Ein Bokek: Tote Hose am Toten Meer

Einmal baden im Toten Meer! Dieses Erlebnis hatten wir bereits auf unserer ersten Israelreise zelebriert. Damals lautete das Ziel Ein Gedi. Diesmal jedoch steuerten wir Ein Bokek im Süden des am tiefsten gelegenen Sees der Erde an. Nun, viel los ist nicht in Ein Bokek. Doch immerhin war auf unsere Intelligenz Verlass, die an jenem Tag noch tiefer lag als das Tote Meer. Geschrieben von Marc.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Ein Reisebericht aus Ein Bokek am Toten Meer, der eigentlich keiner werden sollte.

Ein Bokek oder Ein Gedi?

Die Leiden der jungen Blogger. Eigentlich sollte dies ein Bericht darüber werden, ob wir zum Baden im Toten Meer die Ortschaften Ein Gedi oder Ein Bokek empfehlen würden. Einfach mal ein praktischer Bericht für zwischendurch. Eine kurze Erörterung. Reisetipps für all jene, die sich in ihrer Entscheidung nicht so ganz sicher sind. Mal ohne atmosphärische Reisegeschichte und ohne 1 THING TO DO. Ausnahmsweise! Och, bitte! Wir wollen auch mal.

Denkste. Denn als der Artikel gerade fertig war, bemerkten wir, dass der öffentliche Strand von Ein Gedi bis auf Weiteres geschlossen ist. Schön. Eines der gefürchteten „Sink Holes“ hat sich hier nach unserem Besuch im September 2014 aufgetan. Die Erde bricht in Folge des fallenden Wasserspiegels im nördlichen Teil des Toten Meeres an vielen Stellen ein. 2015 hat es Ein Gedi erwischt. Teile der Infrastruktur wurden verschluckt. Das Baden ist schlichtweg zu gefährlich geworden. Der Tourismus brach ein.

Ein Gedi Totes Meer

Flashback: Im September 2014 badeten wir zum ersten Mal im Toten Meer, damals in Ein Gedi.

Von Masada nach Ein Bokek

Also auf ein Neues. Eine Reisegeschichte aus Ein Bokek soll es werden. Kann es aber nicht, denn hier verbrachten wir nur einen halben Tag. Zu kurz, um ein 1 THING TO DO zu entdecken. Ein Bokek? Zu abgelegen, um wirklich spannend zu sein. Eine Geschichte dazu? Zu lahm, um wirklich spannend zu werden. Und doch genug, um immerhin eine Reiseanekdote loszuwerden, die mal wieder unsere mitunter eklatante Doofheit unter Beweis stellt.

Ein Bokek besuchten wir in Folge unseres beinahe desaströsen Reiseerlebnisses rund um den viel besungenen Sonnenaufgang in Masada. Nach diesem Fehlschlag sehnten wir uns nach etwas Entspannung. Durchatmen. Da die Temperaturen es selbst Anfang Januar zuließen, ein Sonnenbad zu nehmen, fiel die Wahl auf den Badeort am südlichen Teil des Toten Meeres. Im Nachhinein eine ziemlich kluge Wahl. Man stelle sich vor, wir wären noch mal nach Ein Gedi gefahren…

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Im „Zentrum“ von Ein Bokek. Man könnte sagen: „Idyllisch!“ – Man könnte aber auch sagen: „Gähn.“

In Ein Bokek steppt kein Bär

Ja, es war Januar. Ja, es war in der Nebensaison. Und ja, der halbe Ort war folglich eine riesige Baustelle, um Ein Bokek auf die Sommersaison vorzubereiten. Doch selbst mit größter Fantasie können wir uns nicht vorstellen, dass die Überschrift zu diesem Artikel jemals von irgendjemandem angefochten werden könnte. Ein Bokek, das bedeutet tote Hose am Toten Meer.

Bis auf ein paar wahrscheinlich ganz schnieke Hotels, ein paar Kioske und ein McDonald’s (!) gibt es hier am Übergang zwischen Wüste Juda und Wüste Negev wirklich nichts, was Rambazamba verspricht. Die Kernklientel legt es freilich gar nicht erst darauf an. „Hipp“ ist hier ohnehin nichts. Alles was für einen Ausflug nach Ein Bokek spricht, ist folglich das Baden im Toten Meer. Und dieses hätte sich als deutlich gemütlicher herausgestellt als damals in Ein Gedi. Wäre da nur unsere Doofheit nicht.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Praktisch gelegen entlang der Straße 90, die am Toten Meer entlang und weiter bis nach Eilat führt, ist diese McDonald’s Filiale.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Ein Bokek ist streng genommen ein Sammelsurium aus Hotelbauten am südlichen Teil des Toten Meeres.

Im Winter ans Tote Meer

In den frühen Morgenstunden zeigte das Thermometer bereits knapp über 20 Grad an, die Wassertemperaturen bewegten sich leicht darunter. Als erste breiteten wir unsere Handtücher aus. Erst nach und nach kamen einzelne Besucherinnen an den teils etwas groben Sandstrand. Im Vergleich zum felsigen „Strand“ bei sengender Mittagshitze um die 40 Grad, wie wir sie in Ein Gedi erlitten, eine Wohltat. „Sink Holes“ gibt es im südlichen Teil des Toten Meeres auch nich. Der Wasserspiegel steigt hier sogar leicht an.

Das Wasser freilich war in Ein Bokek deutlich kühler als bei unserem ersten Badeerlebnis im Toten Meer. Doch nicht nur deswegen fiel der Gang ins Wasser gar nicht mal so leicht. Auch dieses Mal hatten wir keine Badeschuhe im Gepäck. Nicht sonderlich klug. Kaum waren unsere Füße im Wasser, wich der weiche Sand scharfkantigen Salzablagerungen und teils spitzen, mitunter kastaniengroßen Salzkörnern. Autsch.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Könnte auch Ägypten sein, befindet sich jedoch in Israel. Und das „Meerwasser“ ist eeetwas salziger…

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Was im Wasser aussieht wie weißer Puderzuckersand, sind in Wahrheit tausende kleine und größere Salzkügelchen.

Die drei goldenen Schritte

Im Mittelmeer wäre dies nur insofern ein Problem, als dass wir eben unseren Schweinehund hätten überwinden und uns einfach Schritt für Schritt ins kühle Nass vorarbeiten hätten müssen. Hier im Toten Meer jedoch schmerzte jeder Schritt. Und einfach in die Knie gehen und los schwimmen? Das Wasser war gerade einmal 15 Zentimeter tief! Dazu kommt der Respekt davor, auch nur einen Tropfen des salzigen Wassers ins Auge zu bekommen. Denn das brennt. Höllisch.

Und so standen wir im Toten Meer und grübelten. Bis ein urplötzlicher Geistesblitz folgte und wir den hohen Salzgehalt ausgefuchst zu unserem Vorteil nutzten. Wir setzten uns hin (1), beugten unsere Rücken zaghaft nach hinten (2). Bloß nicht zu schnell. Kaltes Wasser! Gefährliches Wasser! Wahrscheinlich brauchten wir eine ganze Minute, um uns auf diese Weise auf die Wasseroberfläche zu legen (3). Als wären wir die ersten Menschen, die jemals ins Tote Meer gestiegen sind.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Der Farbverlauf spiegelt den Gang ins Tote Meer vor Ein Bokek gut wieder: Unten Sand, oben Salzkörner, danach geht es steil bergab. Dort warten glatte bis scharfkantige Salzablagerungen.

Um die Ecke gedacht

Um uns herum hatten sich inzwischen ein paar ältere Frauen und eine muslimische Familie versammelt. Sie sahen sich ähnlich komplexen Herausforderungen gegenüber wie wir. Logisch. Witzigerweise bemerkten wir, wie sich eine nach dem anderen nach anfänglichem Zögern ein Beispiel an uns nahm und die gleiche Taktik anwandte. Hinsetzen (1), Rücken nach hinten (2), auf die Wasseroberfläche legen (3). Gefühlt hatten wir das Rad neu erfunden. Stolz wie Bolle. Einfach wow!

Als wir dieses Prozedere einige Male hinter uns hatten, jeweils das Salzwasser abduschten und die Sonne genossen, ging ich ein paar Meter weiter nach Süden. In meinem Kopf bereitete ich mich bereits auf die drei goldenen Schritte vor. Peinlich berührt musste ich irgendwann eingestehen, dass der Gang ins Wasser an diese Stelle überhaupt kein Problem war. Keine scharfen Kanten, keine Gefahr. Einfach reinlaufen! Na guck. Ergo: Wir hätten einfach zehn Meter weiter rechts ins Wasser steigen müssen. Und alle anderen mit.

Ein Bokek Totes Meer Reisebericht

Feine Salzpartikel lagern sich unter der Wasseroberflächen zwischen den Sandwellen ab.

Und die Moral von der Geschicht? Baden im Toten Meer bleibt ein Erlebnis – auch bei wiederholtem Male. Dazu braucht es keine tolle touristische Infrastruktur. Nur eben ein bisschen Grips. Unseren Bericht aus Ein Gedi, der unerwarteter Weise nicht am Toten, sondern Roten Meer endet, gibt es hier. Unfreiwilliges Ziel des Ausflugs war damals übrigens eine Stadt, in der alles andere als tote Hose angesagt ist. Mehr dazu liest du in unserem Eilat Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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