1 THING TO DO https://1thingtodo.de Reiseblog für Ostdeutschland, Osteuropa und mehr Wed, 24 May 2017 06:05:16 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.7.5 https://i2.wp.com/1thingtodo.de/wp-content/uploads/2015/12/cropped-logo.png?fit=32%2C32&ssl=1 1 THING TO DO https://1thingtodo.de 32 32 104184835 24 Stunden Sibiu: Ein unvollkommener Tag in Hermannstadt https://1thingtodo.de/sibiu-reisebericht-hermannstadt/ https://1thingtodo.de/sibiu-reisebericht-hermannstadt/#comments Wed, 24 May 2017 06:05:16 +0000 https://1thingtodo.de/?p=7119 Eigentlich wollten wir nach einer ausgiebigen Erkundungstour in rumänischen Sibiu und dessen Umgebung erneut in Richtung Karpaten aufbrechen. Eigentlich. Morgens am Flughafen angekommen, existierte weder ein Sixt-Schalter noch unser reservierter Mietwagen. Was tun also mit einem verschwendeten Reisetag in Hermannstadt, wo wir gefühlt bereits alles gesehen hatten? Wir sammelten allerhand Material für einen unvollkommenen Sibiu Reisebericht.

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Eigentlich wollten wir nach einer ausgiebigen Erkundungstour in rumänischen Sibiu und dessen Umgebung erneut in Richtung Karpaten aufbrechen. Eigentlich. Morgens am Flughafen angekommen, existierte weder ein Sixt-Schalter noch unser reservierter Mietwagen. Was tun also mit einem verschwendeten Reisetag in Hermannstadt, wo wir gefühlt bereits alles gesehen hatten? Wir sammelten allerhand Material für einen unvollkommenen Sibiu Reisebericht. Geschrieben von John & Marc.

Sibiu Reisebericht Hermannstadt

In unserem Sibiu Reisebericht blicken wir auf einen nicht ganz so perfekten Tag in der Stadt in Siebenbürgen zurück.

22 Uhr: Buche spontan einen Mietwagen

Im Nationalpark Pietra Craiului hatten wir uns bereits in die rumänische Gebirgswelt verliebt. Lange haben wir nach Möglichkeiten recherchiert, nun auch die wirklichen Karpaten des Landes unsicher zu machen. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, die für eine Tageswanderung nah genug an den höchsten Gipfel Rumäniens Station machen, ringen wir uns durch, einen Mietwagen zu buchen. Slow Travel adé. Ausnahmsweise.

Wandern Karpaten Pietra Craiului

So, aber noch viel imposanter, hätten wir uns einen neuerlichen Tag in den rumänischen Karpaten vorgestellt: Auf dem Varful Turnul im Nationalpark Pietra Craiului.

6 Uhr: Zeit fürs Frühstück

Voller Vorfreude ignorieren wir, dass unser Wecker uns mal wieder viel zu früh aus dem Schlaf reißt – und alle anderen im Hostelzimmer gleich mit. Zähne putzen, Wanderschuhe anziehen und ab geht’s in die Gemeinschaftsküche, wo wir unser nährstoffreiches Supermarktfrühstück vertilgen.

Sibiu Pangeea Hostel

Zeugen der siebenbürgisch-sächsischen Geschichte im PanGeea Hostel Sibiu.

8 Uhr: Ankunft am Flughafen

Mit dem Bus fahren wir von der Altstadt Sibius aus in Richtung Flughafen, wo unser Mietwagen bereit stehen soll. Im Terminal gibt es allerhand Mietwagenschalter, nur leider keinen der Marke Sixt. Wir fragen uns durch, telefonieren alle Servicehotlines ab, die wir finden können, und sorgen augenscheinlich für so viel Mitleid, dass selbst ein Angestellter der Sixt-Konkurrenz für uns einige Notfalltelefonate übernimmt.

Sibiu Altstadt

In den frühen Morgenstunden ist die sonst so umtriebige Strada Nicolae Bălcescu in der Hermannstädter Altstadt noch wie leergefegt.

10 Uhr: Suche das Sixt-Büro

Bevor die vollständige Desillusionierung eintritt, fahren wir zurück in die Innenstadt, um das sich dort angeblich befindende Sixt-Büro aufzusuchen. Fehlanzeige. Wir realisieren langsam, dass aus unserem Traum, die auf den Google-Bildern so malerisch anmutende Hochstraße Transfăgărășan entlang zu fahren, auf dieser Reise nichts werden wird. In zwölf Stunden erst fährt unser Nachtzug nach Budapest. Ein verschwendeter Reisetag. Frustfressen bei McDonald’s.

Hermannstadt Altstadt

Statt einem Ausflug in die rumänischen Karpaten stand somit ein neuerlicher Tag in Sibiu an, wo der siebenbürgisch-sächsische Einfluss auch an gewissen Kleinigkeiten erkennbar ist.

12 Uhr: Museum für siebenbürgisch-sächsische Völkerkunde

Das Emil-Sigerus-Museum für siebenbürgisch-sächsische Volkskunde und -kunst wollten wir uns ohnehin anschauen, hätten mit einem weiteren Ausflug in die Karpaten aber keine Zeit mehr dazu gehabt. Also machen wir das Beste aus diesem Tag. Im Museum erfahren wir nichts über das Leben der siebenbürgischen Sachsen, dafür aber (nicht viel) mehr über die Stickereikunst auf traditionellen Tischdecken, Kleidern und Ostereiern. Wir haben noch nie so eine langweilige Führung erlebt.

Emil-Sigerus-Museum Sibiu

Farbenfroh bestickte Ostereier im Emil-Sigerus-Museum: Definitiv kein allzu spannendes Highlight in unserem Sibiu Reisebericht.

13 Uhr: Franz-Binder-Museum

Vielleicht erfahren wir im Franz-Binder-Museum für Völkerkunde etwas mehr über die Siebenbürger Sachsen. Wir drücken uns selbst die Daumen, unser Nachtzug fährt schließlich erst in neun unfassbar langen Stunden. Am Einlass wird uns bewusst gemacht, dass es sich hier um eine Ausstellung über außer-europäische Völkerkunde handelt. Doch eine Mumie wollen wir heute nicht sehen – und verzichten.

Sibiu Piata Mica

Über einen Torbogen gelangst du vom Hauptplatz Piața Mare zur Piaţa Mică, im Hintergrund grüßt die Evangelische Stadtpfarrkirche Sibius.

13:15 Uhr: Eis essen

Vorgestern haben wir bereits die eine oder andere Kugel Eis genossen, denn wenn es in Sibius Altstadt eines gibt, dann Eisbuden. Nach zwei musealen Erfahrungen der Extraklasse ist es Zeit, die nächsten Sorten auszuprobieren und ein gefühltes 100. Mal über die Piața Mare, zu Deutsch „Großer Ring“, zu schlendern. Sie hatte allerdings schon beim 99. deutlich an Reiz verloren.

Sibiu Reisebericht Hermannstadt

In den Gassen rund um die Piața Mare kannst du dich an etlichen Eisbuden durchprobieren. Früh am Morgen ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen.

13:30 Uhr: Erstmal eine hausgemachte Limonade

Auch das eine oder andere Restaurant bzw. Café in der Altstadt von Sibiu haben wir bereits vorgestern besucht. Darunter auch das „Welt Kultur“ – vom Namen her ein weiteres Symbol der deutschen Überbleibsel in Hermannstadt – wo wir uns niederlassen und eine hausgemachte Limonade bestellen. Ein großes Glas. Wir haben Zeit.

Welt Kultur Sibiu

Im Café & Hostel Welt Kultur hast du nicht nur kostenfreies WLAN, sondern kannst auch munter das Treiben in den Gassen der Altstadt beobachten – vor allem, wenn du wie wir ganz viel Zeit hast.

14:30 Uhr: Mittagessen

Nachdem wir unsere Ärsche bereits im Welt Kultur platt gedrückt hatten, wurde es höchste Zeit, zum Mittagessen eine neue Stuhlform auszuprobieren. Mindestens genauso probierfreudig sind wir bei der Auswahl von Restaurant und Mahlzeit: Wir lassen uns bei einem Italiener in der Nähe der Evangelischen Stadtpfarrkirche nieder und essen jeweils ein Stück Lasagne. Dazu gibt es eine Flasche Cider. Höchste Zeit, etwas Alkoholisches zu trinken. Noch sechseinhalb Stunden.

Sibiu Reisebericht Hermannstadt

Man muss ja nicht immer nur einheimische Küche austesten – inmitten der Altstadt von Sibiu schmeckt die Lasagne schließlich umso besser!

15:30 Uhr: Zeit für ein Stück Kuchen

Nichts zu tun mehr in Sibiu. Was können wir dagegen tun? Na klar – ganz dringend etwas essen. Im Café Wien am Fuße der Stadtpfarrkirche – warum auch weit laufen? – setzen wir uns auf die Terrasse und werden sogleich von einem Vogel angekackt. Mistvieh. Zum Trost gibt es ein Stück Sachertorte, die wir besonders so richtig schön „klietschig“ mögen. Serviert wird allerdings ein Stück Staub. Wir spüren: Das ist unser Tag.

Café Wien Sibiu

Ein Stück Österreich inmitten von Hermannstadt: Im Café Wien kannst du allerhand Köstlichkeiten probieren – nur die Sachertorte können wir nicht unbedingt empfehlen.

16:30 Uhr: Endlich mal durch die Altstadt schlendern

Es ist nicht so, dass Sibiu nicht schön wäre. Im Gegenteil: Hermannstadt versprüht den Flair einer rausgeputzten deutschen Kleinstadt in Brandenburg – allerdings mit dem Unterschied, dass hier auf den Straßen wirklich etwas los ist. Das imponiert. Beim ersten und beim zweiten Stadtrundgang. Vielleicht auch noch beim dritten. Wir haben aufgehört zu zählen, wie oft wir schon von der Piaţa Mică zur Piața Mare gelaufen sind und umgekehrt. Also noch einmal das Ganze. Noch fünfeinhalb Stunden.

Evangelische Stadtpfarrkirche Sibiu

In der Altstadt von Sibiu lohnt es sich, auch einmal die belebte Gegend rund um Piața Mare und Piaţa Mică zu verlassen und sich einfach in den Gassen zu verlieren.

17:30 Uhr: Auf der Mauer, auf der Lauer

Wenn wir in Sibiu schon alles doppelt und dreifach machen, könnten wir eigentlich auch noch mal den Turnul Sfatului, zu Deutsch „Rathausturm“, besteigen. Lassen wir aber dann doch sein. Stattdessen kaufen wir uns jeweils zwei Dosen Radler und klettern auf die Stadtmauer gleich am Café Wien. Kennen wir ja gut. Dort gehen wir nun abwechselnd auf Toilette. Gehört zweifelsfrei zu den Höhepunkten an diesem herrlichen Tag.

Sibiu Reisebericht Hermannstadt

Ein Dauerbrenner auf unseren Balkanreisen: Radler muss einfach sein. Allerdings kommt nichts an das Zitrus-Minze-Radler aus Sofia heran.

18:30 Uhr: Ein zweites Radler

So langsam – ganz, ganz langsam – beginnt die Sonne dem Horizont nahe zu kommen. Wir zelebrieren den Moment und öffnen die zweite Dose Radler. Nur noch dreieinhalb Stunden! Zwischendurch ertönen die Glocken der Stadtpfarrkirche. Ein magischer Moment. Also wirklich. Hätten wir es nicht schon tags zuvor beim Wandern in den rumänischen Westkarpaten gefunden, wäre dieser Moment unser 1 THING TO DO für Sibiu. Eine Wonne, wie die Sonne den historischen Stadtkern in einen Traum von Orange hüllt. Nur heute will uns nichts mehr so richtig überzeugen.

Sibiu Sonnenuntergang

Sonnenuntergang über den Dächern von Sibiu: Im Hintergrund grüßt die Neustadt, die mit der Schönheit der Altstadt nicht mithalten kann.

19:30 Uhr: Proviant kaufen

Noch zweieinhalb Stunden bis Abfahrt. Noch ein Eis? Ach nö. Wir decken uns lieber im Supermarkt mit Proviant für unsere Fahrt im Nachtzug nach Budapest ein und überlegen ausufernd lange, was genau wir denn eigentlich brauchen – und was nicht. Und was nicht, aber eigentlich doch. Und was doch, aber eigentlich dann doch nicht. Ein Radler muss auf jeden Fall mit dabei sein. Oder zwei. Oder drei.

Sibiu Piata Mare

Die Piața Mare ist Dreh- und Angelpunkt jedes Streifzugs durch das alte Zentrum von Hermannstadt.

20:30 Uhr: Ankunft am Bahnhof

Anderthalb Stunden vor Abfahrt kommen wir am Hauptbahnhof an. Viel zu früh, aber was sind schon anderthalb Stunden nach diesem Tag?! Wir holen unsere Rucksäcke aus der Gepäckaufbewahrung und packen alles noch einmal um. Das leichte Zeugs nach unten, das schwere nach oben. Schön rückengerecht. Anschließend trinken wir ein Radler. Natürlich. Und essen den ersten Teil unseres Proviants auf. Natürlich. Bis gegen 22 Uhr schließlich der Nachtzug nach Budapest einfährt.

Wir haben uns noch nie so sehr auf eine Zugfahrt gefreut.

Nachtzug Sibiu Budapest

Ankunft in Budapest: Für die rund 500 Kilometer lange Strecke griffen wir ein weiteres Mal auf den Nachtzug zurück.

Mit diesem ungewöhnlich unvollkommenen Reisebericht aus Sibiu endet unsere Berichterstattung aus Rumänien. Klar, dass wir eines Tages zurückkehren müssen. Transfăgărășan, wir kriegen dich! Eine Übersicht über unsere Erlebnisse in Rumänien findest du hier. In der ungarischen Hauptstadt sollten wir nun ein zweites Mal einkehren. Mehr über unser damaliges 1 THING TO DO für die Stadt an der Donau – das es nun zu überprüfen gilt – liest du in unserem Budapest Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Île de Ré: Wo du die Sonne riechen kannst https://1thingtodo.de/ile-de-re-reisebericht/ https://1thingtodo.de/ile-de-re-reisebericht/#comments Sat, 20 May 2017 05:45:46 +0000 https://1thingtodo.de/?p=7146 Hast du gerade unsterbliches Fernweh? Dann solltest du diesen Reisemoment aus der Feder von Katja vielleicht lieber nicht lesen. Zu groß ist die Gefahr, dass du dich nach ihren Impressionen von der französischen Île de Ré zu Hause noch unwohler fühlst, deine Siebensachen packen willst und dem Alltag keine Sekunde länger mehr etwas Schönes abgewinnen kannst. Oder wagst du es doch?

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Hast du gerade unsterbliches Fernweh? Dann solltest du diesen Reisemoment aus der Feder von Katja vielleicht lieber nicht lesen. Zu groß ist die Gefahr, dass du dich nach ihren Impressionen von der französischen Île de Ré zu Hause noch unwohler fühlst, deine Siebensachen packen willst und dem Alltag keine Sekunde länger mehr etwas Schönes abgewinnen kannst. Oder wagst du es doch? Ein Reisemoment von Katja. 

Ile de Re Reisebericht

Strand in Le-Bois-Plage-en-Ré: Da kommt Fernweh auf.

Auf zur Île de Ré: Der Weg ist das Ziel

Die französische Atlantikküste ist eine Liebe – meine Liebe. Endlose Strand- und Dünenlandschaften, die Gezeiten des atemberaubenden Atlantiks und der unverkennbare Duft der Pinienwälder. Schließe ich die Augen, fühle ich mich 30 Jahre zurückversetzt, denn schon in meiner Kindheit hat mich dieses traumhafte Fleckchen Frankreichs verzaubert.

Und auch wenn sich die Anreise hier aus dem hohen Nordosten der heimischen Republik auf zwei Tage zieht, so lohnt sich doch die Reise. Denn nicht nur hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Jeder gefahrene Kilometer bringt einem nicht nur den ersehnten Urlaub etwas näher, sondern auch Veränderung: Natur, Geruch, Licht – bei jedem Stopp etwas Altes loslassen und etwas Neues einfangen. So zitiere ich an dieser Stelle einen Unbekannten, der empfahl, man solle nur so schnell reisen, wie die Seele folgen könne.

Ile de Re Reisebericht

Île de Ré: Auf der 85 Quadratkilometer kleinen Insel im Atlantik findet doch jeder seinen Lieblingsplatz.

Im Autokorso zum Atlantik

Unser erstes Ziel liegt immer kurz hinter Paris, eine kurzen Blick auf den Eiffelturm erhaschen und in einem kleinen, günstigen Motel an der Autobahn die erste Nacht auf französischem Boden verbringen. Nicht, dass das jetzt besonders spektakulär wäre, aber im Allgemeinen hat man in diesem Moment einen Zustand erreicht, wo eine Dusche und ein halbwegs bequemes Bett nicht die schlechteste Option sind.

Am nächsten Morgen locken ein Kaffee und ein Stück Baguette mit Marmelade auch die letzten Schlafmützen aus den Kojen und man reiht sich ein, in den Autokorso auf der „L’Aquitaine“, der Autobahn, die von Paris in Richtung Bordeaux führt.

Ile de Re Reisebericht

Das besagte Motel: Nach stundenlanger Autofahrt findet man auch hier einen Hauch von Luxus.

Französische Herzlichkeit

Auch knapp ein Jahr nach Ende unseres letzten Sommerurlaubs sind die Erinnerungen noch frisch, denken wir an die bezaubernde kleine Insel Ré, die wir an der französischen Atlanktikküste vorgefunden haben. Strahlender Sonnenschein hat uns begleitet, du weißt schon, diese Sonnenstrahlen, die jenes helles Licht hervorrufen, dass einen beim Verlassen des Hauses sofort nach der Sonnenbrille greifen und einen wissen lässt: Ich bin im Süden. Es riecht nach Urlaub: Salz, Kiefernwälder, Meer und auch die Sonne. Ja, ich glaube, dass man auch Sonnenstrahlen riechen kann.

Mit dem Fahrrad zum „supermarché“, mit dem Fahrrad zum „plage“, eigentlich sind wir immer mit dem Fahrrad gefahren – durch Weinreben, vorbei an den Salinen, durch den Wald und immer auf wunderbaren Fahrradwegen, denn die Île de Ré hat fast 100 Kilometer davon zu bieten. Entschleunigt. Frei. Auch ein Velotaxi bringt Fahrrad und Besitzer für einen Taler von einem Ende der Insel zum anderen und erleichtert so manche Wegstrecke. Und wusstest du, dass der Franzose auch Englisch spricht? Auf Ré schon, ausgesprochen herzlich und zuvorkommend begegnen die Einheimischen den Touristen.

Ile de Re Reisebericht

Sonnenstrahlen, die man riechen kann. Tipp: Funktioniert nicht besser, wenn du dich mit deiner Nase dem Bildschirm näherst.

Ile de Re Reisebericht

Velotaxi in Ars-en-Ré: Mobiler Helfer für so manche Wegstrecke auf der Atlantikinsel.

Ein Lieblingsplatz für Jedermann

Selbstverständlich wird auch ein wenig Chi-Chi geboten. Wie wäre es mit einem Eis mit Blattgoldüberzug? Oder Austern-Kaviar-Geschmack? Insbesondere im Hauptort Saint-Martin-de-Ré steht die Prominenz dem Treiben an der Côte d’Azur in keiner Weise nach. Aber wie sagt der Rheinländer? Jeder Jeck ist anders. Und das soll er auch! So könnte auch das Motto der Insel sein: Vom 5-Sterne-Hotel bis zum Urlaub auf dem Campingplatz ist alles möglich, jeder findet seinen Lieblingsplatz. Und spätestens an einem der „Ateliers“ der Eismanufaktur La Martinière treffen sich alle wieder.

Eine Prise mediterranes Flair, ein Schuss rustikales Ambiente und eine Messerspitze „etwas ganz Besonderes“? Wer die Weite der atlantischen Strände liebt, gerne unter freiem Himmel den Abend am Grill verbringt und einen Gläschen Pineau dabei schlürfen mag, ist hier richtig. So wie wir. Und was war nun der beste Reisemoment? Die Île de Ré selbst ist dieser Moment, den man nicht mehr loslassen sollte, um ihn in vollen Zügen zu genießen.

Ob wir wiederkommen? Ja, unbedingt.

Ile de Re Reisebericht

Eis mit Blattgold bei „La Martinière“: Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ile de Re Reisebericht

Lieblingsplatz auf der Île de Ré: Ein kleines Restaurant in „La Flotte“.

Ile de Re Reisebericht

Frische Dorade vom Grill mit Luxuskartoffel, die tatsächlich nur auf der Île de Ré wächst.

Wenn du noch mehr von Katja lesen möchtest, dann findest du weitere Artikel auf ihrem Blog Rotzgoere, auf dem sich übrigens nicht alles nur ums Reisen dreht. Et à propos la belle France… ein 1 THING TO für die französische Hauptstadt haben wir auch schon in petto. Was zur Hölle ein weißer Elefant damit zu tun hat, das erfährst du in unserem Paris Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Wandern Sibiu: Über die Entdeckung des Nichts https://1thingtodo.de/wandern-sibiu-westkarpaten/ https://1thingtodo.de/wandern-sibiu-westkarpaten/#comments Wed, 17 May 2017 14:12:28 +0000 https://1thingtodo.de/?p=7099 Zwischen vertrockneten Kuhfladen, blutrünstigen Schäferhunden und den trostlosen Skeletten längst verstorbener Weidetiere widerfuhr uns unsere bislang skurrilste Wanderung. In den rumänischen Westkarpaten bei Sibiu schlugen wir uns von Sibiel nach Săliște durch und entdeckten die Hochwiesen von Crinţ. Den Sinn dieser Wanderung durch das Nichts konnte uns erst ein weiser Rumäne erklären, der uns daraufhin kurzerhand verstummen ließ.

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Zwischen vertrockneten Kuhfladen, blutrünstigen Schäferhunden und den trostlosen Skeletten längst verstorbener Weidetiere widerfuhr uns unsere bislang skurrilste Wanderung. In den rumänischen Westkarpaten bei Sibiu schlugen wir uns von Sibiel nach Săliște durch und entdeckten die Hochwiesen von Crinţ. Den Sinn dieser Wanderung durch das Nichts konnte uns erst ein weiser Rumäne erklären, der uns daraufhin kurzerhand verstummen ließ. Geschrieben von Marc. 

Wandern Sibiu Crint

Mystischer Nebel liegt über dem Umland von Sibiu, wo die Westkarpaten zum Wandern der etwas anderen Art laden.

Wandern Sibiu: Die Hochwiesen von Crinţ

Es soll ein Vorgeschmack werden auf das, was morgen folgt. Nachdem wir die rumänische Stadt Sibiu bereits erkundet haben, steht unsere Rückkehr in die Gebirgswelten Rumäniens vor der Tür. Beim Wandern im Nationalpark Pietra Craiului sind wir bereits blauäugig eine Schlucht hinauf gewandert. Nun treibt es uns bald in noch größere Höhen rund um den höchsten Berg des Landes, den Moldoveanu auf 2.544 Metern.

Heute steuern wir zunächst die flachen Hügellandschaften der Westkarpaten an, die unmittelbar vor den Stadttoren von Sibiu beginnen. Nach den Städten BukarestBrașov und eben Hermannstadt, wie Sibiu aufgrund der dort noch immer präsenten deutschen Minderheit auch heißt, ist uns nach Landluft und grüner Natur zumute. Das Ziel: die Hochwiesen von Crinţ, die auf etwa 1.200 Metern Höhe liegen. Warum gerade dorthin? Das wissen wir selbst noch nicht so genau.

Wandern Sibiu Westkarpaten

Der „Wanderweg“ von Sibiel nach Crinț ist gut ausgeschildert, allerdings kann man sich unterwegs auch gar nicht wirklich verlaufen.

Graf Dracula, der Farbentöter

Wir verlassen unser Hostel am frühen Morgen, als Siebenbürgen sich von seiner mystischen Seite zeigt. Dichter Nebel durchzieht die Gassen. Der Dunst hat den Fassaden der Altstadt jegliches Blut entzogen, als würde Graf Dracula persönlich heute den Petrus spielen.

Mit einem Zug, der mit seinen berstenden Scheiben aussieht wie eine ausrangierte deutsche Regionalbahn, fahren wir nach Sibiel (zu Deutsch „Budenbach“), einem Vorort von Sibiu. An den Zugfenstern rauscht trübste Tristesse vorbei. Als wir nach einer guten halben Stunde aussteigen, sind wir froh, einander in ein paar Meter Entfernung überhaupt zu sehen.

Sibiu Nebel Siebenbürgen

Auf dem Weg vom PanGeea Hostel zum Bahnhof zeigt sich Sibiu an diesem Morgen von seiner transsilvanischen Seite.

Ein kühler Teller Suppe

Der Bahnhof von Sibiel liegt etwa eine halbe Stunde Fußmarsch vom eigentlichen Ort entfernt. Es gibt sinnvollere Bahnhöfe. Auf einer Landstraße kämpfen wir uns durch das Trübsal, nahende Autos erkennen wir nur an den Geräuschen ihrer Motoren. Wie die Landschaft hier wohl aussieht? Wir wissen es nicht genau. Bis die ersten Sonnenstrahlen sich entschließen, die Nebelsuppe auszulöffeln. Ganz gemächlich.

Links und rechts von uns erkennen wir langsam weite Wiesen und Felder. Wir entdecken blasse, violette Blüten im graugrünen Gebüsch und blassgrüne Äpfel, die müde von den Bäumen hängen. Auf einer Koppel steht ein Pferd allein auf weiter Flur. Die Sonne kämpft, doch bis ihre Strahlen uns endlich wärmen können, soll noch Zeit vergehen. Die Suppe will schließlich genossen werden.

Wandern Westkarpaten Sibiu

Am Bahnhof sind immerhin ein paar Hügel zu erkennen, doch der Nebel soll sich auf dem Weg nach Sibiel noch einmal verdichten.

Wandern Westkarpaten Sibiu

Violette Farbtupfer im trüben Nebeldunst – da kommt fast schon Romantik auf.

Wandern Westkarpaten Sibiu

Ob sich das Pferd auch fragt, was Petrus hier schon wieder anstellt?

Drogen im Filterkaffee

Angekommen in Sibiel, löst sich der Nebel langsam auf. Wir versorgen uns mit Proviant in einem Minimarkt und beginnen unsere eigentliche Wanderung in Richtung Crinţ. Links von uns plätschert ein Bächlein vor sich hin. Es soll auf den kommenden 15 Kilometern genauso ein getreuer Begleiter bleiben, wie die der grüne Hang neben uns. Diese Wanderung bietet keine schweifenden Aussichten, keine steilen Anstiege – einfach nichts.

Das Nichts jedoch schärft unseren Blick für jegliche Kleinigkeiten. Die Kühe, die plötzlich am Wegesrand auftauchen, sind da schon echte Riesen. Am Ufer der Bächleins sehen wir, wie die Sonne den Morgentau verdampfen lässt. Eine Schnecke überquert den Schotterweg und kann sich glücklich schätzen, hier im Nichts auch auf ihrer Augenhöhe genauso viel zu sehen, wie wir auf einem Meter 80. Unsere Wahrnehmung ist geschärft, als hätte die alte Frau am Bahnhof uns Drogen in den faden Filterkaffee gemischt.

Wandern Crint

Wer genau hinschaut, der erkennt, wie die Sonne den Morgentau langsam verdunsten lässt.

Wandern Crint

Ein tierischer Muuuh-ment auf dem Weg zwischen Sibiel und Crinț. Es sollten nicht die letzten Tiere sein, die uns begegnen.

Wandern Crint

Gemach, gemach: Eine Schnecke überquert den Schotterweg in den rumänischen Westkarpaten.

Alles oder nichts

Wir verstummen. Links das Bächlein, rechts der grüne Hang. Nach zehn Tagen auf Reisen gibt es nichts, was wir dringend besprechen müssten. Der Plan für die nächsten Tage steht, sofern wir bei unserer Art zu reisen überhaupt von Plänen sprechen können. Und so versinken wir in Gedanken über die großen Fragen des Lebens.

Was wollen wir eigentlich mit unserem Dasein anstellen? Sind wir mit unseren Jobs zufrieden? Was brauchen wir eigentlich? Haben wir nicht eh schon viel zu viel, obwohl wir im Alltag immer meckern, wir hätten viel zu wenig? Und dabei auch noch Zeit für nichts? Hier im tatsächlichen Nichts werden diese Fragen ganz groß. Und so wird das Nichts plötzlich zum Alles.

Wandern Crint

Dieses kleine Bächlein betörte unsere Ohren quasi auf dem gesamten Weg von Sibiel nach Crinţ.

Wandern Crint Sibiel

Und immer das gleiche Bild: Besondere Höhepunkte hatte unserer Wanderung in den Westkarpaten zunächst nicht zu bieten.

Die Steigerung des Nichts

Nach drei Stunden der Ewigkeit erreichen wir die Hochwiesen von Crinţ. Was in unseren Köpfen nach Idylle klang, entpuppte sich als Steigerung des Nichts. Eine Herberge soll es hier geben, in der wir gerne ein Süppchen ausgelöffelt hätten. Doch das Häuschen wird renoviert, und der rumänische Handwerker rät uns erst freundlich, dann schnell schroffer werdend, dass wir das Privatgelände möglichst doch lieber schnell verlassen sollten.

Wären da unten am Hof nur nicht diese blutrünstig kläffenden Schäferhunde, wäre eine schnelle Rückkehr auch kein Problem. Doch aus Respekt vor diesen Hyänen nehmen wir einen Umweg entlang der drei Klärbecken, bei dem wir aufpassen müssen, nicht in einen der Dutzenden Kuhfladen zu treten. Es stellt sich heraus, dass diese unsere wohl bislang skurrilste Wanderung sein sollte.

Hochwiesen Crint

Auf den Hochwiesen von Crinţ lichtet sich der dichte Wald urplötzlich, ein Landwirtschaftsbetrieb ist das einzige Stück Zivilisation in diesem Gebiet.

Hochwiesen Crint

Von rumänischen Rindern geschaffene Bio-Kunst.

Westkarpaten: Von Crinţ nach Săliște

Eigentlich müssten wir nun ins Nichts zurückkehren, durch das wir den gesamten Vormittag gewandert waren. Doch bei aller neu gewonnenen Liebe zu Leere und Einsamkeit der Westkarpaten entschließen wir uns, auf dem Rückweg Săliște (zu Deutsch „Großendorf“) anzusteuern, einem weiteren Vorort von Sibiu, der glücklicherweise ebenfalls über einen Bahnhof verfügt. Natürlich ebenso weit entfernt vom Ortskern – direkt an der Autobahn. Es gibt sinnvollere Bahnhöfe.

Unser Entschluss erweist sich als gute Wahl. Die Hügel der Westkarpaten sind alles andere als spektakulär, doch immerhin bekommen wir sie nun einmal zu Gesicht. Unsere vom Nichts geschärfte Wahrnehmung bleibt erhalten, wir erspähen Vogelscheuchen aus Plastikflaschen und den einen oder anderen Schädel verstorbener Weidetiere.

Wandern Saliste Sibiu

Auf den trockenen Äckern der Westkarpaten kommt mitunter ein wenig Wild West Feeling auf.

Wandern Saliste Sibiu

Dieses – so vermuten wir – Schaf hat seine besten Zeiten eindeutig hinter sich.

Ein weiser, alter Mann

Brenzlig wird es abermals, als in der Ferne eine Schafsherde erscheint und einer der Schäferhunde wild bellend auf uns zugerannt kommt. Wir greifen beide zu einem Stock auf dem Schotterweg, mimen die Rolle des Schäfers und kommen so auch diesmal mit dem Leben davon. Gut, dass wir uns vorher informiert haben, wie wir uns in einem solchen Fall verhalten sollten.

Als schließlich zum ersten Mal ein Auto an uns vorbeifahren will, strecken wir unsere Daumen heraus und trampen einen Teil des Weges in Richtung Săliște. Am Steuer sitzt ein Rumäne, der mit einer Verwandten von Wildbeerstrauch zu Wildbeerstrauch fährt, um Beeren zu sammeln. Er arbeitet in Berlin – klein ist die Welt. Im Gespräch erklärt er uns, was er in Deutschland an seiner Heimat vermisst: „Rumänien bedeutet für mich Freiheit. Es gibt hier keine Verbote.“

Wir runzeln kurz die Stirn und fragen uns, ob dieses Nichts, das wir heute entdeckten, vielleicht einfach eine Form der Freiheit war, die uns so noch nie widerfuhr.

Westkarpaten Wandern

Die hügeligen Westkarpaten waren Schauplatz unser bis dato wohl skurrilsten Wanderung. Im Hintergrund siehst du die Siebenbürger Ebene.

Saliste Sibiu

Ankunft im niedlichen Săliște, das immerhin noch auf 542 Metern Höhe liegt und mit dem Regionalzug innerhalb von etwa 45 Minuten ab Sibiu erreichbar ist.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Sibiu

Was? Entdecke die Westkarpaten im Umland von Sibiu und erfahre, was es bedeutet, das Nichts lieben zu lernen.
Wo? Unsere Wanderroute startete am Bahnhof von Sibiel, führte uns weiter auf die Hochwiesen der Crinţ (gut ausgeschildert!) und auf dem Rückweg nach Săliște. Von Start- und Endpunkt gibt es gute Zugverbindungen nach Sibiu.
Wie viel? An die Kosten für die Zugtickets können wir uns nicht erinnern, was jedoch für einen sehr kleinen Preis spricht. Nichts eben.
Warum? Um zwischen all dem über kurz oder lang auftretenden Stress auf Reisen den Blick für das kleine und große Ganze neu zu schärfen.

Ein 1 THING TO DO für Sibiu ohne über die Stadt selbst zu berichten? Geht so natürlich nicht. In den kommenden Tagen jedoch wirst du mehr von uns über Hermannstadt erfahren, das du von einigen deutschen Flughäfen aus sehr günstig erreichen kannst. Nicht zuletzt war da ja noch unser Vorhaben, in die wirklichen rumänischen Karpaten zurückzukehren. Was daraus wohl wurde?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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