Budapest Geheimtipp: Das ist die perfekte Donauwelle

Unser zweiter Besuch in Budapest kam ungeplant. Entsprechend unerwartet widerfährt uns nun auch zum ersten Mal das Bedürfnis, eines unserer 1 THING TO DOs zu revidieren. Ein Glas Unicum im Szimpla Kert? Weiterhin stark empfehlenswert. Doch ein Abend im Fellini Római Kultúrbisztró am Donauufer im Norden von Budapest verdammt uns zu tun, was wir tun müssen. Über die Neuentdeckung einer Stadt, wie wir sie so nicht zu finden geglaubt hätten. Geschrieben von Marc.

Budapest Geheimtipp Fellini Romai Kulturbisztro

Das Fellini Római Kultúrbisztró ist ein Geheimtipp für all jene, die etwas länger in Budapest Station machen.

Budapest ganz untouristisch

Kieselsteine statt Donaupromenade, bröckelnde Betonstege statt Bauten der Macht: Bei unserem zweiten Besuch in der ungarischen Hauptstadt nehmen wir uns die Zeit, Budapest auch außerhalb des Stadtzentrums kennenzulernen. Die Donau, die sich zwischen Margareteninsel und Kettenbrücke so kolossal in das prächtige Budapester Stadtbild einprägt, zeigt sich uns heute von ihrer natürlicheren Seite.

Von der S-Bahn-Station Rómaifürdő schlendern wir hinab zum Donauufer, das fünf Kilometer nördlich der Margareteninsel so wirkt, als würde es sich ganz gemächlich auf das große Finale zwischen Fischerbastei und Parlamentsgebäude vorbereiten. Rechts von uns wirkt das am Abend bereits geschlossene Freibad Római Strandfürdő mit seinen leeren, blauen Wasserrutschen beinahe wie ein Abandoned Place. Touristen? Fehlanzeige. Hier scheinen die Budapester noch unter sich zu sein.

Budapest Fellini Romai Kulturbisztro

Hier bröckelt der Beton – welch Kontrast zum Donauufer in der Innenstadt!

Budapest Romaifurdo

Hinter dem grünen Donauufer am Fellini Római Kultúrbisztró ragt ein verlassenes Hotel in die Höhe.

Provinz einer Weltstadt

Es ist ein anderes Budapest, das wir in Rómaifürdő erleben. Statt Geschäftsleuten mit Aktenkoffern und Reisenden mit Selfiesticks treffen wir auf grinsende Kinder, die mit einem Wasserball um Leben und Tod kicken. Statt der charakteristischen Mischung zwischen prunkvollen Bauten und verfallenen Wohnhäusern passieren wir zierliche Einfamilienhäuser mit grünen Gärten. Es ist die provinzielle Seite der Weltstadt Budapest.

Am bewachsenen Donauufer laden Imbissbuden und Biergärten zum Verweilen ein. Jetzt ein Lángos? Du musst nur zugreifen! Ein schmaler Kieselstrand fordert uns heraus, ein hastiges Bad in den Fluten zu nehmen. Eine Schande, dass wir unsere Badehose in der Gepäckablage am Bahnhof gelassen haben. Weiter im Wasser zieht Kanu für Kanu an uns vorbei, beobachtet von Pärchen jeder Coleur, die über den Alltag philosophieren. Wie lebenswert diese Stadt doch plötzlich scheint!

Budapest Donauufer Sonnenuntergang

Die Donau im Norden des Budapester Stadtzentrums ist gerade auch unter Wassersportlern beliebt.

Budapest Donauufer Sonnenuntergang

Im Hintergrund gut zu sehen ist die Südspitze der 38 Kilometer langen Donauinsel Szentendrei, ihrerseits Teil des Duna-Ipoly-Nationalparks.

Ein Steg ins Donauparadies

Die Budapester haben sich hier am nördlichen Donauufer einen Platz zur Naherholung geschaffen, der die in diesem Moment mehr als touristisch erscheinende Margereteninsel in den Schatten stellt. Das laute Zentrum? Scheint hier Dutzende Kilometer weit entfernt. Ein neues 1 THING TO DO für Budapest? Wirkt ziemlich nahe!

Ein paar Meter noch laufen wir weiter, während die Dämmerung den Himmel langsam orange färbt. Hinter einer farbenfrohen, hölzernen Imbissbude führt ein blau-rot gestreifter Steg auf eine schwimmende Terrasse. Wer kann dazu nein sagen? Wir bestellen uns eine hausgemachte Beerenlimonade und marschieren in Richtung Donauparadies – vorfreudig schnell, und doch diszipliniert. Nur nicht wie freche Touris wirken, die den Budapestern die besten Plätze wegschnappen.

Budapest Fellini Romai Kulturbisztro

Quasi die erste Klasse im Fellini Római Kultúrbisztró und Schauplatz unseres 1 THING TO DOs für Budapest.

Eine Limonade im Fellini Római Kultúrbisztró

Mit jeder Welle kam ein Traum. Es gibt Momente, in denen muss man nicht viel miteinander reden. Es genügt uns vollkommen, unsere Limonade genüsslich durch den Strohhalm zu ziehen, mit den sanften Donauwellen zu schwingen und eine Entenmutter mit ihren sich tapfer über Wasser haltenden Küken zu beobachten. Und uns mal wieder mit dem so banalen wie immer gültigen Gedanken zu beschäftigen, dass Städte nun mal mehr sind als ihr geschäftiger Kern.

Wie schade, dass wir nur versehentlich ein zweites Mal in Budapest gestrandet sind und eine leichte Aufbruchsstimmung über unserem Abend an der gemütlichen Donau liegt. Doch auch Belgrad, das wir ebenfalls ein zweites Mal besuchen werden, liegt schließlich an unserer neu gewonnen Flussfreundin. Alles halb so schlimm also, denken wir uns, und lassen uns im Sonnenuntergang unsere Schwermütigkeit wegschunkeln. Wir schwimmen auf der perfekten Donauwelle. Noch nie hat der letzte Schluck Limonade so gut geschmeckt.

Budapest Fellini Romai Kulturbisztro

Unser (neues) 1 THING TO DO für Budapest: Eine Limonade im Fellini Római Kultúrbisztró genießen, während du auf der perfekten Donauwelle reitest.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Budapest

Was? Dem Fellini Római Kultúrbisztró im Stadtteil Rómaifürdő einen Besuch abstatten und auf Pontons wankend eine hausgemachte Limonade schlürfen.
Wo? Die S-Bahn-Station Rómaifürdő erreichst du mit der Linie H5 ab Batthyány tér (auf Höhe des Parlamentsgebäudes) innerhalb von 16 Minuten.
Wie viel? Eine Fahrt mit der S-Bahn kostet umgerechnet rund 1,20 Euro. Die Getränkepreise im Fellini Római Kultúrbisztró – das übrigens auch Snacks und kleine Gerichte anbietet – sind aus mitteleuropäischer Perspektive günstig.
Warum? Um Budapest von seiner provinziellen, charmanten und entspannten Seite kennenzulernen und dabei im Gleichschritt mit der Donau jegliches Stressgefühl für mindestens einen Moment zu vergessen.

Hast auch du schon einmal eine Stadt mehrfach besucht und sie dabei immer wieder neu kennengelernt? Vielleicht möchtest du uns von diesem Erlebnis ja in den Kommentaren berichten. Viele weitere Eindrücke aus der ungarischen Hauptstadt findest du in unserem ausführlichen Budapest Reisebericht, den wir nach unserem zweiten Besuch noch einmal auf Vordermann gebracht haben.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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