Couchsurfing Tipps

Unsere Couchsurfing-Tipps geben dir Ratschläge an die Hand, wie es mit dem Übernachten auf fremder Couch noch besser klappt. Denn obwohl das Prinzip Couchsurfing so einfach klingt, finden viele nicht immer auf Anhieb eine:n Gastgeber:in. Mit ein paar Couchsurfing-Tipps im Gepäck garantiert das Netzwerk jedoch ein aufschlussreiches Rendezvous der Kulturen, vor allem aber authentische Reisemomente am Reiseziel der Wahl. Geschrieben von Marc.

Couchsurfing: Das Prinzip

Im Jahr 2003 gegründet, unterstützt die Plattform ↠ Couchsurfing heute vier Millionen Reisende und 400.000 Hosts weltweit. Einmal bei Couchsurfing angemeldet, kannst du deine Couch, dein Bett (oder was auch immer) Surfer:inne:n aus aller Welt als Schlafmöglichkeit zur Verfügung stellen.

Reisende wie du und ich, aber auch Geschäftsmenschen oder Digital Nomads kommen so in den Genuss, ohne Unterkunftskosten am Reiseziel ihrer Wahl zu übernachten. Doch der geschonte Geldbeutel sollte nicht der Hauptgrund für Couchsurfing sein: Idealerweise lernst du die entsprechende Stadt oder Region zusammen mit deinem Host kennen – Insidertipps und authentisches Hintergrundwissen garantiert.

Couchsurfing-Tipps: Vor der Reise

Als Berliner leben wir in einer der Couchsurfing-Hauptstädte. Gerade im Sommer erreichen uns täglich gerne einmal zwanzig Anfragen von Surfer:inne:n aus aller Welt, die wir natürlich nicht alle bei uns aufnehmen können – teilweise aber auch nicht wollen. Das liegt weniger am schlechten Bauchgefühl, sondern vielmehr daran, dass bei so vielen Anfragen zu wenige wirklich herausstechen. Am Ende entscheiden daher gerne einmal Kleinigkeiten, ob du auf Couchsurfing eine:n Gastgeber:in findest, oder nicht. Vor allem aber die Sympathie.

Couchsurfing-Tipps: Das Profil

  • Profilgestaltung: Sei einzigartig, sei kreativ, sei sympathisch. Aber: Niemand hat Lust, deine gesammelten Memoiren zu lesen. Keep it short and simple – und hinterlasse dabei einen bleibenden Eindruck. Auf positive, sympathische Art und Weise.
  • Bilder machen interessant. Idealerweise zeigen sie dich bei dem, was du vorhast, nämlich unterwegs zu sein mit richtig netten Menschen. Am besten stellst du dir einmal die Frage, ob du dich selbst auf deiner Couch übernachten lassen würdest. Und auch, wenn wir selbst keine Selfie-Fans sind: Es ist schon besser, dein Gesicht klar und deutlich zu sehen, um einen Eindruck zu erhalten. Da funktioniert Couchsurfing nicht anders als Tinder – nur mit gänzlich anderen Absichten.
  • Referenzen sammeln: Positive Bewertungen als Gastgeber:in strahlen Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit aus. Nimm also vor deiner eigenen Reise am besten ein paar Couchsurfer:innen bei dir daheim auf, um Referenzen zu sammeln.
Couchsurfing Tipps
Wenn du dein Couchsurfing-Profil eingerichtet hast, kannst du loslegen, andere Reisende aufzunehmen und schließlich selbst auf fremder Couch zu übernachten.

Couchsurfing-Tipps: Die Kontaktaufnahme

  • Frühzeitig Kontakt mit potenziellen Hosts aufnehmen: Gastgeber:innen sind keine Hostelbetreiber mit Option auf Sofort-Buchung. Die wenigsten haben Zeit, Couchsurfer:innen noch am selben Abend der Anfrage aufzunehmen. Aus unserer Sicht ideal ist eine Vorlaufzeit von einer oder sogar zwei Wochen.
  • Nicht zu weit im Voraus planen: Umgekehrt wissen viele Hosts natürlich noch nicht, ob sie dich in einem oder zwei Monaten überhaupt zum Couchsurfing willkommen heißen können. Auch wenn du deine Reise gerne vorausplanen möchtest: Als Gastgeber:in plant man seinen Alltag spontaner, das kennst du wahrscheinlich von dir selbst.
  • Gemach, gemach: Gerade im Sommer erhalten wir gerne einmal 20 Anfragen täglich – diese wollen erst einmal abgearbeitet werden. Warte also wenigstens ein paar Tage, bis du noch einmal nachfragst. Letzteres wiederum kann – zu gegebener Zeit – bei der Hostsuche aber auch hilfreich sein, da diese dann bemerken, dass du es ernst meinst.
  • Keine Standardnachrichten: Versuche deinen Reisegrund und dich selbst so kurz und spannend wie möglich darzustellen. Idealerweise gehst du in deinem Anschreiben auf das Profil des entsprechenden Hosts ein. Das zeigt, dass du nicht nur per Copy and Paste anschreibst, sondern wirklich bei dieser Person übernachten möchtest.
  • A propos: Es ist zwar verrufen, aber am Ende weiß auch jeder, dass es sehr zeitaufwändig ist, jedes Mal eine neue komplett (!) Nachricht zu schreiben. Also: Wenn schon Copy and Paste, dann wenigstens auf kreative Art und Weise. und besser nur partiell. Beim Kopieren nicht vergessen, den Vornamen zu ändern!
  • Bei spontanen Anfragen gilt: Besser Gastgeber:innen mit hoher Antwortrate in der Couchsurfing-App kontaktieren, damit deine Nachricht auch wirklich gelesen wird.
  • Kontaktinformationen: Tauscht bei einer Zusage so schnell wie Möglichkeit Telefonnummern, Adresse (mit Anfahrtsbeschreibung) und ggf. gängige Social-Media-Profile aus. Letzteres kann helfen, Skrupel zu besänftigen, indem du zum Beispiel einmal durch das Instagram-Profil scrollst und dir einen weiteren Eindruck vom Host verschaffst.
Couchsurfing Tipps
Oberbaumbrücke mit Blick über die Spree: Einer der Spots, an denen unsere Couchsurfer:innen Mal ums Mal ins Schwärmen geraten.

Couchsurfing-Tipps: Vor Ort

  • Ein bisschen Demut muss sein: Ein Host stellt dir kostenlos seine Wohnung bzw. einen Teil davon zum Couchsurfing zur Verfügung, opfert so ein großes Stück Privatsphäre. Das solltest du nie vergessen. Versetz dich auch hier in die Lage des Anderen.
  • Der erste Eindruck: Höflichkeit und Freundlichkeit sind beim Couchsurfing ein Muss. Nicht zu unterschätzen: Reinlichkeit! Kein:e Gastgeber:in freut sich über unangenehme Körpergerüche in den eigenen vier Wänden. An wem der Backpacking-Trip zu sehr genagt hat, kann ruhig frühzeitig fragen, ob er oder sie die Dusche benutzen darf. Niemand wird dich aufhalten.
  • Zuverlässigkeit: Pünktlichkeit ist Gold wert. Dein Host hätte im Normalfall (wahrscheinlich) Besseres zu tun, als auf dich zu warten. Wenn etwas dazwischen kommt: Verspätung frühzeitig kommunizieren.
  • Mein Revier, dein Revier: Halte dich möglichst an den Platz und Freiraum, der dir zugewiesen wird. Es sei denn, dein:e Gastgeber:in teilt etwas Anderes mit.
  • Raus aus dem Bett: Es ist nicht unüblich, die Wohnung mit dem Host zu verlassen, wenn dieser zum Beispiel auf Arbeit geht. Natürlich gestaltet das jeder anders. Besser sollte man aber davon ausgehen oder das Thema ggf. proaktiv am Vorabend ansprechen.
Couchsurfing Tipps
Gemeinsamer City-Trip, Kneipentour, und dann? Auch nach dem Couchsurfing gibt es ein paar Tipps zu beachten.

Couchsurfing-Tipps: Der Abschied

  • Gastgeschenke sind gerne gesehen, aber kein Muss. Beim Couchsurfing ist es da wie im normalen Leben: Wer freut sich nicht über eine kleine Aufmerksamkeit? Wer unkreativ ist, bezahlt das gemeinsame Kochen oder das Bier aus dem Späti. Oder zwei. Oder drei.
  • Schnelle Referenz: Schreibe deinem Host so schnell wie möglich eine gute Referenz. Negative Referenzen sollte man nur dann vergeben, wenn man andere Couchsurfer vor einer Person UNBEDINGT warnen möchte.
  • Wie du mir, so ich dir: Ein Prinzip von Couchsurfing ist es natürlich, den Host im Gegenzug aufzunehmen, wenn er einmal deine eigene Stadt besuchen sollte. Zumindest solange die Sympathie stimmt. Auch wenn das wahrscheinlich niemals passieren wird.
Couchsurfing Tipps
Ein Vorteil an Couchsurfing: Wer mit Einheimischen unterwegs ist, lernt Ecken kennen, die weder Reiseblogs noch -führer vorstellen.

Was Couchsurfing-Tipps wert sind

So wertvoll und gut gemeint unsere Couchsurfing-Tipps auch sein mögen: Am Ende entscheiden natürlich stets auch Sympathie und ein bisschen Glück. Mit der Zeit wird außerdem wohl jeder seine eigenen Erfahrungen machen und den einen oder anderen unserer Tipps vielleicht sogar widerlegen können.

Unsere allerersten Couchsurfing-Erfahrungen haben wir übrigens in einem Artikel geteilt. In ↠ Couchsurfing für Anfänger zeigen wir dir, wie wir unsere Heimatstadt Berlin durch Couchsurfing auch selbst noch einmal ganz anders kennen lernten. Und obendrein Zeugen eines kleinen Kulturkriegs wurden.

Couchsurfing Tipps
Diesen Sonnenuntergang auf dem Tempelhofer Feld verbrachten wir unter anderem mit einer Couchsurfing-Bekanntschaft aus ↠ Mazedonien.

Couchsurfing als Gastgeber: Eine Anekdote

Ein kleiner Bericht darüber, was Couchsurfing ausmacht und wieso bereits bei unserem zweiten Mal als Gastgeber die multikulturellen Fetzen flogen.

Im Vorfeld unseres Balkan-Trips machten wir beide uns schon länger Gedanken, wie wir unser Abenteuer zwischen Krakau nach Thessaloníki möglichst günstig gestalten könnten. In puncto Unterkunft schlägt Couchsurfing wohl nichts. Beim Abwägen von Pro und Contra war jedoch gerade ich zu Beginn skeptisch. Im Gegenzug wildfremde Menschen bei mir übernachten lassen? Wo man sowieso schon kaum Zeit für Freizeit hat?

Einmal auf der Couchsurfing-App angemeldet, kamen schnell die ersten Anfragen. Schließlich war gerade Ferienzeit im Sommer. Auf dem Weg gerade natürlich auch ins szenig-hippe-trendy-fancy-dreckige Berlin, wo wir beide noch dazu in Friedrichshain-Kreuzberg zu Hause sind. Die meisten Couchsurfing-Anfragen kam aus dem osteuropäischen Raum. So überrascht es kaum, dass meine erste Zusage an Olha und Maryan aus Lwiw in der Ukraine ging.

Berlin Oberbaumbrücke Beliebtes Fotomotiv in Berlin: Spree-Panorama von der Oberbaumbrücke aus.

Aus Alltag wird Insidertipp

Ich hatte per Couchsurfing-App nur ein paar Mal mit Maryan hin- und hergeschrieben. Erstaunlicherweise war ich überhaupt nicht aufgeregt, als die beiden klingelten. Es war eher, als würden mich alte Freunde besuchen, und, na ja, gewissermaßen waren sie abhängig von mir und mussten freundlich sein. Wegen der Arbeit hatten wir ohnehin nur an zwei Abenden Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen. Und dann unternahm ich mit ihnen einfach das, was ich auch ohne sie getan hätte – nur dass sie das dann als absolutes „Insider-Wissen“ schätzten.

Unsere unterschiedlichen Lebenswelten sorgten für genügend Gesprächsstoff. Gefühlt jede Frage von Olha begann mit den Worten „Is it allowed to…?“, mit denen sie sich zum Beispiel danach erkundigte, ob es in Berlin erlaubt sei, schwarz zu fahren, im Park zu grillen, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken oder Beamte und Ärzte zu bestechen. Den Perspektivenwechsel komplett machte unser Besuch an der Gedenkstätte Berliner Mauer. Olha und Maryan waren sichtlich berührt, dass die Stadt, die sie heute als so freiheitlich und friedvoll kennen lernten, vor einem Vierteljahrhundert noch von einer grauen Mauer getrennt war, an der Menschen ohne Rücksicht erschossen wurden. Auch ich konnte so die Geschichte unserer Stadt noch einmal neu fühlen.

Volkspark Friedrichshain Die große Wiese im Volkspark Friedrichshain: Auch unter der Woche treffen sich die Friedrichshainer hier, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Zwischen Vision und Realität

Vor dem Hintergrund meiner ersten Couchsurfing-Erfahrung machte mich wenig später die Nachricht von Anastasia aus Jekaterinburg neugierig. Natürlich hatte ich mich mit Olha und Maryan über den Russland-Ukraine-Konflikt unterhalten, und Anastasia übernachtete mit ihrem ukrainischen Freund Artjom aus Odessa bei mir. Die Mélange vervollständigte Johns Couchsurfer Guillaume, mit dem wir uns mit ein paar Freund:inn:en im Friedrichshain verabredeten.

Es kam jedoch, wie es kommen musste: Irgendwann kamen wir auf die politische Lage izu sprechen. Plötzlich wurden wir Zeuge, wie Anastasia und Artjom sich ziemlich heftig ankeiften. Der Streit zwischen beiden ließ uns alle besorgt dreinschauen, beide Ansichten schienen unvereinbar. Und so wurde der Friedrichshain kurzzeitig zum Schauplatz des Konflikts im Kleinformat. „Wieso muss ein Stück Land denn nur einem Staat, nur einer Nation gehören?“, versuchte ich ziemlich idealistisch zu vermitteln. Doch am Ende war ein radikaler Themenwechsel der einzige Weg.

Bezüglich meiner Einstellung zum Couchsurfing zeigte mir das „Multikulti-Grillen“ noch einmal, wie wertvoll es ist, die verschiedenen Ansichten über die Konflikte der Welt einmal aus der Sicht jener mitzubekommen, die direkter daran beteiligt sind als wir im fernen Mitteleuropa. Wieder wurde mir vor Augen geführt, dass wir vermeintlich Selbstverständliches stärker schätzen sollten. Und so half mir Couchsurfing nicht nur dabei, das fremde Andere besser kennen zu lernen. Sondern vor allem auch mich selbst.

Wenn du nach unseren Couchsurfing-Tipps endgültig Lust bekommen hast, Couchsurfing auch einmal selbst auszuprobieren, dann kannst du dir hier die entsprechende App herunterladen: Google Play • Apple Store. Wir wünschen viel Spaß beim Schlafen auf fremder Couch und tolle gemeinsame Erlebnisse mit deinen Hosts!

Reisen um zu Reisen!
John & Marc

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Comments:

  • 3. Februar 2019

    Werde dieses Jahr allein nach Holland reisen und werde wohl Couchsurfing in Anspruch nehmen müssen. Das erste mal. Danke für die tollen Tipps das wird mir bestimmt weiter helfen.

    Lg Kai

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  • 23. September 2015

    Was vielleicht noch ganz spannend (und manchmal hilfreich) ist, sind die Couchsurfing Gruppen – besonders die für die jeweiligen Städte. Hier kann man auch z.B. ein Gesuch posten und wird gleich von mehreren gelesen. Ein Manko: es schreiben einem dort schnell auch komische Leute, die weder ein ausgefülltes Profil noch Referenzen haben.
    Aber gerade um zu erfahren, was in der Stadt so los ist, ist es prima. Als ich für ein paar Monate nach England gezogen bin, habe ich darüber von einem regelmäßigen Couchsurfingtreffen erfahren und hab dadurch 1. Anschluss gefunden und 2. ganz viele neue Freunde gewonnen.

    Aber sonst: gute Tipps! Kann ich allem zustimmen 🙂
    Liebe Grüße,
    Lea

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  • laura

    23. September 2015

    Sehr gute Tipps, vielen Dank dafür! Ich habe vor couchsurfing in nächster Zeit auch mal auszuprobieren. Findet man denn auch übernachtungsmöglichkeiten für mehrere Tage bzw sogar eine Woche?

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  • 22. September 2015

    Couchsurfing will ich auch umbedingt mal machen ☺️ nur man muss 18 sein oder :/?
    Liebe Grüße
    Zoe

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