Great Barrier Reef: Tauchen im Unterwasserwunderland

Träumst auch du davon, einmal im Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens auf Tauchgang zu gehen? Kathrin hat diesen Traum in Airlie Beach verwirklicht. In ihrem Reisemoment berichtet sie uns von zauberhaften Begegnungen mit der quirligen Unterwasserwelt – und der Verletzlichkeit des Lebens. Ein Reisemoment von Kathrin.

Tauchen Airlie Bach Great Barrier Reef

Australien-Reise: Die Route

An meinem schönsten Tag in meinem bisherigen Leben fühlte ich mich klein und empfand große Demut. Ich tauchte ein in ein unsichtbares Leben voller Schönheit, Lebendigkeit und Faszination, die ich still bestaunte.

Das alles kam sehr unerwartet für mich, auch wenn der Anlass lange geplant war. Zusammen mit meinem Freund und gemeinsamen Freunden verbrachte ich im März 2014 einen mehr als dreiwöchigen Urlaub in Australien. Unsere Route führte uns von München über Peking und Shanghai nach Melbourne. Von dort aus ging es nach Sydney und dann nach Cairns in den Norden, wo wir uns einen Camper mieteten. Die folgenden elf Tage fuhren wir entlang der Küste nach Süden bis Brisbane. Von dort ging es ins Flugzeug und zurück nach Melbourne, wo wir unsere Rückreise antraten.

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Die Route der dreistündigen Fährfahrt mit Start in Airlie Beach.

Auf ins Unterwasserwunderland

Zu Beginn der letzten Woche stand ein Ausflug ans Great Barrier Reef auf unserer Agenda. Von diesem Erlebnis möchte ich heute erstmalig berichten: Unser Tag beginnt in Airlie Beach. Als der Wecker gegen halb sechs am Morgen klingelt, regnet es den dritten Tag in Folge. Aber egal. Nass werden wir heute sowieso, denn wir wollen uns unter Wasser bewegen.

Wir werden von unserem Campingplatz abgeholt, zur Fähre gebracht und um acht Uhr morgens startet unser Abenteuer. Es regnet weiter. Das Schiff schaukelt gewaltig, etlichen Mitreisenden, auch M., wird übel, aber mir geht es gut. Ich liebe das Wasser. Kurz nach elf Uhr erreichen wir ein festes Ponton, von wo aus wir schnorcheln werden.

Tauchen Airlie Bach Great Barrier Reef

Angekommen am Ponton, dem Ausgangspunkt des nun folgenden Tauchgangs.

Aufgeregt ins kühle Nass

Das ist alles so unwirklich für mich. Ich ziehe einen sogenannten Wetsuit an, der zwar nicht das Wasser abhält, aber dafür vor Quallenstichen schützen soll. Wir erhalten Tauchermasken und Schnorchel und sollen zum Rand des Pontons gehen, um unsere Flossen anzuziehen, da wir sonst nicht laufen können. Gesagt, getan! Plötzlich stehe ich am Beckenrand knöchelhoch im Wasser, als ich meine Flossen anziehe.

Ich liebe das Wasser, aber bislang beschränkte sich der Weg hinein auf Beckenrand (oder Sprungturm) im Schwimmbad oder darauf, vom Ufer aus langsam und unaufhörlich ins Meer zu schwimmen. Hier jedoch befinde ich mich mitten im Pazifik mit Seegang, Wellen und echter Natur, während von oben der Regen nur so peitscht. Das Meer ist an dieser Stelle „nur“ zehn Meter tief, aber so bin selbst ich Wasserratte und Vielschwimmerin noch nicht baden gegangen. Ich bin tatsächlich ganz schön aufgeregt. Angst hingegen habe ich nicht.

Tauchen Airlie Bach Great Barrier Reef

Tauchen im Great Barrier Reef: Wie im Weltall, nur besser! 😉

Ein Aquarium in groß und echt

Obwohl ich zum ersten Mal überhaupt schnorchele, komme ich erstaunlich gut mit dem Schnorchel zurecht. Es ist ganz einfach: immer ganz regelmäßig und ruhig ein- und ausatmen. Ich schwimme ganz normal an der Oberfläche und halte zunächst mein Gesicht nur leicht unter die Oberfläche. Der sich mir bietende Anblick verschlüge mir die Sprache, wenn ich in diesem Moment sprechen könnte.

Ich bleibe mit ruhigem Kopf unter Wasser, bewege mich mit den Schwimmflossen schnell, aber vorsichtig fort und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fische, Muscheln und Korallen sind in unmittelbarer Nähe um mich herum. Fische in allen Größen und Formen schwimmen an mir vorbei. Das ist eine atemberaubende Unterwasserwelt, die sich mir bietet! Wie ein Aquarium. Aber in groß. Und in echt. Diese ganzen Fische leben hier. Ich bin nur die Besucherin.

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Gefahr im Verzug

Noch eindrücklicher wird die Erfahrung beim „Duck Diving“: einatmen, Luft anhalten, abtauchen. Ich schließe sogar eine Unterwassermuschel mit meiner Hand, indem ich über ihrer Öffnung herum wedele. Die Muschel nimmt die Änderung der Helligkeit wahr, wittert Gefahr und verschließt sich in wenigen Augenblicken. Faszinierend! Mich berührt das alles sehr, ich könnte ewig hier unten bleiben.

Das jedoch geht natürlich nicht. Das Schwimmen im Pazifik erfordert Kraft durch die hohen Wellen, die Strömung und das Salzwasser. Das Wasser ist zwar 25 Grad warm, aber von oben prasselt unaufhörlich Regen auf mich ein, sodass ich trotz aller Unterwasserschönheit und selbst als geübte Schwimmerin irgendwann froh bin, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben – und in trockene Klamotten zu schlüpfen.

So sieht Glück aus – unter Wasser.

Ich bin glücklich

Die Rückfahrt verbringe ich auf dem sogenannten Sonnendeck, auf dem ein starker Wind weht. Dennoch ist es hier erträglich, weil es endlich aufgehört hat zu regnen. Der Wind trocknet meine Haare und zerzaust sie zugleich. Ich bin müde, überwältigt von den Eindrücken – und mir geht das Herz auf. Ich bin glücklich. Wie nie zuvor.

Und so stehe ich in aller Stille und windumfangen auf dem Schiff und habe, gefühlt, die ganze Welt unter mir. Aber es ist keine Überheblichkeit in mir, sondern im Gegenteil: Demut. Da IST eine ganze Welt unter mir. Das weiß ich schon lange, aber sie mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, gänzlich unter Wasser, dieses Gefühl und dieses Erlebnis wird mich dauerhaft begleiten.

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Nach einem Abenteuer unter Wasser ging es über Wasser zurück.

Manchmal sind wir nur Zuschauer

Es gibt so viel Schönheit und Lebendigkeit, die sich auf den ersten Blick verschließt bzw. für unser Auge normalerweise nicht sichtbar ist. Es lohnt sich immer, Perspektiven zu ändern und genau hinzuschauen und sich einzulassen auf Verborgenes. Dabei können wir nur gewinnen.

Vermutlich ist es auch ab und an gut, sich seiner eigenen Verletzbarkeit, Unwichtigkeit und Kleinheit angesichts der riesigen Weite des Meeres klar zu werden. Wir sollten nie vergessen, dass wir uns nicht zu wichtig nehmen sollten, wir sind keineswegs das Zentrum. Sondern ab und an bloße Zuschauer in einer Welt, die wir nicht jeden Tag zu sehen bekommen.

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Ein letzter Blick zurück. Es war einer der schönsten Tage meines Lebens!

Hast auch du auf Reisen diesen einen Augenblick erleben dürfen, der dir niemals wieder aus dem Kopf gehen wird? Dann freuen wir uns über deinen persönlichen Beitrag zu unserer neuen Kategorie Reisemomente! Allen Unterwasserratten empfehlen wir an dieser Stelle gerne auch das feuchtfröhliche 1 THING TO DO aus unserem Krakau Reisebericht. Richtig gehört: Auch in Polens heimlicher Hauptstadt kannst du unter Wasser auf Erkundungstour gehen.

Reisen um zu reisen!
John & Marc 

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