Barcelona Geheimtipps: Versteckt unversteckt

Bei deinem zweiten, dritten oder vierten Besuch wirst du in Barcelona ganz sich einige Orte finden, die die ganz großen Touristenscharen noch nicht entdeckt haben. Céline, die seit 2012 selbst in der katalanischen Mittelmeermetropole lebt, hat einige dieser Barcelona-Geheimtipps für dich zusammengestellt. Ein Gastartikel von Céline.

Barcelona Geheimtipps
Zwischen den Gassen im Stadtteil Born blitzt die Santa Maria del Mar hervor. • Credits: Céline Mülich

Barcelona-Geheimtipps im Gotico

Barcelona bedeutet für mich Liebe auf den ersten Blick, den Start in meine Selbstständigkeit, meine Hochzeit, die Geburt meiner Kinder. Barcelona hat mein Leben verändert!

Autorin Céline über ihre Beziehung zu Barcelona

Man glaubt es kaum: Der Stadtteil in Barcelona, der für mich die meisten verborgenen Orte bereithält, ist das Gotico. Ausgerechnet dort, wo die meisten Touristen durch die Gassen laufen! Doch als ich 2012 nach Barcelona gezogen bin, hatte ich hier die meisten Aha-Erlebnisse. Deswegen fangen wir unsere Reise im Gotico an – auch wenn diese Orte 2019 vielleicht schon nicht mehr so geheim sein mögen. Hast du zum Beispiel schon einmal etwas vom ↠ Augustustumpel gehört?

Ein Tempel versteckt im Gotico – wie soll das gehen? Römische Tempel haben schließlich eine gewisse Größe und das Gotico ist nicht unbedingt das Viertel Barcelonas, dass vor Platz und offenem Gelände strotzt. Doch ich möchte das Geheimnis jetzt lüften: Der Tempel ist schlichtweg nicht mehr komplett erhalten. Vier seiner Säulen kannst du in einem kleinen Innenhof direkt hinter der Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia trotzdem bestaunen.

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Auf einem Bummel durchs Gotico leicht zu übersehen: Wegweiser zum Augustustempel. • Credits: Céline Mülich

Alltag trifft Antike

Als ich das erste Mal – ohne irgendwelche Erwartungen – in diesen Innenhof kam, war zum Glück kein anderer Mensch vor Ort. Man konnte aus den umliegenden Fenstern einen Fernseher hören, dazu klirrende Töpfe und Pfannen. Ich erinnere mich, dass es sogar lecker duftete. Alltägliche Eindrücke, die sich mit einem Stück antiker Geschichte verbanden – für mich ein Gänsehautmoment!

Der Augustustempel wurde zu Ehren von Kaiser Augustus im späten ersten Jahrhundert vor Christus erbaut. Damals war Barcelona römische Kolonie, seine Wurzeln liegen in der Antike. Fast das ganze Gebiet des Gotischen Viertels entstand über antiken Ruinen. Und das wird auch an anderer Stelle deutlich.

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Überreste des Augustustempels im Gotischen Viertel von Barcelona. • Credits: Céline Mülich
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Zu den Überresten dieses Barcelona-Geheimtipps gehören diese vier Säulen.

Zeitreise im Untergeschoss

Das ↠ Museum der Stadtgeschichte, das sich nur wenige Meter vom Tempel entfernt befindet, birgt ebenfalls eine besondere Geschichte – und die etwas andere Art eines Rundgangs noch dazu. Auch hier wusste ich zunächst nicht, was auf mich zukommt. Nachdem ich meine Eintrittskarte erhalten hatte, schickte man mich zu einem Fahrstuhl. Ich sollte nach “Barcino” fahren. Tatsächlich hießen die Knöpfe im Fahrstuhl “Barcelona” und “Barcino”.

Der Aufzug fuhr ins Untergeschoss und ließ mich im antiken Barcelona aussteigen. Der Weg führt durch Ruinen der römischen Siedlung, vorbei an einer Färberei, einem Weinkeller und Bädern. Das Interessante dabei ist, dass diese Ruinen 1930 aufgespürt wurden, als man den gotischen Palast Casa Padellàs Stein für Stein von der Via Laietana an eben diese Stelle umsiedelte. Das allein ist schon interessant, aber dass dabei noch diese Reste der römischen Siedlung entdeckt wurden, macht das Ganze umso spannender.

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Oben Gegenwart, unten Vergangenheit: ein Aufzug der anderen Art. • Credits: Céline Mülich
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Im Untergeschoss des Museums der Stadtgeschichte Barcelonas.

Barcelona-Geheimtipps im Stadtteil Born

Als nächstes führt dich unsere Reise in den Stadtteil Born. Dieser entstand ebenfalls im Mittelalter. Einst lebten hier viele Seeleute, Händler und Handwerker. Der Handel entwickelte sich gut und die Anwohner verlangten eine größere Kirche, die ihrem Wohlstand gerecht wurde. Kommt dir das bekannt vor? Dann hast du vielleicht das Buch Die Kathedrale des Meeres gelesen! Die ↠ Santa Maria del Mar gibt es wirklich – und sie ist wunderschön!

Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1329 bis 1383 erbaut. Das erste Mal habe ich einfach “nur” den Innenraum genossen, die Leuchter, die Atmosphäre. Bei einem weiteren Besuch habe ich dann an einer Dach-Führung teilgenommen. Und das war wirklich atemberaubend! Von oben hast du eine wunderbare Sicht auf die Stadt und kannst Aussicht, Luft und Sonne genießen.

Picassos frühe Jahre

Im Stadtteil Born findest du auch meine zwei Lieblingsmuseen. Eines davon widmet sich einem sehr, sehr bekannten Künstler, während das andere zeitgenössische Kunst zeigt, deren Köpfe dahinter wahrscheinlich kaum jemand von uns (Deutschen) so wirklich kennt.

Na klar, beim ersten der beiden Museen handelt es sich um das ↠ Picasso-Museum, also nicht wirklich um einen der Barcelona-Geheimtipps. Aber: Das Museum zeigt die Anfangsjahre Picassos, also Werke, die er als Jugendlicher mit 14 Jahren gemalt hat. Und diese sind ganz anders als die Werke, die man so von Picasso kennt! Außerdem findest du hier Werke seiner “Blauen Periode” sowie die Studien zum Werk Las Meninas von Velazquez. Und das alles in wunderschönen Palästen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.

Kunst ohne Schlangestehen

Wenn dir die Warteschlangen vor dem Picasso-Museum aber zu lang sind, kannst du einfach einmal um die Ecke laufen. Dort findest du das MEAM, das ↠ Museo Europeu d’Art Modern, ein noch junges Museum, das die Malerszene selbst ins Leben rief. Es zeigt zeitgenössische figurative Kunst, die sicherlich nicht Jedermanns Sache ist. Doch darunter befinden sich richtig, richtig schöne Werke, die berühren, verschrecken und zum Nachdenken anregen.

Das Museum befindet sich in einem Palast aus dem Jahr 1792, dem Palau Gomis. Von einer Renovierung wurde hier jedoch abgesehen, was das Ganze erst richtig charmant macht. Obendrein wirst du hier vielleicht sogar ganz allein durchs Museum wandeln, während sich im Picasso-Museum alle selbst im Wege stehen.

Es muss nicht immer Gaudí sein

Als Letztes nehme ich dich mit in das Eixample. Dieses Viertel ist in der Zeit des barcelonesischen Jugendstils entstanden, dem Modernisme. Bekannt ist es vor allem für die zahlreichen Gaudí-Bauten, die natürlich längst keine Barcelona-Geheimtipps mehr sind. Deswegen möchte ich dein Augenmerk auf ein anderes modernistisches Bauwerk richten: ein Krankenhaus.

Dieses Krankenhaus wird immer beliebter, weswegen es vielleicht ebenfalls nicht mehr als richtiger Geheimtipp gilt. Dennoch sind die Warteschlangen vorm ↠ Hospital de la Santa Creu i Sant Pau noch immer kurz. Lange habe ich ganz in der Nähe dieses Krankenhauses gelebt, bin oft daran vorbei gelaufen und habe immer gehofft, einmal einen Blick hinein werfen zu können. Und dann war es plötzlich soweit: Nach ersten Restaurierungen ist es seit 2016 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das wunderschöne modernistische Gebäude wurde 1902 erbaut und von Lluis Domènech i Montaner, einem Konkurrenten Gaudís, entworfen. Hier kannst du dir das prachtvolle Hauptgebäude, einige Pavillons sowie den OP-Raum besuchen. Nach und nach werden wahrscheinlich noch mehr Pavillons für den Besuch geöffnet. Aber schon jetzt lohnt sich der Besuch!

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Das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau erreichst du am besten mit der Metrolinie 5. • Credits: Céline Mülich
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Schon seit 1997 gehört der Gebäudekomplex zum UNESCO-Weltkulturerbe. • Credits: Céline Mülich

Über Céline

Mein Freund, jetzt Mann, und ich sind im September 2011 für eine Städtereise nach Barcelona gereist. Ich habe mich sofort in diese Stadt verleibt. Wir hatten damals bereits Auswanderungspläne, weshalb ziemlich schnell feststand, wohin die Reise gehen soll: Barcelona! Hier habe ich mich dann selbstständig gemacht und ↠ Barcelona-Museum ins Leben gerufen. Ein weiterer großer Schritt für mich.

Nun bin ich seit sieben Jahren in Barcelona und seit sechseinhalb Jahren selbstständig. 2014 haben wir in einem kleinen Ort in Katalonien geheiratet und 2017 kamen unsere Zwillinge in Barcelona zur Welt – im oben genannten Hospital de Sant Pau (natürlich nicht im Museumsbereich, sondern im immer noch aktiven Krankenhaus). Wir sind gespannt auf alles, was noch kommt und ich glaube, so schnell werden wir Barcelona wohl nicht den Rücken kehren.

Wir freuen uns sehr, dass Céline auf unseren Blog aufmerksam geworden ist, da ihre Barcelona-Geheimtipps aus erster Hand eine wundervolle Ergänzung zu unserem ↠ Barcelona Reisebericht sind – der kurzerhand zur Ode an eine Stadt wurde. Hast du auch du Geheimtipps parat, die Barcelona von einer etwas anderen Seite zeigen? Dann freuen wir uns über deinen Kommentar.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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