Albanische Alpen: Liebe 2.0 und ein toter Hammel

Raki, Blutrache und Hammelklöten: Der Rahmen für den Reisemoment aus der Feder von Stefanie schreit nicht gerade nach Liebe. Dennoch wurde sie in den Albanischen Alpen gemeinsam mit ihrer Reisepartnerin Birgit zur Zeugin eines Liebesgeständnisses der ganz besonderen Art. Über den wohl skurrilsten Moment einer dreiwöchigen Reise durch Albanien. Ein Reisemoment von Stefanie.

Gerüchteküche Albanische Alpen

Albanien hat unsere Herzen im Sturm erobert. Zum Abschluss einer dreiwöchigen Entdeckungstour hatten wir uns ein besonderes Schmankerl aufgehoben: die Albanischen Alpen. Diese Gegend ist dünn besiedelt und kaum erschlossen. Die wenigen Häuschen, die sich über die hügeligen Täler streuen, sind im Winter monatelang von der Außenwelt abgeschnitten. Hier ist die Zeit stehen geblieben, so heißt es: Esel dienen als Haupttransportmittel, man versorgt sich im Wesentlichen selbst. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass weiterhin am Gesetz der Blutrache festgehalten wird.

Ohne einen vernünftigen Allraduntersatz traut sich niemand in die Tiefe der Täler. Genau nach unserem Geschmack. Wir suchen uns eine Piste ins Vermosh-Tal und los geht’s – holterdiepolter Richtung Tamare. Trotz trüber Soße beeindruckt uns die Ahnung der gigantischen Bergpanoramen, der steilen Felswände, der verwunschenen Wälder, in denen noch Wölfe und Bären leben sollen.

Albanische Gastfreundschaft

Am frühen Nachmittag erreichen wir Lepushe. Es regnet. Deshalb quartieren wir uns im Hotel Alpini ein. Anfangs sind wir gar nicht so sicher, ob es sich wirklich um einen Gasthof handelt. Aber einen Kaffee und zwei Raki später ist uns das eigentlich auch egal. Beim reichhaltigen Abendessen mit strengem Ziegenkäse und Braten – sagen wir mal es ist Schwein – lernen wir Barbara kennen.

Wir unterhalten uns bei Kerzenlicht. Der Strom fällt den ganzen Abend beharrlich aus. Barbara ist Schweizerin markiert seit 14 Jahren unentgeltlich Wanderwege in der Region. Sie spricht fließend Albanisch und ist so etwas wie ein Ehrenfamilienmitglied unserer Gastgeber.

Die albanische Facebook-Hochzeit

Nach klammer Nacht treten wir hinaus in einen weiteren regnerischen Tag in den albanischen Alpen. Vor uns baumelt ein toter Hammel, dem unser Gastgeber gerade das Fell über die dicken Klöten zieht. Für uns vielleicht doch erstmal Kaffee. Beim Frühstück klärt Barbara uns auf über die betriebsame Anspannung hier im Hotel: Heute ist große Verlobungsfeier des Sohnes!

Braut und Familie kommen extra aus Vlore, ein großes Fest, die ganze Gegend ist eingeladen. „Wohnt der Sohn auch hier im Dorf?“ frage ich noch etwas verschlafen. „Nein, nein, der ist in Amerika“, antwortet Barbara unbeeindruckt, „die Feier wird via Facebook übertragen.“

Weitere beeindruckende Impressionen der dreiwöchigen Albanienreise von Birgit und Stefanie findest du im bebilderten Reisebericht auf Giraffe13. Wenn dich das kleine Balkanland als Reiseziel schon länger reizt, dann legen wir dir außerdem das Albanien-ABC der beiden ans Herz – mit Infos von Camping bis Xaxiki. Und wir? Wir wollten in diesem Jahr eigentlich auch nach Albanien. Wird aber nix. Aber bald!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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