Gendern beim Bloggen: Wie hältst du es mit Diversity?

Vor einigen Tagen war Weltfrauentag. Aus diesem Anlass philosophierten Marc und ich über die heutige Bedeutung dieses Tages: Wie steht es um die Gleichstellung von Mann, Frau und anderen Geschlechtern? Dabei diskutierten wir auch, ob und wie wir zukünftig geschlechtergerecht unsere Texte verfassen wollen. Was bei unseren Diskurs über das Gendern beim Bloggen raus kam, kannst du hier nachlesen. Geschrieben von John.

Gendern beim Bloggen

Gendern beim Bloggen: Warum?

Viele sind es leid, können es nicht mehr hören, wollen sich damit nicht abfinden: Es geht ums „Gendern“. Allen Unkenrufen zutrotz sind Marc und ich generell Verfechter einer geschlechtergerechten Sprache. Warum? Weil es um nicht weniger als die Soziale Gleichheit geht, wie sie unsere persönliche gesellschaftliche und vor allem auch meine berufliche Ideologie prägt.

Ja, fehlende Buchstaben können Menschen ausschließen, ob einige es wahr haben wollen oder nicht. Okay, die vielen Kritiker_innen (sowie alle dazwischen) haben Recht: Es ging Jahrhunderte auch nur mit dem generischen Maskulinum. Doch wenn man in dieser Denke bleibt, dann ging es auch jahrhundertelang ohne Internet, Autos und Kühlschränke.

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Die Regenbogenfahne gilt als internationales Zeichen für Toleranz und Akzeptanz.

Ideale versus Ästhetik

Nur in einem muss man der Kritik teilweise zustimmen. Gelegentlich behindern Gender-Gap, Gender-Sternchen, ein „-Innen“ und andere Formen der geschlechtergerechten Sprache den Lesefluss. Jetzt muss jede_r für sich abwägen, ob die eigenen Ideale oder die subjektive Ästhetik im Vordergrund stehen. Selbst wir beide sind uns da teils uneinig und fragten uns, wie wir unsere Texte zukünftig geschlechtergerecht gestalten wollen.

Marc sieht, vielleicht auch durch seinen Beruf als PR-Manager, die ästhetische Seite im Vordergrund und meint trotzdem alle Menschen, wenn er beispielsweise von „dem Backpacker“ spricht. Außerdem bedeutet es seiner Meinung nach ziemlich viel Aufwand, sich wirklich konsequent und konsistent an das Ideal zu halten – denn wenn schon, denn schon. Daher wird Marc das generische Maskulinum, sollte es nicht anders gehen, auch weiterhin benutzen.

Hybridgendersprache

Ich hingegen werde meine Texte in einer Art „Hybridgendersprache“ schreiben. So wird es bei mir weiterhin „Backpacker_innen“ heißen, während Worte wie „Arzt“ im Plural einfach zu „Ärzte“ werden, bei dem sich trotzdem bitte alle angesprochen fühlen sollen – „Ärzte_innen“ wäre einfach falsch.

Die Form, welche wir beide absolut bevorzugen, ist die der geschlechtsneutralen Begriffe, wie beispielsweise „die Reisenden“. Diese Art des Genderns ist zweifelsohne die eleganteste und gerechteste Lösung. Leider klappt das einfach nicht mit allen Worten, sonst wäre dieser Artikel wohl auch überflüssig.

Gender

Egal ob Männlein, Weiblein oder irgendwas dazwischen: Unsere Texte sollen alle Menschen gleichermaßen ansprechen.

Abschlussplädoyer

Gender-Mainstreaming sollte nicht derart negativ konnotiert sein, wie es heute leider bei vielen der Fall ist. Die Gleichstellung aller Geschlechter ist doch wohl ein erstrebenswertes Ziel! Und wenn es gelegentlich zu provokanten oder plakativen Situationen und Aktionen kommt, dann sollte sich doch bitte niemand dadurch angegriffen fühlen – gerne aber zum Nachdenken angeregt.

Das Gendern beim Bloggen und darüber hinaus ist wohl ein Thema, über das sich vortrefflich streiten lässt. Wie ist deine Meinung hierzu? Wie hältst du es mit dem Gendern? Schreib’s in die Kommentare! Zum Weiterlesen empfehlen wir dir außerdem unsere Social Media Tipps für Reiseblogs.

Bloggen um zu bloggen!
John & Marc

10 thoughts on “Gendern beim Bloggen: Wie hältst du es mit Diversity?”

  1. Kathi says:

    Ich bin ganz stark der Meinung: Sprache kreiert Realität. Daher finde ich es auch nicht übertrieben zu gendern, sondern schlicht und ergreifend notwendig – Ästhethik hin oder her (und ich bin sonst ein Mensch, der viel Wert auf Ästhetik legt). Wir verfassen all unsere Blogartikel geschlechtsneutral und zwar mit der Sterchen-Form (z.B. Lehrer*innen). Wer sich daran stört, dem ist leider nicht zu helfen 🙂 Letztlich muss das aber jede*r für sich entscheiden 🙂
    Alles Liebe,
    Kathi

    1. 1 THING TO DO says:

      Hej Kathi,
      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Ich finde es sehr cool, dass ihr euch für eine Form des Genderns entschieden habt und diese auch 100%ig durchzieht! Ich könnte mir vorstellen, dass es doch sicher das ein oder andere Mal etwas Kritik hagelt, oder?! Umso mutiger, dass ihr dabei bleibt und eure Form beibehaltet. 🙂

  2. Wolfgang says:

    Mit meinen nahezu 75 Jahren bin ich da eher etwas konservativ. Dort wo es möglich ist, benutze ich aber gerne den Plural. Das würde übrigens beim Backpacker auch funktionieren (Backpacker/in finde ich irgendwie komisch). Im übrigen versuche ich allgemeine Begriffe eher zu umgehen und schreibe lieber von Inge oder Hans. Im übrigen halte ich diese Diskussion für ein wenig übertheoretisch. Mir ist viel wichtiger, dass unsere Gesellschaft im Hier und Heute ankommt – und endgültig Schluss ist mit Zweiklassengesellschaft, Homophobie, Islamphobie, Rassenhass, Antisemitismus und Missachtung von Frauenrechten – und was noch so alles schief läuft.

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo Wolfgang,
      bei deinem Streben nach der Beendigung von Benachteiligung und Diskriminierung gegenüber jeglichen Menschengruppen, sind wir absolut bei dir! Auch der Ansatz, so persönlich wie möglich zu schreiben und Verallgemeinerungen zu umgehen, ist sehr cool. Das ist dann wohl die gerechteste Form der Sprache.

      Ich denke aber auch, dass ein gewisser „übertheoretischer“ Diskurs und ein Blick auf morgen, unabdingbar sind, um das Hier und Heute aktiv mitgestalten zu können. Ideale und Zukunftsvorstellungen treiben uns Menschen doch an und wenn ich bspw. an eine zukünftige Welt der Gerechtigkeit glaube, bin ich mehr oder weniger gezwungen mir eigene Konzepte zu erarbeiten, wie diese Gerechtigkeit erreicht werden kann.

      Aber auch dir möchte ich sagen, dass das keineswegs eine Erhebung des Zeigefingers sein soll oder ich dir in irgendeiner Form vorschreiben will, was richtig oder falsch ist. 😉

      Vielen Dank für deinen Kommentar!

  3. Paleica says:

    immer eine große frage, ob man zu solchen themen etwas sagen mag oder nicht 🙂 ich habe in den letzten jahren bei mir folgendes festgestellt: bin ich feministin? definitiv JA. finde ich die art und weise richtig, mit der feminismus heute überwiegend in verbindung gebracht wird? nein.
    was die sprache betrifft, halte ich es auch damit, dass ich, wenn möglich, neutrale begriffe verwende. dennoch gendere ich sonst nicht, weil mir persönlich inhalt immer noch wichtiger ist als form und weil ich finde, dass lesbarkeit bei einem schriftlichen medium oberste priorität hat.
    weiters erlebe ich einfach immer wieder folgendes: menschen, die ohnehin „antifeministisch“ (wie auch immer hier der korrekte terminus lautet) sind, reagieren dann in solchen fällen immer noch extremer und ablehnender und man erreicht damit genau das gegenteil. darum halte ich es eher mit einem in der kommunikation „selbstverständlichen“ zugang. männern, die sich mir gegenüber sexistisch äußern, ziehe ich schon mal gern sprichwörtlich die hosen aus. aber ich glaube, dass das ganze einfach anders gehen kann und müsste, weil es so wichtig wäre, dass sich frauen im allgemeinen mit dieser bewegung identifizieren können und das schließt eine pauschalverurteilung der männer eben auch aus. wie sie jetzt ist, haben mindestens 50% der gesamten weiblichen bevölkerung das gefühl, sich von der aggressivität, mit der agiert wird, distanzieren zu wollen. sexismus ist auch von der anderen seite nicht in ordnung und man kann wohl kaum vom gegenüber was verlangen, was man selbst nicht zu geben bereit ist – und das ist respekt. und das anerkennen der bedürfnisse des individuums. der „laute“ feminismus vermittelt mir als frau erst wieder das gefühl von zwang und ich denke, dass das eigentliche ziel – neben faktischer gleichberechtigung, versteht sich – vor allem auch selbstbestimmtes leben ist (und das geben mir die frauen ganz und gar nicht, die sich im moment gerne in das genre feministin einordnen).

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo Paleica,
      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Letztlich soll auch jede_r das Schriftbild verwenden, welches ihm / ihr am Meisten zu sagt: Wenn wir eine Sache mit diesem Beitrag nicht erreichen wollen, dann ist das der Eindruck, wir würden unsere Meinung(en) versuchen anderen Menschen über zu stülpen. Es geht vielmehr um die Auseinandersetzung mit der Thematik, als um das Endresultat. Sprich: Wie oder ob jemand gendert, ist nebensächlich, solange die Person sich mental überhaupt mit der Gleichbehandlung der Menschen auseinandersetzt. Das tust du offensichtlich. 🙂

  4. Sigrid says:

    Obwohl ich zur Generation der Frauen gehöre, die sich für die Emanzipation von uns Frauen in der Gesellschaft, Beruf usw. eingesetzt haben, achte ich nicht wirklich darauf, ob da nun Ärzte, Ärztinnen, Leser oder Leserinnen steht. Selbstverständlich halte ich es für wichtig, dass auch in der Sprache auf Gleichstellung geachtet wird, aber es kommt doch auf den Inhalt an und nicht darauf, dass jemand mal die weibliche Form vergisst.
    Ich als Ü60-jährige hatte mit ganz anderen Nach- und Vorurteilen im Beruf zu kämpfen und musste mich damals in den 70er Jahren gegen die „Vormacht“ der männlichen Kollegen noch richtig behaupten und manchmal auch erwehren, wenn z.B. mein damaliger Chef mal wieder übergriffig wurde oder Männer uns junge Frauen nicht für voll nahmen. Trotzdem war es derselbe Chef, der mir im jungen Alter von 24 Jahren damals eine Handlungsvollmacht erteilte, was eine „Auszeichnung“ war.
    Es hilft ja nichts, wenn wir in der Sprache so sehr auf Gleichstellung Wert legen und trotzdem in unzählingen Unternehmen Frauen immer noch weniger verdienen als Männer in derselben Position oder auf der Karriereleiter nach oben benachteiligt werden.
    Liebe Grüße ☼Sigrid☼

    1. 1 THING TO DO says:

      Liebe Sigrid,
      natürlich hast du vollkommen Recht, wenn du schreibst, dass die konsequenteste und gerechteste geschlechtergerechte Sprache nichts bringt, so lange die Ungleichheit der Geschlechter noch in so vielen anderen Bereichen manifestiert ist, wie z.B. der Bezahlung bei gleicher Arbeit. Und ich sehe es auch ganz ähnlich wie du, was die Form und den Inhalt angeht. Wenn inhaltlich munter weiter diskriminiert wird, kann ich noch so viel gendern, der diskriminierende Inhalt wird überwiegen. Die Form deshalb komplett außen vor zu lassen und als eher nichtig zu erachten, bewerte ich für mich selbst allerdings als eher paradox. Ich denke Form und Inhalt stehen unweigerlich in einer Relation. So folgt für mich, dass die Form sich gemäß dem, eigentlich aus der Ästhetik stammenden, Ausspruch „form follows function“, dem Inhalt anzupassen hat. Heißt in diesem Falle: Wenn der Sinn ist alle anzusprechen, dann versuche ich das bestmöglich auch im Schriftbild zu verdeutlichen. Dass das nicht immer möglich ist oder gelegentlich auch mal ins Abstruse abrutscht, weil die Grenzen einer Sprache erreicht sind, wird ja im Artikel schon umschrieben.

      Allerdings ist es mir ein Anliegen, auch hier nochmal zu betonen, dass das lediglich meine persönliche „Wahrheit“ ist und ich auf gar keinen Fall den Anspruch erhebe, den Menschen irgendwas aufzuzwingen oder sie dazu anzuhalten mir zu folgen. Was der Artikel aber scheinbar auslöst, ist eine weitere Diskussion und Reflexion des Themas und das ist super!

      Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

  5. Ilona says:

    Ich verwende Gender-Gap und Co, wenn es dezidiert um Geschlechterspezifische Themen geht, v.a. wenn es um Trans- und Intersexualität geht, um Genderqueerness etc. Diese Texte schreibe ich aber einmal alle Schaltjahre.
    Allerdings würde ich niemals einen erzählenden Text gendern – denn schlicht und ergreifend sind durchgegenderte Texte fast unlesbar. Praktikabilität gibt bei mir da ganz klar den Ausschlag – und die Ästhetik auch, wie ich gestehe. Ein Text kann viele Funktionen haben: Meine Texte sollen v.a. auch unterhalten. Stell dir einen gegenderten Roman vor? Oder gegenderte Erzählungen…

    Abgesehen find ich ja, es ist auch ein Ergebnis und ein Erfolg des Feminismus gewesen, dass man sich bei einem „Ärztekongress“ nicht mehr über anwesende Frauen wundert, sondern das als ganz selbstverständlich gilt.

    1. 1 THING TO DO says:

      Hej Ilona,

      ich denke, jede_r sollte sich mit der Thematik auseinandersetzen und daraufhin für sich selbst festlegen, wie man die Fragestellung nach dem Gendern oder Nicht-Gender für sich löst. Die Argumentation des gestörten Leseflusses kann ich durchaus verstehen, denke aber auch, dass das eine Sache der Gewohnheit ist. In Hunderten von Jahren war es unüblich so zu schreiben, da wirkt ein ständiges „_innen“ natürlich erstmal störend im Schriftbild. Vielleicht sieht das, ganz plakativ und vereinfacht dargestellt, in ein paar weiteren Jahrhunderten aber ganz anders aus. Nichtsdestotrotz wirkt es so, als hättest du die Problematik um eine geschlechtergerechte Sprache für dich selbst reflektiert und darüber nachgedacht und Nachdenken ist wohl der allerwichtigste Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter. 🙂

      Ich danke dir für deine Beteiligung an dieser kleinen Diskussion! 🙂

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