Alamut-Tal, Iran: Haschisch, Orgien und Anhalter

Der Iran fasziniert als Destination viele Reisende. Wir selbst waren im armenischen Khor Virap gerade mal ein Dutzend Kilometer von seiner Grenze entfernt. Nun berichtet Oliver in unserer Artikelserie #Reisemomente von seinen Abenteuern zwischen Teheran und Kaspischem Meer. Genau genommen auch davon, weshalb sich dieser eine Moment im malerischen Alamut-Tal, der ihm besonders in Erinnerung blieb, ziemlich wackelig anfühlte. Ein Reisemoment von Oliver.

Alamut-Tal Iran

Bunte Blumen und weiße Gipfel in der Nähe von Pichebon am Alamut-Tal nordwestlich von Teheran.

Von Qazvin ans Kaspische Meer

Um acht Uhr morgens traf ich mich mit Thomas, einem Tschechen, den ich am Tag zuvor in Teheran kennen gelernt hatte, in seinem Hotel in Qazvin. Beide wollten wir zu der mächtigen Assassinenfestung in den Tälern des Elburs-Gebirges. Unser Plan: per Anhalter von Qazvin bis an die Küste des Kaspischen Meers. Da Autostopp im Iran ein unbekanntes Konzept ist, gaben wir unseren Mitfahrgelegenheiten Spritgeld. Wir gaben es gerne: Im Gegenzug bekamen wir viele neue Eindrücke, mehr Kirschen, als wir essen konnten, und einige interessante Gespräche.

Schon mittags bezogen wir eine nette Unterkunft im kleinen Dörfchen Gazor Khan nahe der Festung. Hoch oben thronte das traditionelle Dorf. Es war schnell ersichtlich, dass die Leute hier hauptsächlich von ihren Feldern, Schafen und Ziegen leben. Wir aber waren wegen der Festung gekommen und machten uns sogleich auf den Weg zur mächtigen Burg, gelegen auf einem Felsen und nur über einen sehr steilen Anstieg zu erreichen.

Alamut-Tal Iran

Durch diese wunderschöne Landschaft reisten wir per Anhalter von Qazvin nach Gazor Khan.

Ein drogenkonsumierender Geheimbund?

Die Assassinen waren ein islamischer Geheimbund im Norden des heutigen Irans und Syriens. Durch Morde an hohen Persönlichkeiten erlangten sie politischen Einfluss und Bekanntheit bis in die Moderne. Heute leben sie noch in zahlreichen Filmen, Videospielen und Sprachen weiter. Umgeben von hohen, schneebedeckten Bergen und fruchtbaren Tälern, bauten sie fast uneinnehmbare Festungen und bildeten ihre eigene Abspaltung des Islams. Viele Mythen ranken sich um sie, Haschischkonsum und Orgien sind nur ein paar davon. Wie mir ein iranischer Freund erzählte, leitete sich ihr Name im Persischen sogar direkt vom Wort Haschisch – „Haschaschinen“ ab. Doch wie viel davon wahr ist, bleibt ein Rätsel.

Thomas und ich besichtigten die Festung. Leider waren nur noch wenige Überreste erhalten. Einige Befestigungsmauern, die Überreste einer Moschee, Lager und große Wasserreservoirs, um einer Belagerung möglichst lange Stand zu halten. So uneinnehmbar das Bollwerk auch war, der Erzfeind der Assassinen, die Mongolen, schafften es letzten Endes doch und zerstörten die Festung bis auf die Grundmauern.

Alamut-Tal Iran

Auf diesem Felsen thronte die Festung von Alamut.

Irrungen und Wirrungen

Der Tag war noch jung und wir wanderten ohne konkretes Ziel in Richtung der umgebenden Gipfel. Von einer der Anhöhen hatte man ein wunderschönes Panorama auf schneebedeckte Berge und den massiven Felsenthron. Unter uns erblickten wir einen saphirblauen See und beschlossen, auf dieser Seite abzusteigen – in der Hoffnung, in einem Bogen zu unserer Unterkunft zurück zu laufen. Mit diesem Plan hatten wir uns aber verschätzt. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich der See als gar nicht mehr so blau, sondern eher algenverseucht und viel weiter entfernt als gedacht. Auch gab es keine Möglichkeit, zurück zu unserer Unterkunft zu kommen, weil ein wunderschöner, aber unüberwindbarer Canyon uns den Weg versperrte.

Letzten Endes nahmen wir einen anstrengenden Marsch bis ins Tal in Kauf. An der Hauptstraße angekommen, schafften wir es gerade noch so, vor Einbruch der Dunkelheit und einem heftigen Gewitter eine Mitfahrgelegenheit zurück zu unserer Unterkunft zu finden. Erschöpft kauften wir Wasser und krochen müde, aber zufrieden zurück in die Unterkunft.

Alamut-Tal Iran

Das kleine Dorf Gazor Khan am Fuße der Festung im Alamut-Tal.

Ein neuer Freund

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, wussten wir noch nicht, was uns die nächsten Tage erwarten würde. Thomas und ich sollten gehörig überrascht werden. Wir verließen das Dorf früh, um eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Es sollte noch tiefer in die Berge gehen. Über das Elbursgebirge wollten wir bis ans Kaspische Meer. Wir schafften es mit zwei Autos bis in das überschaubare Örtchen Gamerud, in dem wir uns mit Proviant eindeckten. Hinter diesem Örtchen begann der eigentliche Bergpass und der Asphalt sollte bald gänzlich enden.

Da saßen wir also, an dem kleinen Bach, aßen unser Frühstück aus Brot, frischem Käse und saftig süßer Melone, als ein Iraner auf uns zu kam. Er selbst lebe in Teheran, wäre nur zu Besuch im Geburtsort seiner Eltern und Fotografieren sei sein größtes Hobby. Nach einem kurzen Gespräch war er auch schon wieder verschwunden. So flüchtig, wie das Gespräch begonnen hatte, wäre Sina wohl in Vergessenheit geraten.

Alamut-Tal Iran

Eines der in den Hang gestreuten Dörfer.

Alamut-Tal Iran

Die Passstraße durch das Elbursgebirge.

Steil bergauf

Doch nach wenigen Augenblicken kam er mit seiner Kamera bewaffnet zurück. Stolz erklärte er, er würde ein Stück mit uns kommen. Da weit und breit kein Auto in Sicht war, liefen wir einfach los, vorbei an steilen Klippen entlang eines Flusses. Hier und da waren einzelne Ortschaften in die Hänge gestreut. In der Ferne leuchteten die schneebedeckten Gipfel, viele davon über 4.000 Meter hoch.

Thomas und ich schulterten je fast 15 Kilogramm Gepäck. Trotzdem stapften wir guten Mutes steil bergauf. Neben dem Weg entdeckten wir einen Wasserfall und zahlreiche blühende Blumen. Nur unser iranischer Begleiter schien weniger erfreut von der Idee so viel zu wandern. Ungeachtet dessen war er jedoch sichtlich glücklich, mit uns unterwegs zu sein, eine Chance zu haben, sein Englisch zu verbessern und uns so einiges zu zeigen und zu erklären.

Alamut-Tal Iran

Ein Wasserfall im Elbursgebirge.

Das Alpenidyll des Elbursgebirges

Irgendwann wurde es aber auch uns zu viel. Thomas und mir wegen des Gepäcks. Der arme Sina aber war es einfach nicht gewöhnt, so viel zu wandern. Kurzerhand versuchten wir unser Glück an einem vorbeifahrenden Pickup, welcher auch prompt hielt und uns bis ins Dorf Pichebon mitnahm. Auf der Ladefläche war es zwar etwas wackelig und unbequem, dafür der Blick umso herrlicher.

Wir holperten über die mittlerweile unbefestigte Straße bergauf. Sina schien uns eine wahre Bereicherung, die Mitfahrgelegenheit verdankten wir vermutlich nur seinem Farsi. Durch nichts ließen sich meine Glücksgefühle in diesem Augenblick beschreiben. Per Anhalter durchs Gebirge auf einem Pickup, umgeben von einer sagenhaften Landschaft. Ich konnte nicht anders, als vor mich hin zu grinsen.

Alamut-Tal Iran

Die schneebedeckten Gipfel von Pichebon.

Alamut-Tal Iran

Thomas, der Iraner Sina und ich auf einem Pickup in den iranischen Bergen im Alamut-Tal.

Du möchtest noch mehr von Oliver und seiner Iran-Reise lesen? Dann findest du in einem weiteren Gastartikel seine Erlebnisse in der Stadt Qazvin, die er nach einer turbulenten Zeit in Teheran besuchte. Oliver bloggt übrigens auch selbst: Auf wasgesternwar.com liest du mehr über seine Reisen durch Europa, Asien, Tunesien und Marokko. Wir wünschen dir viel Spaß beim Stöbern!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

2 thoughts on “Alamut-Tal, Iran: Haschisch, Orgien und Anhalter”

  1. akihart says:

    Sehr schön. Danke! Haben vorletzten Sommer auch eine Tour halb per Anhalter durch das Elburs-Gebirge gemacht, sind aber leider nur im Tal geblieben. Du hast mich ermutigt, es auch mal richtig in die Höhe zu versuchen!

    https://akihart.wordpress.com/2016/11/08/restaurant-adam-hewa_polur/

    1. 1 THING TO DO says:

      Schöner Artikel! Vielleicht sollten wir das Elburs-Gebirge auch mal ins Visier nehmen… liebe Grüße! 🙂

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