Beelitz: Hinter den Fassaden der Spargelstadt

Nur etwa 45 Minuten mit der Bahn von Berlin entfernt, lohnt das beschauliche Beelitz nicht nur in der Spargelzeit einen Ausflug. Zwar ist das 12.000 Einwohner zählende Städtchen in Brandenburg nicht sonderlich reich an Sehenswürdigkeiten. Doch wer sich wie wir die Zeit nimmt, hinter die Fassaden der Altstadt und der nahegelegenen Heilstätten zu schauen, wird nicht zum letzten Mal einen Ausflug nach Beelitz unternehmen. Gerade der zweite Blick macht Lust auf mehr. Geschrieben von John & Marc.

[Der Artikel enthält Werbung in Folge einer bezahlten Kooperation mit dem Tourismusverband Fläming e.V., der uns für eine Nacht zur Erkundung der Region einlud.]

Beelitz Ausflug Berlin

Willkommen auf einer Entdeckungstour durch Beelitz, einem Ausflugsziel südlich von Berlin

Ankunft vor den Toren Berlins

„Erstens kommt es anders, zweitens als man Fläming.“ – Das Fazit unserer ersten Reise durch den Fläming im Jahr 2017 zieht sich wie ein roter Faden auch durch unseren Ausflug nach Beelitz. Denn der Fläming ist mit nur wenigen Attraktionen bestückt, die dich gleich auf den ersten Blick in ihren Bann ziehen. Vielmehr bedarf die Region südwestlich von Berlin und Potsdam häufig des berühmten zweiten Blicks, um ihre Reize zu entfalten – und dich zu überraschen.

In Beelitz wiederholt sich die Geschichte. Es mag am tristen Oktoberwetter liegen, dass uns der mittelalterlich angelegte Stadtkern anfangs nicht gerade vom Hocker haut. Alles ganz niedlich, doch gibt es Kleinstädte in Brandenburg, die uns schneller um den Finger wickelten. Angermünde in der Uckermark zum Beispiel, aber auch Jüterbog und Treuenbrietzen, beide ebenfalls im Fläming gelegen. Es ist der Zufall, der diesen ersten Eindruck ins Wanken bringt.

Beelitz Ausflug Berlin

Am Rathaus in der Altstadt von Beelitz.

Beelitz Ausflug Berlin

Die Mauerstraße umkreist die Altstadt von Beelitz und lohnt so einen Spaziergang.

Beelitz-Ausflug: Die Alte Posthalterei

In der ↠ Alten Posthalterei unweit von Rathaus und Stadtpfarrkirche wollen wir eigentlich das zugehörige „Postmuseum“ besuchen, das künftig als Stadtmuseum ausgebaut wird. Die Eingangstür im Erdgeschoss ist jedoch noch verschlossen, sodass wir uns zunächst die zugänglichen Räumlichkeiten in der oberen Etage anschauen. Ein kurzer Bummel gibt zunächst nicht viel her, bis wir plötzlich einem Besucherführer in historischer Postillon-Uniform begegnen, der uns schließlich die Tür zum Museum öffnet.

Wir erfahren mehr über die Geschichte des Hauses, die im Jahre 1789 beginnt und viel über seine Rolle als Poststation auf dem einst beschwerlichen Weg zwischen Berlin und Leipzig erzählt. Im ersten Ausstellungsraum hören wir uns verschiedene Signal-Melodien an, die hier im 19. Jahrhundert etwa die Ankunft von Postkutschen – und sogar die Anzahl ihrer Pferde – per Posthorn verkündeten. An Ort und Stelle wurden Pferde ausgetauscht, in der eigenen Hauswirtschaft erholten sich auch Goethe, Schiller oder Kleist von anstrengenden Fahrten in der Postkutsche, die damals auch für den Reiseverkehr genutzt wurde. Ein besonders prachtvoller Raum befindet sich im ersten Geschoss des Hauses, der heute auch für standesamtliche Trauungen genutzt wird. Die Wandmalereien erzählen ihre ganz eigenen Geschichten, ein waches Auge erspäht sogar Rapunzel.

Beelitz Ausflug Berlin

Trau- und Veranstaltungssaal im Obergeschoss der Alten Posthalterei.

Beelitz Ausflug Berlin

Eine historische Karte zeigt die alten Postwege der Region.

Beelitz-Ausflug: Das Spargelmuseum

Heute rasen die ICEs auf der Strecke zwischen Berlin und Leipzig ohne Halt durch den Fläming. Die Alte Posthalterei zeigt anschaulich, dass das einmal ganz anders war und unscheinbare Städte wie Beelitz auf eine vielfältige Geschichte zurückschauen. Könnten Gegenwart und Vergangenheit in diesem Beispiel nicht konträrer sein, so gibt es jedoch auch eine schmackhafte Angelegenheit, die beide verbindet. Beelitz ist Spargelstadt, heute ganz offiziell, aber eigentlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das ↠ Spargelmuseum, erst vor Kurzem von Schlunkendorf nach Beelitz umgezogen, befindet sich gegenüber der Alten Posthalterei und informiert auf kleinem Raum über die Bedeutung des Spargels für die Region. Der erste Spargel wurde hier 1861 angebaut, 2015 betrug die Produktion 16.000 Tonnen. Immer am ersten Juniwochenende feiert Beelitz sein überregional bekanntes Spargelfest. Das Museum zeigt unter anderem die Kleider der letzten Spargelköniginnen. Wir werden zudem zu einem Gläschen Spargel-Sahne-Likör eingeladen, der viel leckerer schmeckt als du denken magst.

Beelitz Ausflug Berlin

Das Spargelmuseum im südlichen Teil der Mauerstraße verweist auf kleinem Raum auf die Bedeutung des weißen Goldes für die Region.

Beelitz Ausflug Berlin

Ein Hingucker im Beelitzer Spargelmuseum sind die Kleider einiger bisheriger Spargelköniginnen.

Abstecher nach Beelitz-Heilstätten

Erst der Blick hinter die Fassaden von Spargelmuseum und Alter Posthalterei halfen uns, uns für Beelitz begeistern zu können, was ein kurzer Zwischenstopp auf einer Radtour womöglich nicht geschafft hätte. Abseits der Stadt stehen weitere jener Beelitzer Fassaden, die jedoch deutlich bekannter sind und Ausflügler wie Hobbyfotografen gleichermaßen anziehen.

Die Beelitzer Heilstätten dienten einst als Sanatorium für die Tuberkulose-geplagte Berliner Arbeiterschaft. Die Obrigkeit von damals wollte zum einen deren Arbeitsfähigkeit erhalten, zum anderen auch rein symbolisch ihr Image als „Kümmerer“ verbessern. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage als größtes Militärhospital der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion. Es folgte der Verfall, Teile wurden durch Vandalismus beschädigt. Insofern tut sich heute Erstaunliches auf dem Gelände: Erste Bewohner sind in restaurierte Gebäude eingezogen, andere dienen gar wieder medizinischen Zwecken. Vor allem aber boomt der Ausflugstourismus: Der Baumkronenpfad verschafft surreal anmutende Aussichten, ein Barfußpark verspricht „Kurzurlaub für Körper und Seele“, und noch immer finden Führungen in die verfallenden Gebäude statt.

Beelitz Ausflug Berlin

Die Beelitzer Heilstätten sind über die Grenzen Brandenburgs hinaus als Fotomotiv bekannt.

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John bei einem Spaziergang auf dem Baumkronenpfad.

Abends auf dem Baumkronenpfad

Nachdem wir Beelitz-Heilstätten im Vorjahr bei Tageslicht besuchten, entdecken wir das Gelände dieses Mal am Abend – und bei Nacht. Die Sonne steht bereits tief, als wir auf der obersten Etage des 40 Meter hohen Aussichtsturms ankommen. Die Sicht ist klar, in der Ferne erspähen wir sogar den Berliner Fernsehturm. Der Herbsthimmel verhagelt uns den Sonnenuntergang, doch ein paar Meter weiter unten, auf dem eigentlichen Baumkronenpfad, ist das vergessen.

Als wir die etwa die Hälfte der 320 Meter langen Strecke hinter uns haben, beginnen urplötzlich Lichterketten den Weg zu beleuchten, der teils knapp oberhalb, teils knapp unterhalb der Dächer der ehemaligen Lungenheilanstalt verläuft. Später wird ein Teil jener Bäume, die auf einem der verfallenen Gebäude wachsen, blau illuminiert. Ein Anblick irgendwo zwischen Traum und Albtraum.

Beelitz Ausflug Berlin

Für einige Abendveranstaltungen wird der Baumkronenpfad beleuchtet.

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Blick vom Aussichtsturm auf den bislang 320 Meter langen Baumkronenpfad.

Nachts in der Chirurgie

Der Himmel ist bereits komplett verdunkelt, als wir mit Taschenlampen bewaffnet zu einer Führung durch die Chirurgie der ehemaligen Heilstätten starten. Die kleinen, schwarzen Lämpchen, die uns an der Kasse ausgehändigt wurden, sind allerdings mehr Spielzeug als wirkliche Helferlein in der Dunkelheit. Da nur wenige Räume der Chirurgie an diesem Abend beleuchtet sind, bleibt es um uns herum oftmals stockfinster.

Ein weiteres Mal blicken wir hinter eine dieser Beelitzer Fassaden. Das Licht unserer Lämpchen wirft hier skurrile Schatten, bringt dort skurrile Schriftzüge zum Vorschein. Immer wieder zerbröselt Schutt unter unseren Füßen, wenn wir Mal ums Mal einen anderen Raum betreten, von dessen einst so moderner Ausstattung heute nichts mehr geblieben ist. Die Führung bei Nacht ist ein gänzlich anderes Erlebnis als bei unserem Besuch im letzter Jahr. Und sie bestätigt unser Gefühl von damals: Eine Erkundungstour in den Heilstätten ist unser 1 THING TO DO für Beelitz.

Berlin Ausflug Berlin

Nachts in der Chirurgie, die auf absehbare Zeit im Rahmen von Führungen begehbar bleibt.

Beelitz Ausflug Berlin

Die Arbeiter-Lungenheilstätten wurden zwischen 1898 und 1930 errichtet.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für deinen Beelitz-Ausflug

Was? Ein Besuch auf dem „Baum-und-Zeit“-Gelände von Beelitz-Heilstätten samt Spaziergang auf dem Baumkronenpfad und Führung in die verlassene Welt der einstigen Lungenheilanstalt.
Wo? Als Gemeindeteil von Beelitz verfügt Beelitz-Heilstätten über einen eigenen Bahnhof, den Kassenbereich erreichst du nach etwa 15 Gehminuten.
Wie viel? Die aktuellen Eintrittspreise für Baumkronenpfad und Barfußpark findest du hier, Informationen über derzeit angebotene Führungen gibt es hier.
Warum? Um hinter die Fassaden des Mythos Heilstätten zu blicken und obendrein Zeitzeuge zu werden, wie das Areal mit neuem Leben erfüllt wird.

Beelitz Ausflug Berlin

Historischer Schriftzug neben dem Hotel Stadt Beelitz im Stadtzentrum.

Beelitz Ausflug Berlin

Von Berlin aus erreichst du den Beelitz Stadt entweder mit Umstieg in Wannsee (RB 33) oder Potsdam Hauptbahnhof (Bus).

Tipps für deinen Beelitz-Ausflug

Übernachtung: Wenn du dir Zeit nehmen möchtest, Beelitz selbst und die nahegelegnen Heilstätten samt Baumkronenpfad zu erkunden, empfehlen wir dir eine Übernachtung vor Ort. Auf unserer zweiten Reise in den Fläming kamen wir im ↠ Hotel Stadt Beelitz* unter, ein Drei-Sterne-Haus inmitten der Altstadt mit gutem Frühstücksbuffet.

Spargelhof Klaistow: Zwischen April und Juni ist Spargelsaison in und um Beelitz, auf dem nahegelegenen ↠ Spargelhof kannst du erntefrischen Spargel, aber auch Spargel-Schinken-Brot oder Spargel-Ciabatta kaufen. Im Hof- sowie im Scheunenrestaurant dreht sich dann alles rund um das weiße Gold. In September und Oktober schließlich steht der Kürbis im Fokus: Das Gelände schmücken 100.000 Kürbisse, ein Höhepunkt ist die Kürbiswiegemeisterschaft.

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Im Herbst verwandelt sich der Spargelhof Klaistow in einen Kürbishof.

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Zwischen September und Oktober kannst du auf dem Spargelhof köstliche Kürbisgerichte probieren.

Wenn du mehr über den Fläming erfahren möchtest, empfehlen wir dir den Artikel zu unserer ersten Wochenendreise in die Region. Darin stellen wir viele weitere ↠ Fläming-Ausflugsziele vor, genauso wie übrigens unser 1 THING TO DO für die Kulturlandschaft südwestlich der Hauptstadt. Einen Überblick unserer Erlebnisse auf dem Gelände der ehemaligen Lungenheilanstalt findest du in unserem Beitrag über ↠ Führungen in Beelitz-Heilstätten.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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