Ala-Artscha-Nationalpark: Instagrammable auf Kirgisisch

Nicht einmal 50 Kilometer von Bischkek entfernt, kannst du im Ala-Artscha-Nationalpark in die gigantische Gebirgswelt Kirgisistans eintauchen. Die Nähe zur kirgisischen Hauptstadt jedoch hat ihren Preis: Besonders der Beginn meiner Wanderung im Ala-Artscha-Nationalpark fühlte sich eher nach Instagrammer- denn als Wanderparadies an. Bis ich die Giganten des Tienschan abseits des Trubels zum ersten Mal aus nächster Nähe erlebte. Geschrieben von Marc.

Ala-Artscha-Nationalpark
Der Ala-Artscha-Nationalpark liegt im Kirgisischen Gebirge, einem Teil des Tienschan.

Von Bischkek in den Ala-Artscha-Nationalpark

In Kirgisistan ist der Weg häufig nicht nur das Ziel, sondern auch ein Erlebnis für sich. Auf dem Weg von Bischkek zum Ala-Artscha-Nationalpark wird mir genau das zum ersten Mal bewusst. Per Marschrutka sei er von der Hauptstadt Kirgisistans erreichbar. Habe ich gelesen. Aber irgendwie auch nicht: Regulär würde lediglich das Dorf Kaschka-Suu angefahren. Auf Nachfrage sei der Fahrer auch bereit, mich zum sieben Kilometer südlich gelegenen Tor am Rande des Ala-Artscha-Nationalparks zu chauffieren.

Zum Ausgangspunkt meiner Wanderung zur Razek-Hütte, gelegen auf circa 3.200 Metern Höhe, müsste ich von dort aus jedoch noch immer elf Kilometer laufen. Dieselbe Distanz auf dem Rückweg macht 22 Kilometer. Nicht unerheblich bei einer Tageswanderung. Zumal hier in Kirgisistan, wo ich nicht sicher sein kann, wie mein Körper auf die Höhenluft reagiert. Ich könne aber auch ein Taxi nehmen. Habe ich gelesen. Wer blickt da noch durch? Doch was all die Reiselektüre wert ist, werde ich erst jetzt erfahren.

Ala-Artscha-Nationalpark
Der Wanderweg zur Razek-Hütte führt links vom Fluss Ak-Sai entlang.
Ala-Artscha-Nationalpark
Zwischen Alplager und Ak-Sai-Wasserfall ist der Wanderweg – bis auf einen steilen Anstieg gleich zu Beginn – beinahe ebenerdig.

Ala-Artscha-Nationalpark: Anreise

Ich bin der einzige Tourist in der Marschrutka von Bischkek nach Kaschka-Suu. „Ala Artscha“ hatte ich dem Fahrer vor der Abfahrt etwas schmallippig zu verstehen gegeben. Als Antwort erhielt ich eine nichts sagende Handbewegung. In Kaschka-Suu angekommen, steigen alle Fahrgäste aus. Fast alle: Neben mir bleibt noch eine ältere Dame sitzen, die von meinem Anliegen Wind bekommen hatte und mir wortlos klar zu machen scheint, dass sie die Sache schon regeln würde.

Tatsächlich fahren wir weiter zum Tor, das hinein führt in den Ala-Artscha-Nationalpark. Die Kirgisin jedoch verlässt die Marschrutka auf halber Strecke. Ich hatte auf eine kurze Verabschiedung gehofft, die mir Sicherheit gibt. Vergebens. Doch am Tor angekommen, bietet mein Chauffeur tatsächlich an, mich die restlichen elf Kilometer auch noch zu fahren. Wie unkompliziert! Noch dazu kostet mich die insgesamt 41 Kilometer lange Strecke umgerechnet gerade einmal sechs Euro. Und so steht zum Beginn meiner ↠ Kirgisistan-Reise direkt ein Erlebnis, das sich immer wieder wiederholen wird: Irgendwie kommst du hier immer ans Ziel. Keine Sorge.

Ala-Artscha-Nationalpark
Links fällt der Ak-Sai-Wasserfall in die Tiefe.
Ala-Artscha-Nationalpark
Der Ak-Sai speist sich aus mehreren Quellen, hier auf der rechten Seite des Wanderwegs zur Razek-Hütte.

Reisen um zu posen

Dass ich mir die Zeit nehme, dir mögliche Sorgen vor deinem Ausflug in den Ala-Artscha-Nationalpark zu nehmen, liegt am eher höhepunktarmen ersten Teil meiner Wanderung. Der Ala-Artscha-Nationalpark gehört aufgrund seiner Nähe zu Bischkek zu den beliebtesten Wanderzielen in Kirgisistan. Er fehlt auf kaum einen Reiseblog, der bereits in Kirgisistan Station gemacht hat, und ist obendrein ein beliebtes Ausflugsziel für die Kirgisen selbst.

Das – für kirgisische Verhältnisse – berühmte Panorama auf das Tal des Ala-Artscha ist trotz eines steilen Aufstiegs gleich zu Beginn schnell erreicht. Die meisten belassen es dabei, und schon deutlich weniger wandern weiter bis zum schmalen Ak-Sai-Wasserfall, der in Richtung Osten 25 Meter in die Tiefe rauscht. Auf dem Weg begegne ich einigen kirgisischen Jugendlichen, die für das perfekte Instagram-Foto posieren. Der Ala-Artscha-Nationalpark ist instagrammable: Foto machen und ab zurück nach Bischkek. Für mich wird die Wanderung jedoch erst spannend, als ich auf Höhe des Wasserfalls beginne, die letzten gut 600 Höhenmeter zur Razek-Hütte in Angriff zu nehmen.

Ala-Artscha-Nationalpark
Das wohl bekannteste Panorama im 194 Quadatkilometer großen Ala-Artscha-Nationalpark.
Ala-Artscha-Nationalpark
Nach Süden hin kannst du alternativ auch durch das Ala-Artscha-Tal wandern.

Wanderung zur Razek-Hütte im Ala-Artscha-Nationalpark

Der Wanderweg zur Razek-Hütte im Ala-Artscha-Nationalpark ist deutlich weniger frequentiert. Auf der Strecke begegne ich gerade einmal einem Dutzend anderer Wanderer. Verlief die Wanderung zwischen Panorama und Wasserfall beinahe ebenerdig, geht es von nun an unaufhörlich bergauf. Zu meiner Rechten fließt der wilde Ak-Sai durch graues Geröll in die Tiefe. Schon bald ist sein Rauschen das einzige Geräusch, das ich höre. Vorbei das Vogelgezwitscher und Menschengeplapper, das mich noch zu Beginn meiner Wanderung begleitete.

Ein letzter Hang liegt vor mir. Er hat es in sich. Auf felsigem Gelände geht es weiter steil bergauf. So steil, dass ich meine Hände einsetzen muss, um bei leichteren Kletterpartien Halt zu finden. An den brenzligsten Stellen wurden Ketten angebracht. Doch ich fühle mich gut: In ähnlichem Gefilde in Georgien hatte ich längst mit der Höhenluft zu kämpfen, bewegte mich wie in Zeitlupe vorwärts. Hier im Ala-Artscha-Nationalpark ist davon nichts zu spüren – vermutlich, weil ich mich bereits bei einer ersten Wanderung in Kasachstan akklimatisieren konnte.

Ala-Artscha-Nationalpark
Auf den letzten zwei Kilometern zur Razek-Hütte führt der Wanderweg steil bergauf.
Ala-Artscha-Nationalpark
Ein Hang noch, bis sich der Kessel um den Ak-Sai-Gletscher öffnet.

Allein zwischen Giganten

Der Wanderweg zur Razek-Hütte beginnt flacher zu werden. Nur noch ein paar Höhenmeter trennen mich vom Ziel der Wanderung. Vor mir breitet sich ein weiter Kessel aus. Ich bin umringt von 4.000ern, der höchste von ihnen – Pik Korona – ragt 4.860 Meter in die Höhe. Es ist ein gänzlich anderes Bild als jenes, das ich vor meinem Ausflug vom Ala-Artscha-Nationalpark hatte. Trostloses Geröll statt grüner Wacholderbäume, die sich links und rechts des saftigen Flusstals versammeln – und denen die Gegend ihren Namen verdankt.

Ich verweile eine halbe Stunde auf einem Kamm oberhalb der Razek-Hütte. Immer wieder höre ich an den Hängen um mich herum Steine und Felsen in die Tiefe fallen. Erlebe eine Umgebung, die so massiv wirkt und doch so fragil. Eine karge Landschaft, die mich ganz klein wirken lässt. Und doch so groß.

Ala-Artscha-Nationalpark
Blick auf den Aki-Sai-Gletscher, an der obersten sichtbaren Stelle auf knapp 4.000 Metern Höhe.
Ala-Artscha-Nationalpark
Im Hintergrund (rechts) ragt der Pik Korona mit seinen fünf Gipfeln gen Himmel.

Ala-Artscha-Nationalpark: Mein 1 THING TO DO für Bischkek

Was? Eine Wanderung zur Razek-Hütte im Ala-Artscha-Nationalpark.
Wo? Am Alplager beginnen zwei verschiedene Wanderwege: In Richtung Süden wanderst du – auf beliebter Strecke – direkt ins Ala-Artscha-Tal. In Richtung Osten führt der Weg zunächst zum Tepschi-Panorama, weiter zum Ak-Sai-Wasserfall und schließlich zur Razek-Hütte. Auf den ungefähr sechs Kilometern zwischen Alplager und Razek-Hütte überwindest du knapp 1.200 Höhenmeter. Für Hin- und Rückweg habe ich insgesamt circa sechs Stunden benötigt. Die Wanderstrecke ist mit der App ↠ MAPS.ME kaum zu verfehlen.
Wie viel? Für Hin- und Rückfahrt (circa eine Stunde pro Strecke) habe ich zusammen etwa 15 Euro bezahlt – auf dem Rückweg nahm ich eines der bereitstehenden Taxis. Der Eintritt in den Ala-Artscha-Nationalpark ist im Fahrpreis enthalten.
Wieso? Um mit vergleichsweise wenig Aufwand eine große Portion kirgisische Gebirgswelt kennenzulernen.

Auch das Video zu meiner Reise durch Kirgisistan macht im Ala-Artscha-Nationalpark bei Bischkek Station:

 

Praktische Tipps für deinen Ausflug in den Ala-Artscha-Nationalpark

  • Ich empfehle, so früh wie möglich in Richtung Ala-Artscha-Nationalpark aufzubrechen. Zum einen begibst du dich so noch vor vielen anderen auf Wanderschaft, zum anderen berichtete mir ein ortskundiger Kirgise davon, dass sich am Nachmittag im Sommer fast immer ein Unwetter an der Razek-Hütte zusammenbraut.
  • Außerdem kannst du so sicher sein, rechtzeitig wieder am Alplager anzukommen, um ein Taxi oder eine Marschrutka zurück nach Bischkek zu erwischen – besser nicht später als 17 Uhr.
  • Um sicher zu sein, in Bischkek die richtige Marschrutka (265) nach Kaschka-Suu zu finden, kannst du dir mit der App Yandex-Taxi (Apple Store | Google Play) ein Taxi zum Osch-Basar bestellen. Dein Fahrer weiß am besten, wo die richtige Marschrutka abfährt – oder fragt im Zweifel einen Kollegen.
  • Mein liebster Supermarkt in Bischkek war der „7 dnej“ (7 дней) an der Kreuzung Manas/Toktogul. Hier kannst du dich mit Proviant für die Wanderung im Ala-Artscha-Nationalpark eindecken.
Ala-Artscha-Nationalpark
An dieser Stelle hast du das Ziel deiner Wanderung zur Racek-Hütte fast erreicht.
Ala-Artscha-Nationalpark
Mein Lunchpaket für die Wanderung im Ala-Artscha-Nationalpark.

Du merkst es schon: Wenn ein Ausflugsziel bei Bischkek mein 1 THING TO DO für die kirgisische Hauptstadt ist, dann hat sie selbst mich nicht allzu sehr vom Hocker gehauen. Kirgisistans zweite Kapitale hat mich da schon eher überzeugt. Mehr dazu erfährst du im Reisebericht aus ↠ Osch.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Ala-Artscha-Nationalpark Kirgisistan

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