stereotyp widerlegen. Und doch kam uns vor Kurzem im lettischen Ostseestädtchen Liepāja die Idee zu unserer Fotoparade.

Im Bezirk Karosta, einem einst russischen Stadtteil rund um den früheren Kriegshafen, funkelten die goldenen Zwiebeltürmchen des St. Nikolaus Doms in der heißen Mittagssonne, während wir durch ein furchtbar heruntergekommenes sowjetisches Plattenbauviertel spazierten. Wohl wissend, dass sich ob der uns entgegenschlagenden Armut gewisse Kommentare verbieten, waren wir sofort fasziniert vom Kontrast zwischen Gold und Dreck – und entschlossen uns, in Zukunft auch die sogenannten hässlicheren Seiten des Reisens herauszustellen. Auf geht’s!

Südostasien

Sapa, Vietnam

Sapa gehört mittlerweile zum festen Bestandteil vieler Rundreisen durch Vietnam, was nicht zuletzt an den pittoresken, grünen Reiseterrassen inmitten einer paradiesisch anmutenden Gebirgslandschaft liegt. Das hier nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigen uns die beiden Bilder von Jacqui und ihrem Blog Weltgefühle.

Jacqui lebt seit 2015 rund um die Welt, bloggt über Work and Travel und Langzeitreisen und möchte ihre Leserinnen und Leser mit Reiseberichten, persönlichen Herzensgedanken sowie Tipps und Tricks zur Reiseplanung inspirieren.

Vulkan Merapi, Indonesien

Mehr als Fehl am Platz erscheinen die beiden Worte hässlich und schön, wenn es sich um eine Naturkatastrophe handelt. Thomas zeigt mit seinen eindrücklichen Bildern zum einen die Schönheit des Vulkans Merapi auf der indonesischen Insel Java, zum anderen jedoch auch dessen lebensbedrohliche Zerstörungskraft.

Der Ort Kaliadem am Fuße des Vulkans wurde im Herbst 2010 durch pyroklastische Ströme fast vollständig zerstört und teilweise meterhoch verschüttet. 147 Bewohner kamen ums Leben. Eine 32-minütige Dokumentation zum Merapi-Ausbruch mit weiteren Impressionen und Informationen findest du auf Travelmedicus.

Gili Trawangan, Indonesien

Die indonesische Insel Gili Trawangan beschreibt Ines von Gin des Lebens als Paradies für Strandfans, Taucher und Schnorchler. Ein paar graue Flecken hat das Paradies jedoch auch in der Hinterhand, denn trotz Südseeflair bekommt man hier und da die weniger schönen Seiten der Trauminsel zu sehen. Weitere Eindrücke vom indonesischen Eiland erhältst du im Reisebericht über Gili Trawangan auf Gin des Lebens.

Mrauk U, Myanmar

Gleich zwei gegensätzliche Fotopaare ließen uns Gina und Marcus von 2onthego zukommen. Das erste stammt aus Mrauk U in Myanmar und damit aus einer Stadt, welche die beiden auf ihrem Blog als Königsstadt im Dornröschenschlaf beschreiben. Bild eins versprüht das Ambiente einer romantischen Bootsfahrt auf dem Fluss, während Bild zwei die am Ufer angeschwemmten Müllhaufen aus diversen Plastikabfällen zeigt.

Bangkok, Thailand

Für viele ist Bangkok die erste Anlaufstelle, wenn sie zum ersten Mal nach Südoastasien reisen. So auch für Gina und Marcus! Das Bilderpaar aus der thailändischen Kapitale entstand während einer Klongfahrt und zeigt zunächst eine idyllische Szene mit Tempel und Mönchen auf einem Brückchen. Wenige Meter weiter passierten die beiden armselige Hütten, vor denen Müll im Wasser treibt. Mehr über Ginas und Marcus‘ Erfahrungen in Bangkok findest du auf 2onthego.

Karibik, Mittel- und Südamerika

Willemstad, Curaçao

In Willemstad, der Hauptstadt Curaçaos, entdeckte Nathalie die Nachteile einer Reise in der Nebensaison, in die man vor Ort offensichtlich sämtliche Bauarbeiten gelegt hatte. Nicht nur, dass die in Curaçao bekannte Queen-Emma-Bridge wegen Reparaturarbeiten an der Brücke einfach „weg“ war. Auch waren die Straßen teilweise aufgerissen und wurden mit lauten Geräten neu asphaltiert. Zum Glück gab es nichtsdestotrotz noch genug schöne, bonbonfarbene Häuschen zu sehen.

Mehr Eindrücke von Nathalie aus Curaçao kannst du auf ihrem Blog Nat Worldwild erstöbern.

Vulkan Osorno, Chile

Noch ein Vulkan – und noch mal Nathalie. Über dem Ort Puerto Varas in Chile thront der Vulkan Osorno mit seiner zumeist schneebedeckten Spitze. Auf diesen zu wandern oder hochzufahren sollte fantastische Ausblicke ermöglichen. Denkste! Das Wetter spielte nicht mit und somit konnte Nathalie kaum zehn Meter weit sehen. Im Sonnenschein stellte der Vulkan aber eine wunderschöne Kulisse am See dar.

Weitere Eindrücke ihrer dreiwöchigen Reise durch Chile gibt dir Nathalie ebenfalls auf Nat Worldwild.

Iztaccihuatl, Mexiko

Als Danilo von unserer Aktion hörte, fielen ihm erst mal jede Menge Touristenmassen ein. Schließlich entschied er sich jedoch für zwei Impressionen seiner Tour auf den Vulkan Iztaccihuatl in Mexiko, von der du auch auf seinem Blog Allerorts lesen kannst. Der ganze Trip war wunderbar – allerdings nur solange das Wetter mitspielte. Denn als es langsam dämmerte und fieser Nebel einsetzte, war Danilo gar nicht mehr so angetan von der Umgebung.

Von nun an war er nur noch darauf erpicht, möglichst schnell die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf dem Berg aufzufinden, bevor es ganz dunkel wird. Und dann fing es auch noch an zu schneien! Glücklicherweise wurde die Hütte kurz vor Einsetzen der Dunkelheit noch gefunden. Dafür wurde Danilo am Morgen danach von einem wunderbaren Sonnenaufgang belohnt, der Stress und Mühe am Vorabend doppelt wert war.

Europa

Lissabon, Portugal

Bloggerin Yvonne kennst du schon aus unserer Artikelserie #Reisemomente, in der sie von ihrem ganz persönlichen Grenzüberschritt auf dem österreichischem Adlerweg berichtete. Für unsere Fotoparade hat sie uns zwei Motive aus dem malerischen Lissabon zukommen lassen, wobei sie sich nicht einmal sicher ist, ob sie ihr hässliches Motiv wirklich so hässlich findet – Stichwort „morbider Charme“.

In der portugiesischen Hauptstadt waren wir übrigens auch schon selbst unterwegs. Unser 1 THING TO DO am Tejo findest du in unserem Lissabon Reisebericht. Mehr von Yvonne liest du auf ihrem Blog Sicht-Weise.

Bukarest, Rumänien

Als Frauke von we2ontour von unserer Fotoparade Wind bekam, musste sie keine Sekunde lang überlegen, welches Reiseziel dafür prädestiniert ist. Sie entschied sich für Bukarest – und wir können sie nach unserer Rumänienreise 2016 sehr gut verstehen! Schwieriger war es da schon, unter den vielen Motiven nur zwei auszuwählen. Doch die Wahl ist ihr mehr als gelungen.

Übrigens passt auch unser 1 THING TO DO für die rumänische Kapitale wunderbar zum Thema #hässlichschön und greift die architektonischen Kontraste gerade im Zentrum der Stadt auf. Mehr dazu liest du in unserem Bukarest Reisebericht.

Prag, Tschechien

Wer kennt das nicht? Postkarten, Pinterest und Co. vermitteln den Eindruck, dass am Reiseziel der Wahl reinste Idylle herrscht – exklusive auch nur einer einzigen Menschenseele. Allzu oft wird man danach jedoch an Ort und Stelle von Touristenmassen beinahe überrannt.

Ein Paradebeispiel hierfür sind Teile von Prag, aus dem uns Hanka vom Blog Tulpenschlaf berichtet: Auf der einen Seite sieht man die schöne astronomische Uhr am Rathaus beim staroměstské náměstí mit der Teyn-Kirche im Hintergrund. Und dann sind da noch die besagten Touristenmassen, die vor der Uhr stehen – und die Stimmung so ein bisschen zerstören.

Uns ging es in der tschechischen Hauptstadt übrigens nicht anders, bis wir unser 1 THING TO DO entdeckten. Welches das ist, erfährst du in unserem Prag Reisebericht.

Warschau, Polen

Wenn es um morbiden Charme geht, dann ist Osteuropa zumeist ganz weit vorne mit dabei. Ob in Belgrad, in Sofia, in Krakau oder in Odessa – Mal ums Mal verliebten wir uns in die vor sich hin bröckelnde Schönheit des Verfalls, neben der die restaurierten Altbauten beinahe langweilig wirkten. Auch wenn wir zugeben müssen, dass wir uns wohl eines Tages satt gesehen haben werden.

Ein gelungenes Beispiel hierfür lieferte uns auch Kirsten von Sugar and Spice, die erst vor Kurzem in Warschau Halt machte. Das Schöne wird in diesem Falle vom herausgeputzten Schlossplatz, das Hässliche vom großenteils noch wenig restaurierten Statteil Praga repräsentiert.

Berlin, Deutschland

Den Abschluss unserer Fotoparade macht unsere Stadt, die auch ganz rein objektiv nicht fehlen darf, wenn es um die schönen und hässlichen Seiten von Reisezielen geht: Berlin! Ganz exemplarisch schickte uns Christina von Trip to the Planet ein Foto der prunkvollen Hackeschen Höfe, während es im Umfeld der East Side Gallery im Bezirk Marzahn deutlich trister zugeht. Ihren Anfänger-Guide für die deutsche Hauptstadt findest du übrigens hier.

Dabei zeigt gerade Berlin, dass Schön und Hässlich oft nahe beieinander liegen. Das gilt auf zwei Ebenen: Erstens, weil du hier mancherorts von einer Straße mit schicken Altbauten nur einmal abbiegen musst, um 70er-Jahre-West-Plattenbau-Monstern zu begegnen. Zweitens, weil sich wohl jeder Berliner und jede Berlinerin bewusst ist, dass es hier teilweise richtig hässlich zugeht. Aber is halt Berlin, wa? Und dit is och jut so – die ganzen schönen Ecken mal außen vor gelassen. Die behalten wir eh lieber für uns!

Jetzt haben wir so oft die Wörtchen „schön“ und „hässlich“ verwendet, dass es uns beinahe schaudert, sie noch einmal zu benutzen. So viel Oberflächlichkeit! Denn am Ende unserer Fotoparade kann nur das Fazit stehen, dass beide Polen voneinander leben. Ohne Schönheit keine Hässlichkeit. Und: In mancher Schönheit kann genauso viel Hässlichkeit liegen, wie in der Hässlichkeit jede Menge Schönheit. Oder was meinst du?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

6 thoughts on “#hässlichschön: Reiseblogger mit Mut zur Hässlichkeit”

  1. Barbara says:

    Das ist ja eine super Idee!!!

    Ich mag auch diese Kontraste – und fotografiere oft genau das, was hier auch gezeigt wurde. Das macht das Leben und die Reiseziele spannend.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir! 🙂

      Wir werden auf jeden Fall nun darauf achten, die „hässlichen“ Motive nicht sofort zu löschen. 😉

      Liebe Grüße!

  2. tho says:

    Huhu,
    Negatives mal zum Thema zu machen in Bezug auf das Reisen, ist eine tolle Idee und das Outcome sieht klasse aus!
    Weiter so!

    1. 1 THING TO DO says:

      Vielen lieben Dank!

  3. Christina says:

    Hey,
    der Artikel ist richtig toll geworden. Den Schieber finde ich sehr gut. Krass, welche Kontraste dadurch entstehen und wie nah schön und hässlich doch beieinander liegen können.
    Viele Grüße
    Christina

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke, vor allem auch für deinen Beitrag! Berlin ist generell ein super Beispiel für diese Kategorie von Bildern. 🙂

      Liebe Grüße!

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