Chisinau Reisebericht: Die hässlichste Stadt der Welt?

Wer im Netz nach der moldawischen Hauptstadt stöbert, findet einige vernichtende Kritiken. „Chișinău has no reason to exist“, lautet gar eine der Bewertungen. Das hinderte uns jedoch nicht daran, uns selbst ein Bild von Chișinău zu machen. Unser Chișinău Reisebericht zeigt dabei auch die Schönheiten der Stadt – und unternimmt einen nicht ganz freiwilligen Ausflug ins Nachtleben von Chișinău. Geschrieben von Marc.

Chisinau Reisebericht
Hässlichkeit ist subjektiv – eine der Kernbotschaften in unserem Chișinău Reisebericht.

Chișinău Reisebericht: Ankunft in Moldawien

Unser Chișinău Reisebericht beginnt mit einer wenig freundlichen Begrüßung. Wir erreichten die Hauptstadt Moldawiens gegen zehn Uhr am Abend. Rubens, der Betreiber unseres Hostels, hatte im Vorfeld empfohlen, per Taxi vom Busbahnhof im Süden zu unserer Bleibe zu fahren. Vier Euro sollte der Spaß laut ihm kosten. Es wurden zehn. Pro Person. Wenn sich da mal nicht jemand hat schön abzocken lassen.

Wir kamen in Chișinău – sprich: „Kischinau“ – mit Erwartungen an so tief wie der Mariannengraben. Wer nach der 700.000 Einwohner zählenden Metropole googelt, bekommt auf Anhieb nichts als weiße sozialistische Plattenbauten angezeigt. Und mit der Abzockaktion im Taxi hatte die Stadt den ersten Eindruck schon mal gründlich versaut.

Chisinau Reisebericht
Die Plattenbaudichte Chișinăus hat ihren Grund: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hauptstadt Moldawiens fast vollständig zerstört.
Chisinau Reisebericht
Der Wiederaufbau Chișinău folgte ab der Ära Chruschtschow dem typischen sozialistischen Städtebau.

Everything is beautiful in Chișinău

Im Hostel angekommen, sollte unser Gastgeber dieses durch und durch negativ gefärbte Bild gehörig durcheinander wirbeln. Wir hatten gerade unsere Betten belegt, als wir Rubens nach der besten Verbindung nach Orheiul Vechi fragten, der rund 50 Kilometer nordöstlich der Stadt gelegenen Hauptattraktion Moldawiens. Doch anstatt auf meiner Google-Maps-Karte einfach Hostel und Busbahnhof zu markieren, setzte der kleine, wuselige Italiener zu einem nicht enden wollenden Loblieb über Chișinău und Moldawien an.

Am Ende seiner Schwärmerei hatte Rubens rund 30 Orte auf meiner Karte markiert, die wir unbedingt sehen müssten. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie seien beautiful. Der winzige Triumphbogen im Stadtzentrum? Beautiful. Die optisch alles andere als auffällige Kathedrale der Geburt des Herrn? Beautiful. Das während unserer Reise etwas vor sich hin siechende Gebäude des Nationaltheaters? Beautiful!

Chisinau Reisebericht
Die Kathedrale der Geburt des Herrn in Chișinău ist Moldawiens wichtigste Kirche.

Triumpbogen und Boulevard: Schönheit ist Ansichtssache

Von so viel Euphorie angesteckt, machten wir uns noch in der Nacht auf den Weg zu einem ersten kleinen Stadtbummel. Als wir schließlich zum ersten Mal vor dem Triumphbogen im Zentrum von Chișinău standen, mussten wir dann doch ein wenig schmunzeln. Nicht nur ist dieser für ein Symbol des Sieges mit nur 13 Metern Höhe ziemlich klein ausgefallen – sein Pendant in Paris ist immerhin knapp viermal so groß. Noch dazu war der „Heilige Bogen“ kreuz und quer mit wenig beeindruckenden Lichterketten Marke Euroshop behangen.

Auf dem Bulevardul Stefan cel Mare si Sfint, quasi der moldawischen Variante der Champs Elysées, wehten im nächtlichen Straßenlicht Mülltüten im Wind. Leere Plastikflaschen drehten einsam ihre Runden. Die „Prachtstraße“ Chișinăus sollten wir auch noch einige Male im Tageslicht betreten, viele ihrer Bodenplatten sind brüchig oder nicht mehr vorhanden. Und so stolperten wir immer wieder auf staubigem Sand oder Kiesel in Richtung Triumphbogen. Schönheit in Reinkultur gibt es in Chișinău nicht zu sehen. Aber wer sagt, dass Schönes immer schön sein muss?

Chisinau Nachtleben
Ein bisschen schief fotografiert, aber das passt ins Bild: Der kleine Triumphbogen von Chișinău bei Nacht.

Chișinău, Hauptstadt der Wehmut

Moldawiens Hauptstadt sollte noch einige weitere ein wenig deprimierende Erlebnisse für unseren Chișinău Reisebericht liefern. Vom Hauptbahnhof aus etwa fuhren unter der Woche nur fünf Züge pro Tag ab. Die digitale Anzeige konnte ebenfalls nur die nächsten fünf Züge anzeigen, sodass sie von montags bis freitags nicht einmal aktualisiert werden musste.

Wenn du vom Bahnhof in Richtung Stadtmitte spazierst, passierst die provisorischen Stände zahlreicher Trödler, die ramponierte Einzelteile von Haushaltsgeräten, alte Fernbedienungen, rostige Schrauben und Muttern sowie die eine oder andere blecherne Büste Lenins verkaufen. Weiter im Osten verfällt ein Zirkusgebäude aus Sowjetzeiten. Eine Bildmetapher: Früher zur Bespaßung des Volkes gebaut, steht es heute für die Wehmut, die das Stadtbild Chișinăus immer wieder auf uns ausstrahlte.

Chisinau Reisebericht
Die geschäftige Anzeigetafel im Hauptbahnhof von Chișinău.
Chisinau Reisebericht
Krimskrams aus einer Zeit, in der Chișinău noch Hauptstadt der Moldawischen Sozialistischen Sowjetrepublik war.

Ein Melting Pot in Chișinău

Um den Grund dafür zu finden, dass uns die moldawische Kapitale dennoch in bester Erinnerung bleiben wird, müssen wir in unserem Chișinău Reisebericht noch einmal einen Schritt zurück gehen. Dabei tauchen wir inmitten in der Stadt in eine völlig andere Welt ein, nämlich in das Ionika Hostel, das während unseres Aufenthalts einem Melting Pot der Kulturen gleichkam.

Ihrer Lage hat es Moldawiens Hauptstadts zu verdanken, dass sich hier Backpacker der besonderen Art aus aller Welt treffen. Wie auch wir reisen die meisten von ihnen weiter nach Odessa oder Bukarest, nach Kiew oder in die Berglandschaften Rumäniens. Chișinău wird so zur Durchgangsstation für etliche Weltenbummler, die sich in der Küche des Ionika Hostels treffen und ihr Butterbrot schmieren.

Chisinau Reisebericht
Im Ionika Hostel im Zentrum Chișinăus treffen sich gemütliche Backpacker aus aller Welt.

Best of Ionika Hostel

Ein paar wenige Beispiele für jene sonderbaren Reisenden, deren Geschichten wir vor Ort begegneten:

  • Während wir mit Rubens, den zwei üblichen Australiern und einem in Liebeskummer ertrinkenden Deutschen das eine oder andere Glas Rotwein schlürfen, betrat nach Mitternacht ein schmal gewachsener Mann aus China den Raum. „Just a quick soup“, säuselt er. Er wird jedoch noch drei (!) Stunden in der Küche stehen und Gemüse für seine „Energy Soup“ schnippeln, wie Rubens sie taufte. Das macht er nämlich schon seit zwei Wochen. Jede Nacht. Unermüdlich.
  • Bei dieser Gelegenheit erzählt uns Rubens von einem anderen „Asian guy“, der es einmal drei Wochen in seinem Hostel ausgehalten hat. Drei Wochen in der hässlichsten Stadt der Welt? Irgendwas muss Chișinău also doch zu bieten haben. Nachdem er das Hostel verlassen hatte, traf Rubens ihn auf der Straße wieder. Er war nur in ein anderes Hostel gezogen, brauchte nur mal einen Tapetenwechsel.
  • Einer der beiden Australier war bereits zum zweiten Mal in Chișinău zu Besuch. Beim ersten Mal absolvierte er hier einen einjährigen Freiwilligendienst und freute sich, als Rubens seinen damaligen Lieblingswein aus seinem Zimmer holte. Der ziemlich süße, hochprozentige „Cahor“ aus den Weinbergen Moldawiens sollte uns noch zum Verhängnis werden.
Chisinau Reisebericht
Inmitten der kleinen Republik Moldawien trafen wir auf Weltenbummler mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Geschichten.

Chișinău Nachtleben

Nachdem all diese (und noch viel mehr Geschichten) erzählt und einige Flaschen Rotwein getrunken waren, hatte Rubens – nachdem er schon kurz weggetreten war – nichts Besseres vor, als uns das wilde Nachtleben von Chișinău zu zeigen. Und zwar ausgerechnet an einem Mittwoch!

Ausgestattet mit der etwas übertriebenen Berliner Party-Arroganz ahnten wir Schlimmes. Mittwochs. Drei Uhr nachts. In Chișinău! Und tatsächlich landeten wir in einem fragwürdigen Club namens Military Pub, auf dem ein rumänischer Hiphopper auf einem echten Panzer rappend die jungen Chicas zum Kreischen brachte. Immerhin war die Rum-Cola billig. Hinweis: Der Military Club hat inzwischen geschlossen.

Chisinau Nachtleben
Da ist er wieder: Glanz und Gloria am Triumphbogen von Chișinău.

Das Hostel macht die Reise

Es ist die alte Geschichte: Ein gutes Ho(s)tel kann den vermeintlich hässlichsten Ort der Welt vergolden. In unserem Fall war das Ionika Hostel* ein klarer Glücksgriff – und das nur eine Nacht, nachdem wir in Odessa im Hostel des Grauens verbracht hatten. Ruben hat es geschafft, inmitten einer Stadt, die für Reisende mit wenig Zeit nicht allzu viel zu bieten hat, einen familiären Ort der Harmonie zu gestalten.

Und so geschah es auch, dass wir unseren letzten Tag in Chișinău nicht alleine, sondern mit einem ziemlich liebenswerten „JAFA“ verbringen durften (Abkürzung für „just another fucking Australian“, wie sich ein paar weltreisende Australier selbst ironischerweise nennen). Dabei entstanden folgende Aufnahmen, mit denen wir uns aus Chișinău verabschieden.

Das Fazit zum Chișinău Reisebericht: Wenn du Chișinău eine Chance gibst, wirst du sehen, dass Hässlichkeit und Schönheit eben wirklich subjektiv sind. Und du wirst abermals erleben, dass du mit der richtigen Unterkunft und vor allem mit den richtigen Leuten überall auf der Welt eine schöne Zeit verbringen kannst.

Chisinau Reisebericht
Hat doch was, oder? Der niedliche Glockenturm zwischen Triumphbogen und Kathedrale der Geburt des Herrn.
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An die Leiden des Zweiten Weltkriegs erinnert das Second World War Memorial. 1939 lebten 65.000 Juden in Chișinău, 53.000 davon fielen den Nazis zu Opfer. Die Stadt verlor damals drei Viertel ihrer Wohnfläche – neben Luftangriffen lag dies übrigens auch an einem starken Erdbeben.
Chisinau Reisebericht
Ein kleines Stück Heimat in Chișinău: 1.510 Kilometer war die deutsche Hauptstadt in diesem Moment entfernt.
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Zirkusfiguren am verfallenden Gebäude des ehemaligen moldawischen Staatszirkus.
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Das Zirkusgebäude ist leider nicht mehr zugänglich, für Freunde von „abandoned places“ aber dennoch einen Besuch wert.
Chisinau Reisebericht
Ein bisschen Street Art geht immer, auch in Chișinău. Hier in einer proeuropäischen Variante.
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Sowjetcharme in Reinkultur: Im Cosmos-Hotel kannst du tatsächlich noch ein Zimmerchen buchen, davor präsentiert sich ein sowjetischer Oberbefehlshaber auf seinem Gaul.

Chișinău Reisebericht: Unser 1 THING TO DO

Was? Übernachte im Ionika Hostel nahe des Stadtzentrums und erlebe Chișinău aus der Perspektive deines Gastgebers Rubens.
Wo? Die genaue Adresse lautet Strada Mihail Kogălniceanu 58. Die Hausnummer musst du vort leider ein wenig suchen, aber dafür gibt es direkt nebenan ein gutes und günstiges mediterranes Restaurant.
Wie viel? Ein Bett im gemischten 6-Personen-Schlafsaal kostet etwa sieben Euro pro Person und ist damit durchaus erschwinglich (Stand September 2016). Für die ganz Scheuen gibt es auch Doppelzimmer.
Warum? Um inmitten der Stadt die ganze Welt zu finden – und vielleicht sogar eine nette Begleitung für deine Erkundungstour durch Chișinău.

Auf unseren Chișinău Reisebericht folgt der Artikel über unsere Fahrt im ↠ Nachtzug von Chișinău nach Bukarest. Was wir in der rumänischen Hauptstadt erleben durften, liest du in unserem ↠ Bukarest Reisebericht.  Weitere Städtedestinationen im Osten des Kontinents stellen wir außerdem in unseren ↠ Reisezielen in Osteuropa vor.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Chisinau Reisebericht

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13 thoughts on “Chisinau Reisebericht: Die hässlichste Stadt der Welt?”

  1. Gudrun Müller says:

    Ich bin gerade in Kischinau und konnte wirklich nur den Kopf schütteln… Ich finde den Artikel unangemessen überheblich. Ihr seid da für eine Nacht, schaut euch den Torbogen an und fahrt am nächsten Tag wieder, so nach dem Motto… Schade, dass ihr nicht die zahlreichen Märkte und Basare angeschaut habt, die Parks, die zahllosen lebendigen Seitensträßchen. Klar ist Kischinau Geschmackssache, ist auch wirklich keine Hauptstadt mit ungezählten Superlativen, aber die Leute waren nett, viele junge Leute auf den Straßen. Ich fand die Stadt spannend, angenehm lebendig und schön unwestlich. Sie hat auf jeden Fall mehr verdient als diesen Artikel. Naja, Hauptsache, ihr habt euch gut in eurem Hostel amüsiert. Unheimlich aufregende Lebensgeschichten, jeder Erwähnung wert!

    Gebt Kischinau eine Chance, die Stadt ist nicht wunderschön, aber sehr spannend und liebenswert!

    1. 1 THING TO DO says:

      Liebe Gudrun,

      danke für deinen Kommentar. Wir haben den Artikel gerade nach langer Zeit noch einmal durchgelesen und können die Kritik nicht wirklich nachvollziehen. Dein Fazit „Gebt Kischinau eine Chance“ ist unserem Fazit im Artikel sehr ähnlich. Unsere Hauptkritik bezieht sich auf die nicht allzu üppige Dichte an Sehenswürdigkeiten, die uns ehrlich gesagt aber ziemlich egal ist. Wir haben uns bei Weitem nicht nur den Torbogen angeschaut, waren sogar eine Nacht länger in Chisinau als angedacht, um der Stadt eine Chance zu geben.

      Wir sind ein Reiseblog, der sich auf die wenige Reisemomente fokussiert, die für uns persönlich herausstechen. Und wenn das für uns in Chisinau auf dieser Reise das Hostel war, dann ist das authentisch. Nicht der Basar, kein Park, keine Seitengässchen, die wir allesamt auch erlebt haben, wenn auch nicht innerhalb einer Woche oder mehr Zeit. Auf der nächsten Reise würden wir wahrscheinlich eine andere Entdeckung machen, so wie du und wir eben andere Erfahrungen machen. Das ist Reisen.

      Liebe Grüße
      John & Marc

  2. Frieder Monzer says:

    Das Fehlen von Superlativen führt nicht automatisch zu einer hässlichen Stadt. Chisinau ist grün und B – E – A – U – T – I – F – U – L. Ich fahre nun zum zehnten Mal hin. Ich liebe Nussbaumalleen und Kräuterduft und die freundlichen Leute.
    Leider akzeptiert die Weltpolitik das Land nicht als Schnittpunkt von Ost und West. Jede Supermacht zerrt bestechliche Politiker (die es übrigens auch in Deutschland gibt) nach ihrer Seite.

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir haben letzten Endes ja auch Ecken in Chișinău gefunden, die uns gefallen haben. Wären wir, wie du, schon zehn Mal da gewesen, hätten wir sehr wahrscheinlich noch viel mehr davon gefunden. 🙂

      Für typische Touristen mag der Stadt aber vielleicht einfach etwas fehlen. Wir meinen dabei nicht mal die Superlative, davon halten wir auch wenig. Vielleicht ist die Kultur schwerer zu greifen, das Ambiente, das sich erst nach ein paar Besuchen deutlicher zeigt. Vielleicht verstehen wir es beim zweiten Besuch selbst auch etwas besser. 😉

      Liebe Grüße!

  3. Anna says:

    Ich komme aus Moldawien, bin seit 2 Jahre in Deutschland. Ich habe in Moldawien Betriebswirtschaft studiert und mein Studium ist hier anerkannt. Spreche 4 Sprachen( die meisten Moldauer sprechen 2 oder 3 Sprache: Rumänidch, Russisch, Englisch). Ich kann also hier weiter arbeiten und leben…bin aber nicht sicher ob ich das möchte…
    Ich trage kein high hils, schminke mich nicht, bin schlank, ja, aber nicht weil ich nichts zu essen habe (gibt’s nicht in Moldawien so was dass die leute nicht genug Essen haben, wir essen besser als die Deutschen, sorry, kein fastfood, kein Hormonen, bei uns sind keine ubergewichtige Leute) sondern weil ich hier auch wie in Moldawien mich gesund ernehre, esse Bioproduckte. Sorry, die meisten Lebensmittel sind bei uns sehr billig und ganz bio, haben herliche Arroma und supper Geschmack. Hier fehlt es mir unser gutes Essen.
    Seit ich in Deutschland bin fehlt mir auch unser freundliche Klima, viel Sonne, mann kann Sonne in Hand nehmen, immer, auch in Winter haben wir mehr licht irgendwie.
    Mir fehlt hier auch die warme Beziehungen, Familienatmosphere. Wann ich gesehen habe wie kalt sind manche Deutschen auch in Familien, habe gesagt, um sonst seid ihr so reicht.
    Falsche Lecheln überal. Habe in eine Praxis gearbeitet wo Nazismus Zuhause war. Die Deutschen miteinander waren auch fremd und distanziert, obwohl sie jahrelang zusammen arbeiten.
    Ich loiebe Theater, Oper, Ballet. Hier ist alles technisch, wie Roboten.
    Mein Opa war damals sehr reiche Mann, die reicheste in sein Gebiet. Viele Leute sagen dass wenn er gelebt hätte, dann wärren wir Millioneren geworden. Er ist in Zweiteweltkrieg in Berlin gestorben…..

    1. Frieder Monzer says:

      Anna, ich kann Die sehr gut verstehen, lass Dich von der Arroganz aus dem Westen nicht unterkriegen! Viele Grüße

  4. comps says:

    schöner Bericht! Freue mich schon auf den Nächsten, z.B. über Rumänien.. Verstehe nur noch nicht ganz, warum es in der Hauptstadt, die ja nicht gerade gänzt, Rucksacktouristen gibt, die es länger als ein paar Tage dort ausgehalten haben, oder habe ich da was überlesen…

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallihallo und vielen lieben Dank! Unsere Berichterstattung aus Rumänien ist fürs erste beendet, alle Reiseberichte und weitere Artikel findest du hier: https://1thingtodo.de/tag/rumaenien-Reiseberichte/

      Die genauen Beweggründe der „Rucksacktouristen“ in Chișinău waren uns auch nicht ganz klar, es handelte sich aber überwiegend um Langzeitreisende, die entsprechend viel Zeit hatten, jedes Land für sich zu erkunden. Chișinău hat den Vorteil, dass es in der Umgebung zwar durchaus einiges zu entdecken gibt, aber auch nicht zu viel, sodass man kein Angst haben muss, viel zu verpassen. Das kann entspannend sein. Und günstig ist Chișinău obendrein. 🙂

      Liebe Grüße!
      John & Marc

  5. Äquilibrist says:

    Hi ihr,
    also wirklich schön verfasster Artikel, ich musste einige Male schmunzeln.
    Besonders gelungen auch das Fazit:)
    LG, Monique

  6. Maria says:

    Okay… Ich werde Chişinãu definitiv nicht besuchen 😉 aber euer Bericht von der Stadt und dem Flair der Stadt ist sehr interessant. Von der kleinen Hauptstadt wusste ich so gut, wie nichts.
    Viele Grüße
    Maria

  7. goldeneslichtimzimmer says:

    Herzlichen Dank, Ihr Beiden, für den amüsanten Beitrag! Ich werde die Stadt nicht auf meine travel-Liste setzen, aber habe nun einen wundervollen Einblick erhalten! Gute Reise weiterhin!

  8. antjesoasis says:

    Danke für den Einblick nach Chișinău – und ja, wer sucht, der findet etwas Schönes …. Und es sind ja fast immer die Menschen und Erfahrungen, die einen Ort zu etwas Besonderem machen, oder eben auch nicht!! Aber das Leid nicht zu den schönsten Städten zu gehören, teilen ja die meisten postsozialistischen Städte, zumindest in gewissen Ecken, wo der Krieg zu viel zerstört hat. Und wenn ich manchmal durch meine Heimatstadt laufe, denke ich das auch, obwohl Berlin natürlich auch super schöne Ecken hat : )

  9. Wolfgang Stoephasius says:

    Servus! Zur Ergänzung zu eurem wieder ausgezeichnet gestalten Blogbeitrag, will ich euch einen Teil des Entwurfes zu meinem Buch „In 70 Jahren um die Welt“, der aus Platzgründen nicht untergebracht werden konnte, nicht vorenthalten:
    Moldawien, drei Länder in einem Staat: Als passionierter Reisender werde ich immer wieder gefragt, in welchem Land es mir am besten gefallen hat und werde mit Unverständnis bedacht, wenn ich antworte, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Vor einigen Jahren war meine Antwort die, dass ich die Frage zunächst ins Gegenteil verkehrte und meinte, am wenigsten hätte es mir in Moldawien gefallen. Irgendwann habe ich dann aber irgendwo gelesen, dass man dorthin, wo man sich nicht wohl gefühlt hat, nochmals zurückkehren sollte. Das habe ich mir zu Herzen genommen.
    Mit dem Zug fahren Renate und ich im Sommer 2010 von Bukarest nach Chisenau, die Hauptstadt von Moldawien. Dort bin ich bei der Reise vor sechs Jahren auf eine ganze Menge unfreundlicher Menschen getroffen und wollte nun sehen, ob dieser Eindruck ein subjektiver war. Unsere erste Begegnung mit einer Moldawierin findet gleich im Zug statt und die Schlafwagenschaffnerin scheint die Vorurteile von damals zu bestätigen, sie ist wirsch und unhöflich. Am Bahnhof finden wir einen Taxifahrer, der seinen Job ordentlich macht, freundlich ist und uns nicht über das Ohr haut. Das vorab im Internet gebuchte kleine Hotel entpuppt sich als eine Unterkunft, die ausschließlich von jungen Frauen geführt wird. Hier fällt uns gleich auf, wie modisch sich die Damenwelt kleidet, manchmal vielleicht etwas „billig“. Das hübsche schlanke Mädel, welches uns beim Gepäck hilft, trägt Stöckerl, also High Heels, von gefühlten 30 Zentimetern, 12 werden es allemal sein. Höflich lehne ich es ab, dass sie unsere Koffer über die Treppe in den zweiten Stock trägt, muss ich doch befürchten, dass sie sich mindestens einen Knöchel bricht. Gleich beim ersten Spaziergang stellen wir fest, dass nicht nur die Mädels in unserem Hotel, sondern die jungen Frauen generell nahezu durchwegs hübsch und überschlank sind, weil sie sich ganz offensichtlich kaum etwas zu essen gönnen und ihren Verdienst in Mode investieren. Die jungen Männer haben es eher mit der Technik, Kleidung ist da weniger wichtig. Liegt in Rumänien der monatliche Durchschnittslohn bei 350 Euro, sind es hier nur 80. Da wundern wir uns schon, welche Luxusschlitten in den Straßen unterwegs sind. Obwohl Rumänisch Staatssprache ist, reden die meisten Leute Russisch oder Ukrainisch, für uns ist da kein Unterschied zu erkennen. Inschriften auf Schildern sind meist auf Kyrillisch. Mit der Freundlichkeit habe ich nun offensichtlich doch mehr Glück. Es gibt zwar immer noch einige Ignoranten, die meisten von ihnen russischsprachig, aber im Großen und Ganzen sind die Leute hilfsbereit, oft zurückhaltend, das hängt aber sicher mit den Sprachproblemen zusammen. Man mag es glauben oder nicht, in dieser Gegend wird ein vorzüglicher Wein gekeltert, einst kamen die Vorzugsweine der Sowjetunion von hier. Schon bei meinem letzten Aufenthalt wollte ich die Weinkeller der Kelterei Cricova besichtigen, dort soll es 120 km unterirdische Gänge voller Wein geben. Damals ging es nicht, weil ich der einzige Interessent war. Dieses Mal können für die nächsten Tage keine Buchungen entgegengenommen werden, weil die Führungen völlig ausverkauft sind. Die Leute von dieser Firma tragen die Nase ganz schön hoch, geben keine Antwort, ob wir vielleicht auf die Warteliste kommen könnten. Also beschließe ich, auf eigene Faust eine Kellerei zu suchen. Nach Recherchen im Internet fahren wir für einen lächerlichen Betrag mit einem klapprigen Bus in das Dorf Cojuschna und irren herum, bis wir endlich mit der Hilfe von Dörflern, welche unserer Zeichensprache folgen können, den Weg zur Weinkellerei finden. Das Anwesen wirkt verwaist und heruntergekommen. Pech gehabt, denken wir. Drei Männer, die mit Dachdeckerarbeiten im Nachbarhaus beschäftigt sind, fuchteln mit den Armen herum, klettern herunter und führen uns in den Garten des verwahrlosten Geländes. Eine Dame im schwarzen Cocktailkleid mit den üblichen gefühlten 30-cm-Stöckerln kommt, öffnet eine Sesam-Öffne-Dich-Geheimtür und wir landen in einem riesigen Keller in dessen Gängen angeblich eine Million Weinflaschen lagern. Die Firma produziert nicht mehr, aber die Weine werden weiterhin vermarktet, darunter jahrzehntealte Köstlichkeiten. Bei der Probe bekommen wir Weine kredenzt, die teilweise 35 Jahre alt sind und auch entsprechend schmecken, also „oideln“, wie wir Bayern sagen würden. Unsere Führerin spricht nur Russisch oder vielleicht auch Ukrainisch, Fachwörter aus der Weinwelt sind irgendwie international und wir können ihren Ausführungen recht gut folgen. Wann hat man die Gelegenheit kilometerweit durch Gänge voller verstaubter Weinflaschen zu spazieren und in einem prunkvollen steinernen Saal in welchem auch schon Putin bewirtet wurde auf edlen Massivholzstühlen edle Tropfen zu verkosten?
    Während unseres Aufenthaltes ist Nationalfeiertag angesagt mit viel Musik und noch mehr herausgeputzten Mädels. Am 27. August 1989 hat sich Moldawien von der UdSSR losgesagt. Es ist das ärmste Land Europas mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von der Größe von Oberbayern. Ein Jahr nach der Unabhängigkeit begann der Bürgerkrieg, der bis 1992 dauerte und viele Opfer forderte. Die Teilrepublik Transdnjestr mit 550 000 Einwohnern wollte selbstständig werden, ist es defacto nun auch mit einer eigenen Währung, einem Rubel der außerhalb des Landes wertlos ist, und einer eigenen Armee. Dort müssen wir natürlich hin und nehmen den öffentlichen Bus. An der sogenannten Grenze werden wir behandelt wie zu den schlimmsten kommunistischen Zeiten mit Einreisebeamten von denen wir nur die Hände sehen, weil sie ihre Gesichter hinter Einwegspiegeln verstecken. Tiraspol, die Hauptstadt, strotzt vor Armut mit seinen heruntergekommenen Wohnhäusern, aber wartet mit einem riesigen Paradeplatz, der mit Fahnen behängt ist, auf. Die Menschen feiern in den nächsten Tagen 20 Jahre Unabhängigkeit. Unvorstellbar bei einer greifbaren Armut ist, dass wir an einem Tag fünf Stretchlimousinen, jede wohl 12 Meter lang, sehen. So viele bekommen wir in der sogenannten Schicki-Micki-Stadt München in einem ganzen Jahr nicht zu Gesicht. In einem Park steht ein russischer Panzer zu welchem Brautpaare pilgern, um sich fotografieren zu lassen. Braut, Bräutigam und Hochzeitsgesellschaft in die neueste Mode gekleidet. Angeblich kontrolliert eine einzige Mafiafamilie das Leben im Land, verdient ganz offensichtlich mit Menschenhandel, Drogen und Geldwäsche recht gut.
    Ein weiterer Ausflug führt uns nach Süden und zwar in die autonome Teilrepublik Gagauzia mit einer türkischsprachigen russisch-orthodoxen Minderheit. Die Leute dort haben wenigstens kein eigenes Geld und Grenzkontrollen gibt es auch keine. In der „Hauptstadt“ Comrat treffen wir in der orthodoxen Kathedrale auch auf eine Hochzeit, bescheiden und ohne Stretchlimousinen, Brautpaar und Gäste sind nicht so aufgedonnert wie in Tiraspol.

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